Über die plakative Versachlichung der Diskussion müssen wir hinaus kommen.

Wer sich auch nur den halben Tag auf Facebook rumtreibt, dürfte mitbekommen haben, dass die GEMA – ausserordentlich – ihre Mitglieder angeschrieben hat, um sie zu motivieren gegen die Demos die am 6.9. vor allen GEMA-Standorten stattfinden sollen, etwas zu tun. Und ihnen gleich auch “schlagkräftige Argumente” gegen die Demonstranten bzw. für die Medien und Social Networks an die Hand gibt, um “die Diskussion zu versachlichen”. Nach dem ersten Aufreger über das skurrile Demokratieverständnis der GEMA, das sich für viele in folgendem Satz der E-Mail ausdrückt:

“Ein rechtliches Vorgehen der GEMA dagegen ist – auch wenn von den Organisatoren vielfach mit falschen und polemischen Behauptungen gearbeitet wird – aufgrund des grundgesetzlich gewährleisteten Versammlungsrechts nicht möglich.”

findet sich auch ein Anhang in der Mail, der die Tarifreform “plakativ” zusammenfassen will. Die plakative Versachlichung führt dann unter anderem ein Kuchendiagram mit dem scheinbar marginalen Anteil des großen Club-Kuchens an, den die GEMA in Zukunft abhaben will. Darunter steht:

“Das bedeutet: Wenn eine Diskothek 100.000 Euro im Jahr an die GEMA für die Musiknutzung zahlen muss, erwirtschaftet sie mindestens 1 Million Euro im Jahr NUR durch Eintrittsgelder und einen Gesamtumsatz von 5,9 Mio. Euro.”

Das ist aus mehreren Gründen falsch.

Zunächst mal liegen die Gründe dafür im Tarif selbst, der nicht 10% des Umsatzes verlangt, sondern 10% eines fiktiven Umsatzes bei kompletter Raumfülle. Sollte ein Abend mal nicht so gut laufen, steigt dieser Anteil schon mal automatisch und wer sich dagegen wehren möchte ist auf den guten Willen der GEMA-Adminstrative angewiesen, die ihm bestätigen könnte, dass es wirklich leerer war.

Zweitens sind sämtliche Zuschläge (spielen von Tracks via Laptop oder CD, sowie Zeitzuschläge bei längeren Veranstaltungen) schlichtweg beim Backen des Kuchens weggefallen. Und diese Zuschläge machen – wie oft in der Diskussion betont – eine entscheidende Menge aus.

Darüber hinaus stützt sich die geschätzte Verteilung der Gesamteinnahmen der Clubs und Diskotheken auf eine Musikwirtschafts-Studie von 2008 mit Stand von 2007, die explizit “Diskotheken” ausschliesst. Selbst wenn wir der GEMA diesen kleinen Fauxpas schenken und davon ausgehen, dass sie mit Diskotheken wirklich Clubs meint, dann sollte man sich diese Studie dennoch genauer ansehen.

Nur 67% der untersuchten Unternehmen bezeichnen sich als Club, mehr als ein Drittel sind Bars, einige Lounges, andere Konzerthallen, etc. Da Bars z.B. gewöhnlich gar keinen Eintritt verlangen, dürfte das den Anteil des Eintritts an den Gesamteinnahmen eines üblichen Clubs schon mal deutlich erhöhen. Und jetzt wird’s kompliziert.

Die Studie veranschlagt bei den Gesamteinnahmen 67% aus Barumsatz, 17% aus Eintrittsgeldern und 18% aus sonstigen Einnahmen, worunter Sponsoring und Fremdveranstaltungen fallen. Durchschnittswerte für das Verhältnis von Eigenveranstaltungen und Fremdveranstaltungen findet man übrigens in der Studie auch: 13 (eigene) zu 8 (fremde). Da davon auszugehen ist, dass ein Club selbst in Zukunft nur Eigenveranstaltungen über die GEMA abrechnen wird (bislang war das mal so mal so) haben wir jetzt noch mal 38% aller Veranstaltungen, bei denen der Kuchen sowieso nicht stimmt, weil im Zweifelsfall Fremdveranstalter nicht an dem Barumsatz beteiligt sind, sondern nur über den Eintritt ihre Veranstaltungen finanzieren (mit Glück kommt ein Hauch Sponsoring hinzu).

