The Streets beim o2 Music Flash
Es war live und ich war dabei

Zu einem kostenlosen Auftritt von The Streets lässt man sich nicht lange bitten, auch wenn am frühen Mittwochabend noch immer nicht ganz klar war, was einen auf der riesigen Berliner o2-Baustelle auf dem ehemaligen Gelände des Ostguts erwarten würde. Angekündigt waren exklusiv neue Tracks aus dem 2008 erscheinenden Nachfolgealbum zu “Hardest Way to Make An Easy Living“. Ob des angepriesenen neuen Materials herrschte einerseits spannende Erwartungshaltung, andererseits auch Skepsis, ob nicht doch nur eine halbherzig heruntergespielte und kurzweilige Promotiontour für das noch nicht fertig gestellte Album folgen würde. Weit gefehlt. Mike Skinner, ungebrochen ungeschlagen in der Verkörperung des englischen Lad, zeigte keine rechte Intention, dem Publikum sein Viertlingswerk ans Herz zu legen. Nach dem Motto “New Outfit, Old Sound” funkelte es silbrig am Ohr (Ohrstecker) zu dem bedeckten Dunkel seiner Kleidung – etwas längere, nach vorne gegelte Haarpracht inklusive. Soweit posh, Lad aber noch insofern, als dass Skinner seine samtene Traingsjacke plus Karohemd sowieso noch bis Ende des Konzertes gelüftet hat. Modische Augenweide hin oder her, musikalisch verzichteten The Streets weitgehend darauf, überhaupt irgendwelche dem Publikum noch nicht bekannten Songs zu spielen. Ohne große Ankündigung schlich sich schon die ein oder andere neue Nummer ein, aber selbst das durfte man nicht als bare Münze nehmen, denn Mike Skinner behielt sich und Band vor, Songs liveperformancegerecht zu modifizieren. Was wird also tatsächlich auf dem Anfang 2008 angekündigten Album zu hören sein? Ich weiß es nicht. Vermutlich weiß es Mike Skinner selbst noch nicht ganz genau bzw. er weiß es schon, hält es sich aber offen, an den fertig gestellten Teilen noch etwas herumzuwerken, wenn er dazu auf seinem Blog schreibt: “Making an album when you’re quite well known is a bit stressful. I’ve had to accept this week that because my album isn’t quite right yet it won’t be coming out this year.“ Not quite right yet – also wurde es nicht viel mit überzeugender Vorabhörprobe. Dafür aber umso mehr mit einem Rückgriff auf ein Best-Of aus den vorangegangen Alben. Inszenierungsmeister Skinner ließ nicht locker, bis das Publikum, aber auch er selbst, warm wurde – die beständigen “Warm up!“-Rufe fanden nach einem lauwarm anlaufenden Konzert schlussendlich Gehör. Das Publikum fraß Skinner dann doch noch aus der Hand, ließ sich von ihm nicht lange in die Knie bitten, um auf das obligatorische “Jump!“ endgültig die letzten Bedenken abzuschütteln – Mike Skinner, Showmaster. Spätestens dann funktionierte die Hitschleuder auch wie geölt: “When you wasn’t famous“, “Let’s Push Things Forward“, “Blinded By The Lights“, “Dry Your Eyes“, “Fit But You Know It“. Kein Streetskonzert ohne die Klassiker aus den drei Alben. Bei der geleisteten Vorarbeit würde es verwundern, wenn Skinner das neue Album bis 2008 nicht zumindest “quite right” hinbekommt.
http://www.the-streets.co.uk/




