Neue GEMA-Tarife kein Schocker

Wer erwartet hatte, dass die neuen Club-Tarife der GEMA für das kommende Jahr wieder auf das Niveau zurückfallen, auf dem sie vor dem Urteil des Schiedsgerichts waren, der kann beruhigt sein. Die Tarife sind tatsächlich eher moderat und haben mit den damals angesteuerten Irrsinnserhöhungen nichts mehr zu tun. Zwar ist es der GEMA irgendwie zu komplex einen Club-Tarifrechner als xls online zu stellen, wie bei ein paar anderen Tarifen (für Musikkneipen mit Tanzverbot z.B.), aber man kann es auch mit einer Überschlagsrechnung leicht rausfinden.

Kleine und große Clubs zahlen das gleiche pro Quadratmeter (auch wenn jeder tunlichst irgendwie seine Räumlichkeiten auf 100qm Grenzen ausrichten sollte) und je öfter man auf hat, desto dezenter vermehrt sich der GEMA-Tarif. Ulkigerweise ist das auch bei den Eintrittspreisen so, d.h. ein Club mit höheren Eintrittspreisen gibt verhältnismässig weniger an die GEMA ab.

Die gute Nachricht zuletzt. Die Tarife sind bis ins Jahr 2021 festgelegt, also irgendwo nach Skynet, und bis dahin gibt es Jahr für Jahr immer etwas weniger Einsteigerrabatt (80-20%). Hm. Ok, letzteres jetzt nicht so die gute Nachricht, aber wenigstens kalkulierbar.

Hat sich also irgendwie gelohnt auf die Straße zu gehen.

Wer es genau wissen will, hier der Tarif. M CD. Aber vielleicht haben wir ja auch was übersehn?

Foto von George Emergency Management Affairs

Update: Die eigentliche Sensation haben wir fast übersehen, die GEMA kennt jetzt neben Diskotheken auch “Clubs”!

12 Responses

  1. Robbi

    Dich wichtigsten Punkte sind umgesetzt, aber das ist halt trotzdem noch immer eine spekulative Rechnung. Anstatt eine Berechnung anhand der 10% der Eintrittsgelder vorzunehmen.

    Gerade aber für “Fremdveranstalter” die sich für ihre Veranstaltungen nur in Clubs einmieten, sind die Eintrittgelder einzige Einnahmequelle, die von den Club besitzern auch fleißig auf diese umgelegt wird. Das ist immer noch großer Mist. Auch, dass bei einer Prüfung alle Sponsorengelder und Förderungen einbezogen werden und davon 10% berechnet werden finde ich unangemessen.

    Gerade vor dem Hintergrund, dass diese Einnahmen zu großen Teilen als “nicht zuordenbare Gelder” nach dem GEMA Verteilungsschlüssel an die großen GEMA Player verteilt werden.

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    • Sascha Kösch

      Ja. Generell ist es natürlich Quark die GEMA-Zahlungen an Quadratmetern (also quasi immer gut gefüllt), nicht an real Zahlenden zu orientieren. Auch Quark ist, diese Zahlungen ohne Bindung an Playlisten machen zu müssen (Wobei letzteres in Arbeit ist, mal sehen wann das wirklich kommt). Und für Einzelveranstalter ist das alle noch mal eine andere Frage. Warum wir so ungeschockt getitelt haben? Weil es im Vergleich zu dem was die Schiedstelle als angemessen bezeichnet hat (über die man sich auch nicht einfach so hinweg setzen kann), eben durchaus nicht schröpfende Tarife sind.

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    • Sascha Kösch

      Du hast den Nachsatz zu den Beispielrechnungen der Dehoga irgendwie übersehen. “Durch entsprechende Nachlässe in der 8-jährigen Einführungsphase werden die genannten Erhöhungen deutlich abgefedert.” Tatsächlich glaube ich sogar die Dehoga hat sich mit ihren Rechnungen irgendwie leicht geirrt. Denn falls sie diesen Tarif von 2013 meint (und nicht zufällig 2012) https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Tarife/Tarife_ad/tarifuebersicht_diskotheken.pdf
      dann sind dem gegenüber die Preise 2014 eher geringer. Nur im letzten Beispiel: Club mit 300qm, 10 Euro Eintritt, 2 Wochentage, sind es mehr. 2013 waren es 7210 €, 2014 sind es 7300 €. Gemessen werden die neuen Tarife aber an Tarifen aus 2012. Da hatten die Clubs auch noch die Laptop-Pauschale (die bei der Berechnung aber wegfällt.)

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      • Fresh Meat

        Wäre tatsächlich mal sinnvoll ein paar Beispielrechnungen von Clubs zu haben, die die neuen Tarife auf ihre Situation anwenden.

  2. Mirko Brunner

    Wenn ein Unternehmen, mit lizensierter Musik (Aufführung) Umsätze generiert, können und sollten diese auch komplett in die Berechnung mit einfliessen und nicht nur die Größe der Location. Dann haben vor allem Dingen Unternehmen die sich nicht nur auf “luxus” Bespaßungen konzentrieren auch etwas mehr in der Tasche.

    Geschäft ist Geschäft auch wenn wir es “Club” nennen.

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    • Sascha Kösch

      Könntest du mir ein reales Beispiel nennen wo da 300% mehr rauskommen? 2014? Also Clubgröße, Eintrittspreis, Wochentage?

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      • Philipp Schröder

        Zur Erklärung. Hier werden die alten Tarife vor der Reform (aus 2012) mit denen nach der Reform (ab 2014) verglichen. Für 2013 gab es nur eine Übergangslösung.