Um das ganze noch mehr zu verkomplizieren, relativiert sich so nämlich auch noch ein weiteres Mal der hohe Anteil des Getränkeumsatzes an den Gesamteinnahmen der Clubs. Nicht nur müssen da Bars etc. rausgerechnet werden, sondern eben auch noch ein Anteil an 38% Fremdveranstaltungen, bei denen ein Club zwar Geld verdienen mag, aber eben nicht durch die Veranstaltung eines Abends mit Musik (den macht der jeweilige Fremdveranstalter und zahlt dafür GEMA) sondern eben durch eine Dienstleistung mit Getränken. Ein Teil des Kuchens auf den die GEMA also schlichtweg überhaupt keinen Anspruch hat. Obendrein verlangen Läden gelegentlich auch Miete für einen Laden, und dann schwinden noch zusätzlich Teile der 18% sonstigen Einnahmen dahin, die im GEMA-Kuchen forsch einbezogen wurden, denn wenn ein Clubveranstalter seinen Raum vermietet, dann sind seine Einnahmen daraus ebenso überhaupt nicht GEMA-relevant.

Übrigens beklagten in der von der GEMA zitierten Studie schon 2008 die untersuchten Clubs über:

“Dem Publikum ‘sitze das Geld nicht mehr so locker’, wodurch die ‘Pro-KopfUmsätze rückläufig’ seien. Auch mangele es an der Bereitschaft der Gäste, für hochwertige Veranstaltungen einen angemessenen Eintritt zu zahlen. Zu den sinkenden Besucherzahlen kommen die ‘rückläufige Ausgehlust’ und immer spätere Ankunftszeiten.
Auf der anderen Seite stehen die gestiegenen Nebenkosten – GEMA, KSK, Strom und Gas sowie andere Betriebskosten. Auch der Einkauf der Getränke ist teurer geworden; für DJs und Veranstalter müsse mehr bezahlt werden. Gleichzeitig gebe es zu wenig finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.”

Und das war vor der Mehrwertsteuer-Sonderbelastung vor der Ansage der neuen GEMA-Tarife, etc.

Wir alle wünschen uns eine Versachlichung der Diskussion auf beiden Seiten, aber diese E-Mail nebst Anhang (in dem übrigens noch einiges mehr an sehr verflachten Argumenten steht) scheint für uns wirklich der falsche Schritt. Und da wundert es uns auch nicht, dass einige Musiker und GEMA-Mitglieder wie z.B. die Gebrüder Teichmann gleich eine Replik auf den GEMA-Brief geschrieben haben bzw. sich darüber aufregen.

Update:
Peter Hempel, aus der GEMA-Direktion in München hat uns angerufen, um uns zu versichern, dass es eine Kappung der GEMA-Kosten bei 10% des Eintrittspreises geben wird. D.h. sollten die GEMA-Zahlungen für einen Abend zusätzlich Aufschläge diese 10% übersteigen, kann man dies der GEMA melden und beantragen, dass man nur 10% bezahlt. Welche genauen Nachweise man für diese Berechnung bei der GEMA abgeben muss, ist wohl noch nicht 100%ig klar, die Überprüfenden sollen aber angewiesen werden im Zweifelsfall für den “Angeklagten” (kein Zitat, nur eine Redeweise) zu entscheiden und es soll klare Richtlinen geben, nach denen das ausgewertet wird, die stehen aber noch nicht fest. Am liebsten würden wir eigentlich auch noch Peter Hempels Aussage zu dem Demonstrationsverbotspassus in der Rundmail zitieren, der ihm sichtlich missfallen hat, der war aber Off-the-record.

