De:Bug 108 – Die Dezemberausgabe
Ab heute am Kiosk

Heute ist es wieder soweit. Die neue De:Bug Ausgabe ist am Kiosk. Garantiert ohne Adventskalender, dafür aber mit folgenden feinen Themen: 4 Hero Neues Material von 4 Hero wird längst nicht mehr so brennend erwartet wie zu Drum-and-Bass-Zeiten. Das ist ein kapitaler Fehler, wie ihr Album “Play with the changes” zeigt. Wir haben 4 Hero in ihrem Vorortstudio in London besucht und uns von vertanen Chancen und unbewusstem Avantgarde-Status erzählen lassen. Audion Der kleine Matt hat es faustdick hinter den Ohren. Dicke Welle auf der Tanzfläche, Erleuchtung durch deutschen Minimal und die Einsamkeit in Detroits Industrie-Ruinen. Garniert mit Spezial-Sandwiches der Marke “klebrige Angelegenheit” und der Ankündigung einer ethnologischen Studie zum Techno-Zirkus. Coverlover Ugly Pictures fallen in pubertärer Zerstörungslaune über ihre Lieblingscover der Popmusik-Geschichte her. Ihr Film “Battle of the Bands” ist so blutrünstig wie beliebt. Lazy Fat People Die Schweizer Raphaël Ripperton und Mirko Loko reüssieren mit Minimal zum Schicken, der durch einen Schuss Trance-Atmosphäre allzu psychotische Abgründe vermeidet. Brownswood Der Mann mit der Schiebermütze will es nach Talkin’ Loud noch einmal wissen. Mit Broownswood gründet er ein Label, das auf einzelne Musiker statt auf Genre-Kategorisierung baut. Far Side Es raschelt mal wieder im Deutschen House-Wald. Neben Henrik Schwarz, Innervisions oder Ame stellt sich auch Ingo Sänger mit seinem Label Farside auf. Gram Mit Bullaugen und Wachs-Schutz rettet das schwedische Ein-Mann-Label “Gram“ den Canvas-Sneaker in den Winter. 2000 And One Manch einer kennt 2000 and One noch als Planet Gong oder als Edge of Motion vom Mitt-90er-Techno-Über-Label Djax-Up-Beats. Heute betreibt Dylan Hermelijn zusammen mit Shinedoe das erfolgreiche Intacto-Label, in seinen eigenen Produktionen stutzt er den Neo-Detroit-Sound für den zeitgenössischen Dancefloor zurecht. Jeff Samuel Jeff Samuel hat Seattle den Rücken gekehrt und in Berlin ein Album releast, das sich Pop so weit zuwendet, wie es für Samuel nur möglich ist. Und was jetzt? Reynold Sam Reynold hat dem Filmfan in sich freien Lauf gelassen und ein cineastisches Ambientalbum eingespielt. So schickt man Fahrstühle zurück. Connaisseur Recordings Connaisseur, Supérieur, Grand Cru – rhetorisch geht’s vollmundig ab beim Frankfurter Minimaltrance-Label der ehemaligen Marketing-Studenten Alex Flitsch und Martin Henkel. Und mit Chardronnets “Eve by Day” haben sie auch gleich einen Hochstart hingelegt. Jochen Trappe Nach dem ersten Release “Pornokonsument“ 2004 auf Neue Heimat hat Jochen Trappe inzwischen seine neue Heimat bei den Connaisseuren aus Frankfurt gefunden und 2006 mal richtig losgelegt. Operation Pudel Mit “Operation Pudel ZD 50″ erscheint bereits die dritte Compilation aus dem Herzen des Hamburger Verweigerer-Clubs ohne Bier-Sponsor. Wir sprachen mit den Top-Entscheidern Gereon Klug, Ralf Köster und Schorsch Kamerun über das kleine Paradies am großen Hafen. Christopher Willits Shoegazer-Pop aus dem Geiste von Minimal-Elektronika, das ist das Projekt von Christopher Willits. Dafür hat er zwischenmenschliche Bedürfnisse aufgegeben. Johann Johansson In den Pioniertagen von IBM hatten Programmierer ihre Rechner zum Musizieren überredet. Der Vater von Jóhann Jóhannsson war dabei. Die alten Tondukumente hat der isländische Komponist jetzt in ein seltsam ergreifendes Orchesterwerk integriert. Offshore Ein Label, auf dem unter anderem gefeierte Drum-and-Bass-Größen wie Seba, Paradox und Omni Trio Tracks veröffentlicht haben und das immer noch als Geheimtipp gehandelt wird, wie geht das? Brett Clever von Offshore Recordings erzählt von der Peripherie der Szene. Max Turner Irgendwie ist Max Turner Europa: halber Schotte, in Deutschland aufgewachsen, lebt in Barcelona und hat sein Debütalbum “The Purple Pro“ in Stockholm aufgenommen und in Berlin gemastert. Fehlt eigentlich nur noch ein östliches Beitrittsland, um das Bild rund zu machen. Booty/Freestyle Wer hört denn noch HipHop mit Samples und intellektuellen Verbiegungen? Im Süden der USA läuft die Drumbox, dazu hauen die Rhymes unter der Gürtellinie auf die Party-Tube. Wir graben uns in die wild wuchernde Szene um Crunk und Dirty South ein. Neu-Rave Das macht Spaß, ist ohne Sonnenbrille aber nicht lange zu ertragen. In London braut sich eine Szene zusammen, die mindestens so viel mit Mode wie mit Musik zu tun hat: New Rave. Kategorisch Ironie-frei und vollgestopft mit Neon-Smileys und Dayglo-Shirts wird noch einmal der englische Sommer of Love