Funk für die oberen Ränge
Jan Delay im Admiralspalast, Berlin, 23.10.06
Der Hamburger HipHop der ersten Stunde ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Deichkind geben ihre besten Konzerte auf Agenturpartys für Coca Cola oder Hugo Boss. Da gibt es nämlich endlos den Sekt gesponsort, mit dem sie das Publikum in Ekstase spritzen. Und auch Jan Delay spielt vor einem Publikum, dem man die heimliche Enttäuschung darüber ansieht, dass After-Work-Partys sich nicht durchgesetzt haben. 17-Jährige aus Plattenbauwohnungen? So was von Fehlanzeige. Der Live-Funk von Delay samt Kostümierung in Anzügen mit Einstecktüchern traf beim gestrigen Berliner Abschlusskonzert zu seiner aktuellen CD den junggebliebenen Nerv der professionellen 30-Plus-Generation. Frauen in Spaghettiträgern tickten bei der Coverversion von Curtis Mayfields “Freddy’s Dead“ aus. Das plüschig vergoldete Ambiente mit den zwei Balkonen des neu eröffneten Admiralspalasts in der Friedrichsstraße passte punktgenau dazu. Als das erste Mal die Bläser einsetzten, war ich im siebten Himmel: Genauso hatte ich mir immer die Auftritte von Gesamtdeutschlands anderem Funk-Heroen vorgestellt, von Manfred Krug im Friedrichsstadtpalast. Ein ganz eigener deutscher Vortragsstil zu afroamerikanischer Musik, Wasser aus Bierflaschen trinken, milde Witze über Konsenspolitiker reißen. Das Größte war natürlich der spontane Auftritt von Udo Lindenberg – zwei Männer, die im Duett mehr verbindet, als dass sie ihre Hüte aufbehalten. Aber den habe ich nur geträumt.
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