Die Revolution kämpft für billigere Discos als ungebetener Gast auf dem Mitgliederfest.

Heute ist GEMA-Mitgliederfest. Womit die durchaus PR-freudige GEMA vermutlich nicht gerechnet hatte: Es gibt zum Mitgliederfest gleich auch eine Demo. Die Veranstalter von Partys und Events rufen auf, gegen die Tarifreform 2013 zu demonstrieren. Ihr wisst alle mittlerweile, dass damit die Abgaben an die GEMA im Fall unserer geliebten Clubs um schwindelerregende Prozente erhöht werden. Der ein oder andere droht schon mit Schliessung, die Horrorszenarien beinhalten ein Ende des Easy Jet Ravetourismus, Massenpleite unter Taxifahreren, Bier für Düsseldorfer Preise, die Verschiebung der Flughafeneröffnung auf Nimmerleinstag etc. Genaugenommen kann den vereinheitlichten Tarif der GEMA für Veranstaltungen wirklich niemand gerecht finden, auch wenn natürlich der Grundgedanke, mehr Geld für die Künstler zu sammeln, speziell in unserem Umfeld eigentlich jeden freuen müsste. Warum ist das nochmal nicht gerecht?

1. Die neue Gebühr richtet sich nicht nach den Einnahmen, sondern geht von einer Berechnung der Grundfläche und einem immer gut gefüllten Abend aus.
2. Es gibt keinen Discount-Preis mehr für “Discotheken”. Wenn man sehr viele Veranstaltungen macht und damit sowieso mehr Geld zahlt, gibt es keinerlei Mengenrabatt, der sonst bei der GEMA in anderen Tarifen durchaus üblich ist, oft aber hinter verschlossener Tür gehandhabt wird.
3. Das abgegebene Geld wandert bei der GEMA in die Tiefen des undurchdringlichen Verteilungsschlüssels, ohne – soweit wir wissen – die Möglichkeit den Wunsch auf eine Abgabe einer Playlist.
4. Daraus folgt: Künstler die von uns gespielt werden, haben davon eigentlich gar nichts.
5. Clubs sind aufgrund der Länge der Veranstaltungen Doppelzahler.
6. Es gibt keine Möglichkeit die Künstler die z.B. nicht in der GEMA sind aus dem sonst an die GEMA gezahlten Geld anders zu vergüten.
7. Es gibt keine Möglichkeit auftretenden Künstlern mit ihrem eigenen Repertoire ohne den Umweg über die GEMA am Abend direkt ihren GEMA-Anteil zu geben.
8. Automatisierte Erfassung von Playlists ist nicht vorgesehen, auch wenn es da bestehende Systeme gibt.
9. Selbst Clubs die sich Zirkus nennen, dürfen immer noch nicht den Tarif “für die Nutzung des GEMA Repertoires durch Narrenvereinigungen und -verbände für das Training, die Übungsstunden, Wettbewerbe und sonstige öffentliche Auftritte von Tanzgarden, Balletten, Tanzpaaren und/oder Tanzmariechen” zahlen.

Wir haben vermutlich ein paar weitere Gründe vergessen. Aber was passiert nun, wenn in Massen die “GEMA-Gegner” mit den GEMA-Mitgliedern in Kontakt treten? Heute Nachmittag ab 18 Uhr ist Demo vor dem Frannz-Club in Berlin in der Schönhauser Allee und wir sehen uns das einfach mal an. Versprochen.

Und hier noch, bevor wir es vergessen, die Lautis. PS: Die haben übrigens auch nach der Tarifänderung immer noch einen Sondertarif der verführerisch billig ist.

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18 Responses

  1. Wurstbrot

    Was ein Fuckthema, auf der einen Seite schützt die Gema Künstler vor Ausbeutung durch alle Känäle. Auf der anderen Seite machen Sie alles kaputt, und füttert durch ihre abartigen Verteilerschlüssel die gemeldeten Kommerzfettärsche.

    Aber kein Club, wirklich keiner, führt eine Playlist, und kein kleines Label kann sich die Gema Anmeldungen ohne Überlebensängste leisten. So werden den sowieso nicht gemeldeten Künstlern auch keine Klepperbeträge zugeordnet. Diese werden brav den Dicken und gemeldeten überwiesen, denen die eh schon satt sind und damit absolut nichts zu tun haben.

    Wie alles in unserer kapitalistischen Welt, scheint auch diese grundsätzlich gute Organisation an sich selbst zu scheitern.