gefeiert. Nur viel konsequenter. MoshiMoshi Metrosexuelle Nerds sind nicht das einzige hippe Kuriosum auf dem Londoner Label Moshi Moshi. Neben Hot Chip geben sie der alten Wimp-Tradition neuen Glamour und haben auch bei “Newrave“ ein Wörtchen mitzureden. Sie für übertrendy zu halten, stößt die Labelmacher aber in tiefe Depression. SuperSuper Auf den nächsten vier Fotoseiten seht ihr, wie es im New-Rave-London gerade abgeht. Ihr traut euren Augen nicht? Hier habt ihr das Hintergrund-Interview. Penkov New-Rave-Klamotten passen bestens ins Web2.0. Aber elegante Designergarderobe muss sich andere Präsentationsplattformen suchen. Zum Beispiel das Moet & Chandon Fashion Debut. Web 2.0 Biz Special Erleben wir gerade die zwanghafte Wiederholung des New-Economy-Hypes? Oder legen sich solide Buchhaltung und das Internet ab jetzt ganz offiziell in ein Bett und nennen ihren Nachwuchs Geschäft2.0? Die Antwort heißt: Ja! Aber wieder mal ganz anders als gedacht. Spreadshirt Mit Spreadshirt werden Internet-Eckensteher ratzfatz zum Online-Entrepreneur: Dank der Firma aus Leipzig ist die Einrichtung eines Web-Shops inzwischen etwa so langwierig, kompliziert und verbindlich, wie ein Dutzend Freunde bei MySpace zu gewinnen. Venture Capital User-Generated Content stiftet Gerechtigkeit, er ist angesagt und vor allem reich an Rendite – soweit der Mythos. Was Investoren wirklich vom Hype um Web2.0 halten, steht auf diesem Blatt. Web 2.0 vs. the first gold rush Was kann das Web2.0 vom Web1.0 lernen, um einen zweiten Dotcom-Crash zu verhindern? Oder ist sowieso alles anders? Parasitäre Web 2.0 Ökonomie Infrastruktur war gestern: Myspace-Designer und Mashup-Programmierer bauen sich im Schatten großer Anbieter ihre eigenen kreativen Nischen. GoogleTube: Der Big Deal Die 1,6 Milliarden für den Kauf von YouTube durch Google haben die Spekulation um das Business rings um Web 2.0 neu entfacht. Aber hinter die Türen des großen Deals wurde nur selten geschaut. Auf der renommierten Pho-Mailingliste von Jim Griffin aus LA, der das New Media Department von Geffen Records aufgebaut und geleitet hat, einem Netzwerk, in dem sich seit Jahren schon die Größen der neuen Medien mit denen der Musikindustrie treffen, aber erschien die hier veröffentlichte, anonyme Mail, die einem einen teils spekulativen, teils erhellenden Einblick in die dem Deal zugrunde liegenden Strategien gibt. Motomichi Nakamura Der New Yorker Designer fällt der Infantilisierung der Gesellschaft in den Rücken. Seine Character haben keine niedlichen Knopfaugen, sondern gefräßige Mäuler. Sein Sinn für Sadismus hat schon die schwedischen Popper The Knife überzeugt. Jörg Adolph Der Dokumentarfilmer und Fan von Notwist hat in “On/Off The Record” den Geist der Weilheimer Bedenkenträger kongenial eingefangen. Vor kurzem lief sein Film “Houweland” an, in dem er eine Romanentstehung begleitet. Auch sonst hat er ausgeprägten Sinn für das Spannende im Unspannenden. Demo-Scene Demos sind kleine Filme aus dem Rechner, die ambitionierte Programmierer der Welt schenken: Ästhetische Anarchie und harte Technik. Heute findet sich die Techno-Subkultur der Demo-Produzenten nach zwanzig guten Jahren in der Nische plötzlich in der kulturellen Hauptkampfzone wieder. Cubase 4 Der DAW-Krieg geht weiter. Cubase 4 präsentiert sich aufgeräumt und voll mit neuen Features. NI Massive Lange hat Native Instruments keinen reinen Synthesizer mehr entwickelt. Mit Massive stehen die zeichen jetzt auf Revolution. Wenn der Rechner es packt. NI Battery 3 Nicht nur Bling Bling, sondern viele feine Neuheiten und Verbesserungen bringt die Version 3.0 von Native Instruments’ Drum-Sampler Battery. Moog Little Fatty Wenn ein Hersteller mit derart viel legendärer Patina einen neuen Synthie vorlegt, sind natürlich allenthalben Zungenschnalzen und Fingerlecken angesagt. Denn der Little Phatty ist der günstigste Moog, der je gebaut wurde und das erste Gerät, das Moog nach dem Ende der Ära Bob Moog herausbringt. CM.205 Kompakt DJ-Set Es ist längst nichts Ehrenrühriges mehr, mit CDs aufzulegen. Für den Einstieg in die CD-DJ-Zunft kann man sich gut Stantons CM.205-Mixer unter den Arm klemmen. Liquidmix Focusrite Das beste von Api, Amek, Chandler, Manley, Pultec, Drawmer SSL, Avalon und Tube Tech in einer kleinen Box mit Firewire und das ganze auch noch für knapp 700 Euro. Klingt verdächtig gut. Musik Hören Mit Als extrovertierter Disco-Agitator mit Hang zur großen gesungenen Pop-Geste ist Justus Köhncke seit Jahren eines der Aushängeschilder des Kompakt-Universums. Für uns hat er sich ein paar Platten angehört und kritisch Stellung bezogen.