42 Responses

  1. Alexander Koenitz

    Aus dem Tarif: “Sofern der Veranstalter den Nachweis erbringt, dass die Bruttoeinnahme (geldwerter Vorteil nach § 13 Abs. 3 S. 1 UrhWG) aus der Veranstaltung im Einzelfall in grobem Missverhältnis zur Höhe der Pauschalvergütungssätze gem. Abschnitt II steht, berechnet die GEMA auf schriftlichen Antrag eine für die Veranstaltung angemessene Vergütung nach Maßgabe der nachstehenden Bestimmungen:

    Als Vergütung werden 10 % der Eintrittsgelder und/oder sonstigen Entgelte wie z.B. Sponsorengelder, Spenden, Werbeeinnahmen und sonstige Zuschüsse, die unmittelbar zur Finanzierung der Veranstaltung dienen, berechnet. Auf diese Vergütung wird keinerlei Nachlass gewährt.”

    So viel zu Punkt 1 dieses Artikels.
    Immer schön bei der Wahrheit bleiben, ja?

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  2. Franco Walter

    Sehr geehrter Herr Kösch.
     
    zu Herrn Hempels Aussagen haben wir noch einige Ergänzungen.
     
    „Zunächst mal liegen die Gründe dafür im Tarif selbst, der nicht 10% des Umsatzes verlangt, sondern 10% eines fiktiven Umsatzes bei kompletter Raumfülle. Sollte ein Abend mal nicht so gut laufen, steigt dieser Anteil schon mal automatisch und wer sich dagegen wehren möchte ist auf den guten Willen der GEMA-Adminstrative angewiesen, die ihm bestätigen könnte, dass es wirklich leerer war“
     
    Die Sachlage sieht allerdings so aus: Pro 100 m² reinem Veranstaltungsbereich (also ohne Nebenräume etc.) werden maximal 100 Gäste angenommen. Man legt für die Berechnung demnach einen Gast pro Quadratmetzer zu Grunde. Dies entspricht ca. zwei Drittel der tatsächlichen durchschnittlichen Auslastung eines Clubs. Dieser daraus resultierende Besucherzahl wird dann mit dem Eintrittsgeld multipliziert. Zehn Prozent davon bilden schließlich die Vergütung an die GEMA. Bedenkt man nun die hohe Fluktuation der Clubbesucher während eines Abends und dessen tatsächliche Publikumskapazität, überschreitet die berechnete, pauschale Umsatzermittlung in den allermeisten Fällen nicht die zehn Prozent der tatsächlichen Einnahmen durch Eintrittsgelder.
    Außerdem gilt, wenn ein Veranstalter mehr als zehn Prozent des tatsächlich eingenommen Eintrittsgeldes in Rechnung gestellt bekommen sollte, kann er die Rechnung durch die sog. Angemessenheitsregelung auf zehn Prozent reduzieren lassen – inklusive aller Zuschläge. Das hat nichts mit „Gutem Willen der GEMA-Administrative“ zu tun, sondern ist ein wesentlicher Bestandteil der Tariflinearisierung.
     
    „Zweitens sind sämtliche Zuschläge (spielen von Tracks via Laptop oder CD, sowie Zeitzuschläge bei längeren Veranstaltungen) schlichtweg beim Backen des Kuchens weggefallen. Und diese Zuschläge machen – wie oft in der Diskussion betont – eine entscheidende Menge aus.“
     
    Auch hier verweisen wir nochmals auf die Angemessenheitsregelung: Diese Obergrenze von 10 Prozent nach der Angemessenheitsregelung beinhaltet gleichzeitig sämtliche Zuschläge.  Die Gebühren sind also auf 10 Prozent der tatsächlichen Türeinnahmen gedeckelt.
     