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  2. Daniel Fritschi

    Die Gema eine grundsätzlich gute Organisation?
    OMG don’t get me startet :)
    Die Ungerechtigkeit der Verteilung der Erlöse wurde schon zu Beginn durch den Verteilungsschlüssel festgelegt und bevorzugen den Mainstream weit über alle Maße.
    Aus eigener langjähriger Erfahrung kann ich sagen das Täuschung und Falschberatung offensichtlich Systematik hat.

    und hier noch was interessantes zur Gema-Geschichte:

    “Am 28. September 1933 wurde der Staatlich genehmigten Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte (STAGMA), hervorgegangen aus dem Verband zum Schutze musikalischer Aufführungsrechte für Deutschland, das Monopol zur Wahrnehmung von Musikaufführungsrechten erteilt. Die zu dieser Zeit immer noch existierende Anstalt für mechanisch-musikalische Rechte von 1909 wurde 1938 an die STAGMA angegliedert. Die Reichsmusikkammer unter ihrem Präsidenten Richard Strauss hatte 1934 in ihren Richtlinien festgelegt, dass „Nichtarier grundsätzlich nicht als geeignete Träger und Verwalter deutschen Kulturguts anzusehen“ seien. Dies bedeutete das Berufsverbot für die damals etwa 8000 in der Reichsmusikkammer organisierten Juden. Die STAGMA war fest in das nationalsozialistische Machtgefüge eingebunden und die leitenden Mitglieder der STAGMA waren eingefleischte und freiwillige Nationalsozialisten. Geschäftsführer der Stagma wurde Leo Ritter, der dieses Amt schon seit 1928 bei der ursprünglichen GEMA innehatte und Hitlers „Mein Kampf“ als Prämie für verdiente Mitarbeiter zu verschenken pflegte.[10]
    Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die STAGMA ihre Arbeit fort, ab dem 24. August 1947 allerdings unter der Bezeichnung GEMA, Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Vorstand und Generaldirektor von 1947 bis 1989 war Erich Schulze, ihm widmete die GEMA den gleichnamigen Brunnen vor der Generaldirektion in München. Aufsichtsratsvorsitzender war ab 1950 der Komponist Werner Egk. Sowohl Schulze als auch Egk bekleideten schon in der STAGMA führende Positionen. Zum 100-jährigen Bestehen der musikalischen Verwertungsgesellschaft in Deutschland erschien das Buch Musik hat ihren Wert von Albrecht Dümling. Dieses beleuchtet die Rolle der Verwertungsgesellschaft nach der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur.”

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  3. GEMAdialog

    Hallo Herr Kösch,

    gerne möchten wir auf einige angesprochene Aspekte zur Tarifreform eingehen und die ein oder andere Hintergrundinformation einbringen.

    Die Vergütungssätze richten sich zukünftig durchaus nach den Einnahmen, zumindest einem Teil davon: nämlich nach der Höhe des Eintrittsgeldes. Hinzu kommt als zweite Bemessungskonstante die Größe des Veranstaltungsraumes. Ein „immer gut gefüllter Abend“ ist für die Veranstalter stets wünschenswert, fließt so gesehen aber nicht bzw. nur indirekt (über das Eintrittsgeld) in die Berechnung mit ein.

    Die Vergütungssätze werden nicht um „schwindelerregende Prozente erhöht”, sondern man kommt der Spruchpraxis der Schiedsstelle beim deutschen Patent- und Markenamt nach, welche die Vergütung der Urheber bei 10% des geldwerten Vorteils einer Veranstaltung sieht. Angeführte „Horrorszenarien“ und Schließungen von Clubs, welche durch die Tarifreform beflügelt würden, sind aufgrund folgender Tatsache unbegründet: Durch die so genannte Härtefallnachlassregel ist gewährleistet, dass Veranstaltungen, bei denen nachweislich ein grobes Missverhältnis zwischen Einnahmen bei den Eintrittsgeldern und Vergütung für die Musiknutzung besteht, eine angepasste Vergütung berechnet wird. Die Regel bleibt künftig erhalten.

    In Clubs bzw. Diskotheken ist Musik von fundamentaler Bedeutung: sie stellt die Geschäftsgrundlage und das Geschäftsmodell dar. Da Musikurheber maßgeblich an den Erfolg eines solchen Geschäftsmodells gekoppelt sind, erscheint eine angepasste und angemessene Vergütung von Urhebern mehr als gerechtfertigt.

    Im internationalen Vergleich liegen deutsche Diskotheken hinsichtlich der Vergütungssätze bislang sogar weit zurück; durch die Anpassung zieht man mit anderen Ländern gleich.