        Bsp.: Live Club 200 m², 10 EUR Eintritt, 17 VA´s im Monat:

        Bis 2012 waren im Tarif M-U (vgl. M-U III, 1 c) für mehr als 16 Veranstaltungen im Monat und einer Größe von bis zu 100m² bei jährlicher Abrechnung pauschal 2.899,90 EUR an die GEMA zu zahlen. Für jede weiteren 100m² wurden weitere 1.497,50 EUR und damit jährlich 4.397,40 EUR zur Zahlung fällig.

        Nach dem neuen Tarif M-V werden für 17 Einzelveranstaltungen bereits 2.579,58 EUR fällig. In einem Jahr sind das dann 30.954,96 EUR. Zieht man hiervon den Mengenrabatt in Höhe von 14,5 % ab, werden 26.466,49 EUR fällig (ohne Einführungsnachlass).Das ist sogar eine Verzehnfachung.

        Bsp.: Club mit wechselnden DJ´s, 200 m², 10 EUR Eintritt, 17 VA´s im Monat:
        Nach dem neuen Tarif M-CD würden monatlich 1.275,32 EUR und damit jährlich 15.303,84 EUR fällig, was immerhin mehr als einer Verdreifachung entspricht (ohne Einführungsnachlass). Wenn es dann noch Live-Musik / Konzerte geben soll, sind diese Veranstaltungen gesondert nach den Tarifen U-V, U-K, U-Büh, U-T oder U-ST zu vergüten. Angenommen es gibt noch vier Livegigs pro Monat sind das nach Tarif M-V zusätzlich 1.896,52 EUR im Jahr (inkl. Mengenrabatt ohne Einführungsnachlass). Damit sind wir schon bei einer Vervierfachung.

        Hat jemand noch weitere Rechenbeispiele?

  3. Sascha Kösch

    Philipp, die Preise die du berechnest sind aber alles Preise für 2022 nicht für 2014. D.h. du hast vergessen die 80% vom unterschiedlichen Preis abzuziehen. Übrigens beziehe ich mich nur auf Clubs, d.h. Diskotheken, also keine Liveveranstaltungen. Normale Live-Gigs sind in den neuen Tarifen ja ausnahmsweise mal drin. Kann auch schwer mit 17VAs im Monat rechnen bei den neuen Tarifen. Jedenfalls nicht so wie du es möchtest, weil es ja nur pro Woche gerechnet wird. 17 wären dann 4 pro Woche. Und da käme ich dann bei deinem Beispiel auf 6672,94 im Jahr 2014 vs. vorher 3726,40 (2012) bzw. 6067 (2013) und das wäre eine Steigerung von ca. 80% in Bezug auf 2012, aber nur eine marginale in Bezug auf das was das Schiedsgericht angeordnet hatte.

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    • Philipp Schröder

      Hallo Sascha, die Argumentation, dass jetzt alles gut sei, weil es nicht so schlimm geworden ist, wie befürchtet, möchte ich nicht gelten lassen! Weiter sind die Tarife vollkommen undurchsichtig. Statt sich mit der Folge auseinanderzusetzen, dass es am Ende wohl auf eine zehnprozentige Beteiligung am Eintritt hinausläuft, verlieren wir uns im Tarifdschungel. Der GEMA hierbei Absicht zu unterstellen wäre wohl falsch. Das Ziel, die Tarife zu vereinfachen wurde allerdings weit verfehlt.

      Trotzdem noch mal ins Detail: Den Einführungsnachlass habe ich nicht vergessen, aber auch nicht berücksichtigt (s.o.). Was zählt ist m.E. das Endergebnis. Der Tarif M-CD umfasst nur Musikwiedergabe mit Tonträgern Sobald es sich um “Veranstaltungen” handelt, greift zusätzlich Tarif M-V. Wo die Grenze zwischen “Live-Gigs” und Veranstaltungen gezogen werden soll, bleibt offen!

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      • Sascha Kösch

        Tarifdschungel! Absolut. Geb ich dir 100% Recht. Linearisierung? Nicht viel von zu sehen, hast du auch Recht, ist eher ein Irrentarif für Menschen mit implantiertem Taschenrechner. Ich denke den haben wir zu gleichen Teilen der Dehoga (bzw. BVMV) und der GEMA zu verdanken. Was den Einführungsnachlass betrifft: Klar kann man den vergessen, der ist aber bis 2022 nun mal Realität, d.h. das was die Leute im kommenden Jahrzehnt wirklich zahlen müssen. Dass man da jetzt unterhalb der Grenze dessen hätte verhandeln können, was das Schiedsgericht ausgeknobelt hatte, war meiner Meinung nach schlichtweg überhaupt nicht zu erwarten. Deshalb das “nicht so schlimm wie erwartet”. Was diese Live/DJ Geschichte betrifft. Ich les das im M-CD Tarif so, das übliche Clubabende mit LiveActs mittendrin nicht extra abgerechnet werden müssen. “Die Vergütungssätze finden für Musikwiedergaben mit Veranstaltungscharakter und mit Tanz Anwendung. Die Vergütungssätze gelten für die Wiedergabe von Tonträgermusik auch dann, wenn gelegentlich bzw. teilweise Live-Musikveranstaltungen zum Einsatz kommen, soweit diese sich nicht als Konzertveranstaltungen im Sinne der Vergütungssätze U-K darstellen.” Wobei, dieser U-K Tarif ist auch irre.

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