    „Darüber hinaus stützt sich die geschätzte Verteilung der Gesamteinnahmen der Clubs und Diskotheken auf eine Musikwirtschafts-Studie von 2008 mit Stand von 2007, die explizit “Diskotheken” ausschliesst. Selbst wenn wir der GEMA diesen kleinen Fauxpas schenken und davon ausgehen, dass sie mit Diskotheken wirklich Clubs meint, dann sollte man sich diese Studie dennoch genauer ansehen. Nur 67% der untersuchten Unternehmen bezeichnen sich als Club, mehr als ein Drittel sind Bars, einige Lounges, andere Konzerthallen, etc.“
     
    Unsere Interpretation der Studie ist nicht fehlerhaft. Im Fokus der Studie „standen clubszenerelevante Veranstaltungsunternehmen und Clubbetreiber“, d.h. es ging ausschließlich um Clubveranstaltungen. Ob diese in einem Club oder bspw. in einem Café stattfinden, spielt für die Aussagen der Studie überhaupt keine Rolle. Der normale Betrieb in Cafés oder Bars wurde in der Studie nämlich nicht berücksichtigt.
    Sie haben zwar recht, dass Diskotheken wie auch am Mainstream orientierte Massenveranstaltungen von der Studie nicht berücksichtigt wurden – allerdings ist es so, dass der Anteil des Eintritts bei Mainstreamdiskos noch geringer ist, da sie in der Regel einen geringeren Eintritt als Clubs nehmen und die Gastroeinnahmen höher sind.
     
    Mit freundlichen Grüßen
    Franco Walter
    GEMA Presseteam

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  3. Peter Strabow

    Das Problem ist nicht, dass die GEMA 10% der Eintrittsgelder für die Urheber haben will, das Problem ist, dass sie noch im letzten Jahrtausend leben und kein Verhältnis zur Realität haben.

    Nicht jeder Club/jede Disco ist jeden Abend 100% voll. Die GEMA geht aber davon aus.

    Die GEMA will deutlich mehr Geld, wenn das Lied elektronisch, also vom PC abgespielt wird, als wenn es von einem Datenträger wie eienr CD kommt. WTF? Wo ist der Unterschied bzw. wer benützt heute noch CDs?

    Die GEMA hat einfach den Halt verloren. Keine Maß, keine Ahnung. Das sieht man an YouTube und das sieht man jetzt an den neuen Club Gebühren.

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  4. Sascha Kösch

    Lieber Herr Walter….

    Die Angemessenheitsregelung mag ein wesentlicher Bestandteil der Tariflinearisierung sein, die Entscheidung ob die Angemessenheitsregelung im Einzellfall in Kraft tritt, obliegt aber dennoch der GEMA-Administrative. Das genaue Prozedere ist nicht bekannt, wie diese Entscheidungen gefällt werden auch nicht, ich gehe sogar davon aus, dass die genauen Entscheidungsgrundlagen dafür nie veröffentlicht werden (vermutlich aus dem üblichen Grund: “die bemogeln uns sonst”) und zu dem Vertrauensvorschuss, dass die GEMA das wirklich in den meisten Fällen gerecht entscheiden wird, bin ich erst mal nicht bereit. Ich lasse mich gerne in der Zukunft eines besseren belehren aber für mich ist diese 10%-Klausel weitestgehend eine weitere Black-Box.

    Was die Studie betrifft, sehe ich nach wie vor nicht, wie man die Aussage über die “Zusammensetzung der Umsätze” in der Studie, die sich auf den Gesamtumsatz der untersuchten Unternehmen bezieht (Clubs und Veranstalter), auf “die Eintrittsgelder machen durchschnittlich 17 % des Gesamtumsatzes einer Veranstaltung pro Abend aus” verkürzen kann. Dagegen sprechen einfach die oben genannten anderen Ergebnisse der Studie und dass sich die Angabe über die Umsätze “ausschließlich auf Clubveranstaltungen” bezieht, die, damit die 1,7%-Rechnung überhaupt aufgeht, noch dazu Eigenveranstaltungen sein müssen, sehe ich nirgendwo. Das erscheint mir also rein spekulativ und ich habe deswegen bei den Erstellern der Studie nachgefragt.

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  5. Wurstbrot

    Finger heb!!!

