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16.06.2006 | 14:55
 
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Wir rülpsen Michael Jackson

Der erste Tag auf dem Sonar



Westbam hat mal eine Platte gemacht, die hieß “Night of the Tschuldigungs”. Ich habe diese Platte nie gehört, aber den Namen, ja, den Namen mochte ich immer sehr. Deswegen möchte ich diesem Bericht vom ersten Tag des Sonar 2006 einen ähnlichen Arbeitstitel geben: “The big Naja”. Der thematische Schwerpunkt des diesjährigen Festivals sind “Musik aus Japan” und “Black Music” (wobei “Black Music”, sprich: HipHop, doch letztes Jahr schon das Thema war, oder irre ich mich da?). Also, so lief dann der erste Tag: Die Headliner waren “The Knife”, das schwedische Geschwisterpaar, das die neue Synthie-Pop-Sensation ist, war, oder sein wird (so habe ich das gelesen). Die beiden traten hinter einem Vorhang in schwarzen Overalls und Masken auf, es hatte 45 Grad im Keller des MACBA, und die Musik juckte weniger Hirn und Po als meine Pulsadern. Es ist anzunehmen, dass der Vorhang im Verlauf der Show, als schwer dramatischer Effekt, noch gefallen ist. Wer aber gerade keine Lust auf Apokalypse und epischen Schwermuts-Kitsch aus Schweden hatte, bahnte sich schnell wieder seinen Weg ins Freie und sah dann – Beatboxer. Unglaublich, aber wahr: Gab’s das nicht schon hundert Mal und letztes Jahr sowieso? Da rülpst jemand in Baggy-Pants Michael Jackson, schlägt Purzelbäume und skandiert stumpfe Parolen wie “One, two, one two, what you gonna do?”. Irgendwie war dann alles schon ein bisschen verkorkst, das Wetter und die Musik. Jake the Rapper kann zwar nicht singen, hat aber von allen trotzdem noch am meisten Spaß gemacht. Ich werte es als einen Akt euphorischer Aggression, dass das Pubklikum bei seinem Auftritt alle Vodafone-Sitzsäcke zerfetzte. Zum Glück gab es noch die Veranstaltungen am Rande. Wenn man sich nicht auf die Abitur-Party des Vice-Magazins verirrte (Konzept: Gästeliste, Frei-Alk, Massenpanik und Dr. Dre), konnte man recht feine Musik zu hören kriegen. Ame haben gespielt und es gab einen herrlich bodenständigen Mobilee-Showcase. Heute stehen auf dem Sonar de Dia erstmal Gustav und Scape an (leider ohne Jan Jelinek). Später, so Gott und der Busfahrer des Shuttelbusses wollen, fahren wir zum Sonar de Noche: “Feierei-Alder”, Massenrave, Messehallen, Jeff Mills, Herbert und – der nächste Beatboxer: Rahzel. Ok, ok, der hat das wirklich drauf, der kann das, aber wetten wir, dass auch der wieder Michael Jackson rülpsen wird?
http://www.sonar.es

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