    Weitere Informationen gibt es unter:
    https://www.gema.de/presse/pressemitteilungen/presse-details/article/pressekonferenz-neue-tarifstruktur-fuer-den-veranstaltungsbereich.html
    https://www.gema.de/presse/pressemitteilungen/presse-details/article/diskotheken-in-deutschland-von-neuen-gema-tarifen-nicht-bedroht.html

    Mit freundlichem Gruß,
    Peter Hempel, GEMA

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  4. LFSaw

    is’ immer gut, mit anderen ländern gleichzuziehen… gna. bloss nicht selber denken.

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  5. anonym

    Hallo Herr Hempel,

    wenn Sie auf die angesprochenen Aspekte zur Tarifreform eingehen möchten, dann erläutern Sie mir doch bitte, inwiefern MIR – als Urheber und Produzent elektronischer Musik – diese Tarifreform 2013 zugute kommen wird.

    Die Idee, ein paar Cent mehr auf USB-Sticks zu legen oder bei den Clubs zu betteln, scheint ja grundsätzlich nicht dumm, .. aber wie geht es weiter? Man redet zur Zeit immer nur über die Gebühren und dem internationalen Vergleich. Aber was interessiert mich das als Produzent und Künstler? Warum werde ich gezwungen, mich gegen eine Gesellschaft auszusprechen, die mich doch eigentlich schützen soll? Was passiert mit dem Geld? Wie werde ich in Zukunft mehr vergütet und warum macht man da so ein Geheimnis draus..?

    Angenommen die hälfte aller DJ`s, die so in Clubs spielen, legen 1x pro Abend meine Platte auf. Wie verrechnet ihr das? Was habe ich davon? Wie berechnet sich meine angemessene Vergütung prozentual oder am besten noch detaillierter? Und von wem bekommt die GEMA eigentlich die Information, dass mein Track so oft gespielt wurde im letzten Monat?

    Was kann ich als Produzent und Künstler von der GEMA erwarten, die mich ja schützen und angemessen vergüten will.. ?

    Ach ja – und noch was – was ist denn eigentlich nun mit den Mitgliederbeiträgen..? Mir war so wie knapp 100,- € pro Jahr. Fallen diese denn im Zuge der Tariferhöhung niun wenigstens weg oder werden die auch noch erhöht..?

    Mit freundlichem Gruß

    *ein Produzent – Musiker mit Leidenschaft.

    “Ein immer häufiger anzutreffender Fehler ist, dass die Grußformel.. mit einem Komma abgeschlossen wird. Richtig ist jedoch, kein Satzzeichen zu verwenden.” (Wikipedia)

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  6. Kitaro Beeh

    Sehr geehrter Herr Hempel,

    Sie schreiben, dass in Clubs bzw. Diskotheken Musik von fundamentaler Bedeutung ist. Das ist richtig. Doch was ist, wenn nur ein Bruchteil der im Club gespielten Musik zum GEMA-Repertoire gehört? Es wird geschätzt, dass in Berliner Techno-Clubs mindestens 70% der Musik keine GEMA-Musik ist. Das ist eine Schätzung des Betreibers eines namhaften Techno-Clubs in Berlin, eine genauere Durchschnitts-Zahl könnte man sicherlich ermitteln, zur Not auch für jeden Club einzeln.

    Szenario: Wir untersuchen den GEMA-Anteil unter den im Club gepielten Platten und stellen fest: Der GEMA-Anteil liegt bei 30%. Als Beispiel.

    Die Schiedsstelle beim deutschen Patent- und Markenamt sagt also, der Urheber soll 10% des „geldwerten Vorteils einer Veranstaltung“ erhalten, soweit so gut. Die GEMA vertritt in unserem Szenario jedoch nur 30% der Urheber. Mein logischer Menschenverstand sagt mir, dass vom „geldwerten Vorteil einer Veranstaltung“ lediglich 3% an die GEMA fließen dürften, da sie ja von den 10% nur 30% vertritt. Aktuell schaut es aber so aus, dass 7% eben dieses „geldwerten Vorteils der Veranstaltung“ in die Taschen von Urhebern fließen, die nichts zum musikalischen Abend in diesem Club beigetragen haben.

    Bitte erläutern Sie mir diesen Missstand. Ich warte auf Ihre Antwort.

    PS: Wie in unserem Szenario die 30% der GEMA-Urheber ihren entsprechenden Anteil aus dem „geldwerten Vorteil einer Veranstaltung“ erhalten sollen, ist ebenfalls ein Thema mit viel Klärungs- und Handelsbedarf. Aber darum geht es mir hierbei jetzt nicht.

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