    Ich als Gema Mitglied kann sehr wohl behaupten, dass aus dieser “Club Verteilung” bei uns “kleinen” Künstlern nichts, und absolut rein gar nichts ankommt. Und auch wenn mein Track mit Hitpotenzial in jedem Underground Club gespielt wird, ich sehe keinen Cent von eurer Clubverteilung. Da hier keinerlei Playlist geführt wird, und die daraus resultierenden Verteilerschlüssel die großen “Top Ten Fürsten” von oben nach unten bedienen. D.h. der Club drückt schön Kohle ab, die nie bei den Künstlern deren Musik gespielt wird ankommt. Diese Künstler sind sowieso von euch überhaupt nicht von euch erwünscht, da ihr diese Verteilerarbeit überhaupt nicht bewältigen könntet. Welches Label, dass unsere Musik vertritt, kann sich überhaupt eine Gemameldung leisten?!

    Meine Rechte an digitalen Veröffentlichungen habe, und werde, ich euch nicht überschrieben.

    Warum???
    Weil es mir definitiv nichts bringt.

    Fu**… fällt mir da leider nur noch dazu ein.
    Diese Paragraphen gereite geht mir auf die Eier, ich bin Musiker und kein Anwalt.
    Darum ist man ja eigentlich bei der Gema, Sie soll die übertragenen Rechte der Mitglieder vertreten, und nicht ein Juradiplom fordern.

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  6. Wurstbrot

    Sorry, mein Blut kochte hoch, und ich tippte zu schnell. :(

    EDIT:

    Diese Künstler sind sowieso von euch überhaupt nicht erwünscht, da ihr die dadurch aufkommende Verteiler Arbeit überhaupt nicht bewältigen könntet.

    Dies und gesichtetes anderes sei mir verziehen. :)

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  7. Peter Fleming

    Danke für den informativen Artikel!

    Es ist eigentlich völlig egal, denn die Gema will 10% vom Eintritt. Das ist für uns nach wie vor eine Erhöhung um ca. 420%. Gehts eigentlich noch? Die Gema hat in den vergangenen Jahren doch immer wieder die Tarife angeglichen, und wir haben brav bezahlt und uns gegenüber jeder Erhöhung verständlich gezeigt. Aber 420% sind zu viel. In der freien Wirtschaft wäre dies Wucher!
    Warum hat die Gema noch keinen Vertrag mit Google oder Youtube? Können die nicht verhandeln, oder wollen sie nicht? Da muss man sich überlegen wie man neue Einnahmen generiert, und dafür werden wir Kulturschaffenden herangezogen.

    Die Gema legt bei der Berechnung des Kuchens eine völlig absurde Studie zu Grunde, die mit der Realität nichts gemein hat, oder zumindest im Bereich Elektronische Musik überhaupt nicht richtig ist. Es ist eher so, dass bei 10 Euro Eintritt vielleicht noch 8 – 14 Euro an der Bar gemacht werden. Und das ist für uns schon relevant, denn wir müssen auch etwas am Eintritt verdienen, ansonsten würde sich dieser kulturell hochwertige Betrieb mit guten elektronischen Künstlern nicht mehr rechnen und wir müssten diesen einstellen, bzw. den Künstlern entsprechend weniger bezahlen.

