Technology and the Transformation of Performance. Kryptischer Titel, interessanter Vortrag

Der Samstagnachmittag des Club Transmediale-Festivals stand ganz unter dem Motto der technikbedingten Transformation künstlerischer Aufführungspraxen. So wurde der in Montreal und Berlin ansässige Medienkünstler Christopher Salter in die Raüme des .HBC geladen, um seine Keynote mit dem Titel Entangled and Overlapped: Technology and the Transformation of Performance vorzustellen. Ziel des Vortrags war, anhand eines historischen Überblicks zu zeigen, wie die sich ständig erneuernden Technologien, künstlerische Konzepte und Aufführungen seit dem 20. Jahrhundert beinflussten.

Die Grundthese Salters geht davon aus, dass spätestens seit der modernen Industrialisierung, eine wachsende Interaktion zwischen Künstler und Maschine vorherrscht. Die Möglichkeit der Immersion, also die Versenkung des Rezepienten ins Kunstwerk wurde durch entsprechende Technologien potenziert. Schon Richard Wagner wusste um das manipulative Potential der synästhetischen Erfahrung, wie sie heute in Clubs Standard ist, indem er beispielsweise für die eigens für ihn gebauten Bayreuther Festpiele eine Vorrichtung zur Lichtdämmung anordnete, was eine immense Wirkung auf die atmosphärische Qualität bedeutete und für uns heute im Eventkontext selbstverständlich geworden ist.

Ein weiterer historischer Bogen bezog sich auf die Entwicklung elektronischer Musikinstrumente und führte vom von Thaddeus Cahill entwickelten, 300 Tonnen schweren Telharmonium hin zum Theremin, was durch seine durch Körperbewegungen generierten Töne eine Art Pionierform des heute allen bekannten Wii-Controllers ist. Bis zur wahren Emanzipation der Musik, von der einfachen direkten Repräsentation zu den unzähligen technischen Möglichkeiten der Transformation und Manipulation von Sounds, vergingen jedoch viele Jahre.

Bereits 1914 formulierte der musikalische Querdenker und Komponist Edgar Varèse die Forderung nach einer intensiven Kooperation von Wissenschaft und Musikern zum Ziel der Erschaffung neuer Instrumente. Ihn langweilten die immergleichen Klänge und Melodien der jahrhundertealten Musikinstrumente und hatte die Vision eines Apparates, welcher unabhängig von strikten Tonhöhen neue Klänge produzieren kann. 100 Jahre später und um viele Synthesizer und Digital-Sequencer reicher, wird hier mal wieder deutlich, wie träge sich die Ideen bedeutender Visionäre durch die zähfließende Geschichte bewegen. Diese Einsicht konnte schließlich auch jegliche Kritik an der amerikanischen Über-Enthusiasmus-Vortrags-Rhetorik wieder wettmachen.

6 Responses

  1. Writersdub

    Sehr interessanter Artikel, gut recherchiert und aufschlussreich. Die Verschmelzung von Subjekten und Objekten, von Mensch und Maschine rückt auch wissenschaftlich gesehen inmmer mehr in den Vordergrund wie zum Beispiel bei der Akteur-Netzwerk-Theorie federführend von Bruno Latour entwickelt. Interessanter Artikel zu dem Thema auch Donna Haraways feministische Kritik: Ein Manifest für Cyborgs:

    http://www.univie.ac.at/virusss/documents/403270338.pdf

    Check it out. On Nightwriters.de In kürze auch in ihrem Internet

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