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29.07.2008 | 12:23
 
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Osborne: Der MacGuyver der Beats

Todd Osborn hält House hoch. Und gewinnt genauso steil. Typisch Hobby-Pilot.



Mit seinem frisch erschienenen Debüt-Album “Osborne“ auf Spectral hat Todd Osborn mit Sicherheit eines der besten Alben des Jahres 2008 produziert. Und auch darüber hinaus wird uns dieses Album mit seinem beträchtlichen Langzeitwert in Zukunft sicher noch viel Freude bereiten. Eine solch lockere Mischung verschiedenster Stile gepaart mit geschmacks- und stilsicheren Oldschool-Anleihen hat es in der elektronischen Musikwelt schon lange nicht mehr gegeben. Um es schonmal vorweg zu nehmen: Das sieht mir schwer nach jemanden aus, der sich den wahren Geist elektronischer Musik über die Jahre in seinem Herzen hat bewahren können und somit ohne Druck und aus dem Bauch heraus zu dieser Superlative in der Lage gewesen ist. Umso erstaunlicher ist es, dass Todd Osborn bisher mit seinen 12“s in der Öffentlichkeit noch nicht die entsprechende Beachtung gefunden hat, sondern ihm eher ein “For those who know”-Status in der Fachwelt anhaftete. Das wird sich hoffentlich jetzt bald ändern. Wer ist dieser Mann, dem technische Fähigkeiten à la MacGuyver nachgesagt werden, und landet der leidenschaftlche Pilot Todd Osborn mit seiner Cessna auch bald auf dem Roten Platz?

Debug: Ich habe gehört du fliegst eine Cessna.

Todd Osborn: Keine Cessna, aber ganz ähnlich. Ich fliege eine Tailwheel Citabria, welche eigentlich mal dem jetzt verstorbenen Vater eines Freundes gehörte. Wir haben die Maschine wieder neu aufgebaut und angemeldet. Das Flugzeug zu benutzen ist eines der (vielen) Vorteile, wenn man in Michigan lebt. Ein Hangar ist hier billiger als ein Lagerraum für Möbel in NYC.

Debug: Gab es schonmal ernste Probleme in der Luft?

Todd: Ja, ein paar Mal schon. Einmal bin ich gestartet und der Motor fing sofort Feuer, das war noch bevor wir die Maschine repariert hatten. Ich landete sicher und es stellte sich heraus, das es der Spannungsregler war. Ich wollte nicht warten, bis ich einen neuen kaufen kann, also haben wir einen aus dem 55er Chevy eines Freundes ausgebaut und verwendet, der hat aber auch nur zwei Flüge lang gehalten.

Debug: Wie kommt es, dass du so ein Multitasking-Talent bist?

Todd: Danke, ich mag es einfach viele Dinge zu tun, aber ich bin nirgendwo Experte. Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Leute verschiedene Erfahrungen machen möchten. Das klingt jetzt vielleicht etwas schmalzig, aber es gibt im Leben so viel zu tun und alles ist erreichbar, wenn man sich nur damit beschäftigt.

Debug: Haben deine technischen Fähigkeiten deine Art Musik zu produzieren beeinflusst, abseits der Tatsache, dass du dein Equipment sowieso aufbohrst?

Todd: Bestimmt. Ich kann nicht sagen, in welcher Weise, weil es unbewusst passiert. Was mich am meisten beeinflusst, sind alte Stücke oder Musik von meinen Freunden.

Debug: Legst du beim Produzieren mit einem Konzept los oder kommts mehr aus dem Bauch raus?

Todd: Ich lege meistens einfach los. Ich bin kein gequälter Künstler, und ich habe keine “Message“ die ich den Leuten vermitteln will. Ich habe ne Menge Respekt vor aufrichtiger Musik, egal wie sie letzten Endes entstanden ist, aber ich brauche diese Leute nicht, die sich selbst wahnsinnig wichtig nehmen. Ich muss dabei an David Rodigan denken, den besten DJ der Welt. Er weiß alles über Reggae und würde das auch mit jedem teilen. Während er die unglaublichsten “Specials“ spielt , die du je gehört hast, hat er einfach nur Spaß und tanzt und albert herum. Man hört ihn immer sagen “kein Soundboy ist größer als die Musik“ und ich glaube, das gilt für alle Faetten von Musik.

Debug: Was nicht so viele von dir wissen, ist, dass du Mitte der 90er als “Soundmurderer” Jungle-Tracks produziert hast, die verdientermaßen den Status von Klassikern des Genres innehaben und sogar auf Rephlex wieder veröffentlicht wurden. Besteht dieses Projekt noch?

Todd: Ich mache diese Musik noch immer für mich selbst. Ein bisschen davon wird auch bald irgenwann veröffentlicht. Es ist allerdings eher melodiös und dark, im Gegensatz zu den Reggae-beeinflussten Samples, die ich damals benutzt habe. Irgendwann in der Zukunft soll auch eine zweite Compilation auf Rephlex rauskommen. Debug: Was sind deine weiteren Zukunftspläne? Todd: Weiter Musik zu machen, solange die Leute sie haben wollen. Und sonst mit meiner Familie und Freunden zusammen sein und das Leben genießen.


Osborne, s/t, ist auf Spectral/Alive erschienen.
http://www.ghostly.com

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