Progressive gleich Minimal
DJ Sasha im Spindler & Klatt, Berlin, 22.9.06

DJ Sasha steht auf Richie Hawtin. Aber Richie-Hawtin-Fans nur in Ausnahmefällen auf DJ Sasha. Alles ein Missverständnis, sagt der UK-Superstar. Am Popkomm-Freitag kann man es jetzt in Berlin beheben, wenn Coke DJ Culture ihn zusammen mit dem ehemaligen WMF-Resident-DJ Mitja Prinz ins Spindler & Klatt einlädt. Alex Coe, so Sashas bürgerlicher Name, ist der Opa der englischen Superstar-DJ-Riege, Modeshootings und Privatjets inklusive. Der Vorreiter des Progressive-Sounds ist in England, Asien, Ibiza und Amerika ein Fixstern am DJ-Himmel, in Deutschland ist die erste Assoziation mit seinem Namen eher Trance. Vorab hat uns Sasha erklärt, wie weit Trance und Progressive auseinander liegen – und Progressive und Minimal nah beieinander. Woran glaubst du, dass es liegt, dass du selten in Deutschland spielst? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich habe irgendwie nie das Momentum halten können und bekomme auch wenige Anfragen aus Deutschland. So Mitte der 90er habe ich zusammen mit Paul van Dyk öfter im E-Werk und auch mal im Tresor aufgelegt. Oder auch die Loveparade gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich sehr lange auf Amerika konzentriert habe. Das ist ein großes Land. Aber es ist schon komisch. Ich spiele z.B. nicht in Spanien, sondern nur auf Ibiza. Ich freue mich aber jetzt sehr auf meine erste Tour hier. Viele Leute in Deutschland assoziieren immer noch Trance mit dir. Was sagst du dazu? Das versteh ich nicht so recht. Das, was ich spiele oder gespielt habe, war nie wirklich Trance. Ja, vielleicht gab es mal eine Zeit, wo mein Sound ein wenig trancig war, so gegen Ende der 90er, aber das war auch viel deeper. Besonders in Amerika haben viele Leute mich als Trance-DJ gelabelt, weil sie einfach den Unterschied zwischen Trance und Progressive nicht verstanden haben. Wenn man einmal in eine Schublade gesteckt worden ist, dann ist es schwer, dort rauszukommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich nie so richtig einen Sound gespielt habe. Ich bin kein Purist. Im Moment spiele ich vielleicht mehr minimale Sounds, das ist ein genereller Trend, aber ich würde nicht sagen, dass ich ein Minimal-DJ bin. Die Leute halten sich eben immer an dein letztes großes Werk, wenn sie dich kategorisieren wollen. Manch einer erinnert sich an “Xpander“, das war ein tranciger Track, aber immer noch auf 128 Bpm, also mit Sicherheit kein Trance. Auch meine erste Compilation “Northern Exposure“ ist teilweise sehr trancig, aber wenn du die auf einer Trance-Party vor 15.000 Leuten auflegen würdest, würden dich die Leute mit Steinen beschmeißen. Auf deinem neuen Mix sind viele deutsche Electro-House- und Minimal-Produktionen. Bist du jetzt vom Trance-DJ zum Minimal-Star avanciert? Es geht mir mehr um die Produktionen. Minimale Sachen sind einfach sehr fein produziert, und um ehrlich zu sein, nicht sehr weit entfernt von den Progressive-House-Platten, die ich vor 5 Jahren gespielt haben. Für mich war Richie Hawtins “Consumed“-Album ein einschneidendes Werk. Aber der Begriff Minimal ist wieder so ein Wort, mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Wenn ich sage, ich leg Minimal auf, würde sich die gesamte Riege an Minimal-Puristen gegen mich stellen. Nein, ich mag einfach die Produktionen und so Sachen wie Booka Shade sind einfach super Party-Platten. Es ist einfach so: Wenn dich jemand mit einem bestimmten Sound labelt, dann fängst du sofort an, dich dagegen zu wehren und dich in eine andere Richtung zu entwickeln. Wenn mich jemand also als Minimal-DJ bezeichnet, fang ich wahrscheinlich morgen an, mich in eine komplett andere Richtung zu entwickeln. Das ist ähnlich bei den Reaktionen auf meine Platten. Die erste “Northern Exposure“ wurde vom DJ Magazine verrissen, sie gaben der Platte einen aus zehn Sternen. Zwei Jahre später wurde sie vom gleichen Magazin zur besten Platte je gewählt. So ist das eben: Wenn man seine Eier da rauslegt, dann muss man auch damit rechnen, dass jemand drauftritt. Und die Leute scheinen gerne auf meine zu treten. Top-5-Produzenten mit Sashas Kommentar: Paul Kalkbrenner – “the German geezer“ Minilogue – “the minimal guys“ Trentemoller – “simply amazing” James Holden – “Absolute Wizard” Lindstrom and Prins Thomas – “regurtitated funk” DJ Sasha spielt am 22. 9. im Spindler & Klatt in Berlin. Sein neuer Mix “Avalon L.A.“ ist ein Live-Ableton-Set und auf Instant Live erschienen. Listening Advice: Northern Exposure Vol 1
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