HISTORY, MYSTERY UND HYSTERIE
Berliner 1. Mai goes Pop - unser Demo Guide

Was eint den interessierten Berliner Popper und den erlebnisorienten Actiontourist aus dem Schwabenländle am 1.Mai? Ja, da war doch so eine Demo, mal durch Mitte, mal durch Kreuzberg, die als Pop- wie Randalespektakel jährlich für Aufruhr in der Stadt sorgt. Seit 1987 gehört der 1. Mai nach Berlin wie der Karneval zu Köln. Als Großdemonstration der linksradikalen Szene in Kreuzberg mit anschließender Straßenschlacht war der erlebnisorientierte Teil der Demonstration immer ein beliebtes Rahmenprogramm einer ansonsten nicht allzu spannenden Demo. Mitte der 90er Jahre setzte sich dann der Trend zum Großspektakel durch, schließlich kommt es in Berlin als Hauptstadt der Paraden (Loveparade, Fuckparade, CSD, Karneval der Kulturen etc.) etwas popelig, die revolutionären Massen am 1. Mai mit Flüstertüte und Arbeiterliedern in Extase zu schaukeln. Das war den OrganisatorInnen wohl auch irgendwann klar, als 1999 das erste Mal ein großer Loveparadetruck samt Soundsystem und Alec Empire himself auf der Kreuzberger Demo aufgefahren wurde. Die veranstaltende AAB (Antifaschistische Aktion Berlin) hatte seitdem den Ruf weg, mit populistischem Großspektakel die revolutionären Massen von der Weltrevolution abzuhalten. Deutsche Linke sollen am Kampftag der Arbeiterklasse nicht einfach feiern und Bier trinken . Aber nichts da, in den Jahren danach, die Demo wechselte beständig Route und Teilnehmerzahl, ging mit Das Department, Fettes Brot, Die Goldenen Zitronen und diversen DJs der Trend weiter Richtung Popantifa, was weder der linksorthodoxen Szene in Kreuzberg noch der beim Rahmenprogramm mitmischenden Berliner Polizei richtig gefallen wollte. Das Prinzip Popantifa indes scheint sich dieses Jahr völlig durchgesetzt zu haben. Die Berliner Polizei und Bezirksverwaltung, die letzten Jahre mit Straßenfußball und Gewaltpräventionszelten kläglich gescheitert, wollen dieses Mal am Oranienplatz mit einem Kool Savas-Konzert und dem Film “Hass” auch voll auf Populismus setzen, ein Freibierausschank ist leider noch nicht in Planung. Die originale Popantifa und mittlerweile aufgelöste AAB (debug berichtete) will sich mit ihren beiden Spaltprodukten (ALB und KP Berlin, remember die Judäische Volksfront und die Volksfront Judäas) aber nicht lumpen lassen und fährt für die revolutionär angestachelten Politpopper wieder das volle Programm auf. Am 1. Mai um 17:00 startet die KP Berlin mit ihrem “Wir -gegen-alle”-Motto “Nie wieder Frieden, Fuck Old Europe, Fight New World Order ” standesgemäß mit einem Mia-Konzert (ja, ganz richtig, die Electropunker aus Berlin). Ab 18:00 wird dann vom Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte mit Miss Kittin (!), Stanley Ipkiss und FB Wong gen Kreuzberg durchgestartet, so jedenfallls versprechen es die Veranstalter. Derweil geht in Kreuzberg die 15:00 Demo mit dem Rest der Autonomen, Maoisten und Oldschoolkommunisten inklusive ExAntifa die letzte Kiez-Runde. Der Themenpark um den Oranienplatz wird dann noch durch die Spaßpartei KPD/RZ mit ihrer “wahren 1. Mai-Demo” und ihrem Stargast, Informationsminister a. D. Prof. Mohammed Sajjed es Sahaf, abgerundet. Na denn, move it. 1. Mai, 17:00, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin-Mitte mit Mia, ab 18:00 Demo Richtung Kreuzberg mit Miss Kittin, Stanley Ipkiss und FB Wong 1. Mai ab 13:00 die Kreuzberger 1. Mai Demo und schließlich die Soli-Party am 2. Mai mit dem Dial-Label aus Hamburg und Popantifa-Allstars Checkt: 10:00 Anti-Nazi-Demo 18:00 Demo Rosa-Luxemburg-Platz 15:00 Demo Oranienplatz
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