    Wenn wir nun den Künstlern entsprechend weniger bezahlen fragt man sich, wie kommen diese dann an ihre Verwertung?
    Es ist inzwischen allgemein bekannt das die Gema, trotz der im Vergleich hohen Verwaltungskosten, nicht in der Lage ist die Musik die in den Clubs, Musikbars und Diskotheken richtig zu verwerten. Wöchentlich werden lediglich 120 Stunden Musik ausgewertet die in 3 – 7000 Diskotheken (die Zahlen variieren leider in verschiedenen Aussagen) gespielt werden. 120 Stunden von: 5000 Diskotheken mal 8 Stunden mal 4 Öffnungstagen (angenommene Werte), also 120 Stunden von 160000 Stunden tatsächlich gespielter Musik. Wenn ich das auf unseren Club anwende, an dem 4 Tage lang wirklich unterschiedliche Musik läuft, und höchstens 5 Tracks pro Woche doppelt gespielt werden, dann vermute ich jetzt das die Gema überhaupt kein Interesse daran hat die Musik richtig zu verwerten. Diese Blackboxen sind eine reine Alibimaßnahme! Die Gema hat nicht nur kein Interesse, sondern man kann hier die Überlegung anstellen das die 55000 (Wikipedia: Gema) nicht angeschlossenen Mitglieder, die pro Kopf unter 6000 Euro im Jahr Umsatz machen (mind. 5 Jahre lang muss der Umsatz gehalten werden um ein ordentliches Mitglied zu werden) einen großen Teil der Umsätze generieren, aber am wenigsten abbekommen. Leider ist das im Geschäftsbericht der Gema nicht erkennbar und das zeigt wie Intransparent die Gema ist.
    Jetzt können wir aber noch etwas unterstellen. Angenommen die Gema hat bei den 5000 Diskotheken bisher 25.000.000 Euro generiert. Dann möchte sie ab 2013 wenigstens 100.000.000 Euro einnehmen. Wer bekommt denn diese 75.000.000 Euro minus 15% Verwaltungskosten? Die Künstler deren Tracks bei uns spielen werden es nicht sein. Denn die Musik wird nicht erfasst. Somit fällt dieser Kuchen dann zum größten Teil wieder an die 3 Majorlabels (Sony, Warner und Universal generieren, so hörte ich, ca. 40% daraus – wer Böses dabei denkt!) und sonstigen Bohlens in Deutschland.

    Wir werden eine derartige Erhöhung nicht akzeptieren und wir werden dafür kämpfen. Ich behaupte mal dass die Gema diesmal einen Fehler begeht, denn ich bin der festen Überzeugung dass wir das Volk aufrütteln werden und das Volk hat Vertreter und die Politik wird etwas ändern! Just nach unserem bundesweiten Demonstrationstag hat es bei der SPD eine sehr interessante Entwicklung gegeben:
    http://www.spdfraktion.de/themen/internet-bezahlen-lohnt-sich
    Und Bündins 90/Die Grünen haben angekündigt am 12.09.2012 dieses Thema in einem Ausschuss der Bundestagsfraktion zu behandeln. Wir dürfen also gespannt sein.

    Bitte kämpft weiter mit uns.

    Die Gema muss reformiert werden!

    Danke

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  8. Steven McIntyre

    man sollte auch noch beachten, dass in manchen städten wie in meiner, münster, noch zusätzlich 22% vergnügungssteuer an die stadt von den einnahmen an der tür abgedrückt werden müssen.
    prost mahlzeit!

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  9. Daniel Goslar

    Kulturwerbeunternehmen fühlen sich durch die GEMA in Ihrer Existenz gefährdet und werden deshalb das Bundeskartellamt einschalten um die geplanten Preiserhöhungen der GEMA genau unter die Lupe nehmen zu lassen. Unter Umständen könnte die GEMA mit einer Strafe von bis zu 85 Millionen Euro rechnen (10% vom Jahresumsatz), sollte das Bundeskartellamt der gleichen Ansicht wie ich sein.

    Zum Bundeskartellamt aus Wikipedia: “Das Bundeskartellamt kann insbesondere Zusammenschlüsse von Unternehmen verbieten, missbräuchliche Verhaltensweisen untersagen, Auflagen erteilen und Geldbußen verhängen. Außerdem verfügt die Behörde über weitgehende Ermittlungsbefugnisse.”

    Das sich die GEMA missbräuchlich gegenüber anderen Zuliferern verhält ist ja nun nicht von der Hand zu weisen.

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  10. ill

    Alle Produzenten und DJs, Veranstalter, Clubbesitzer und -betreiber in Hamburg, die künstlerisch und kulturell überhaupt als relevant anzusehen sind, weil sie unanhängig von Förderungen, Kompromissen und Gewinnorientierung ernst zu nehmende Kuration betreiben, verdienen ohnehin schon nichts. Wenn die Produzenten der Lieder, die von DJs gespielt werden, zu denen die Leute in Clubs kommen – zu 100% keine GEMA Mitglieder sind – und das wird zur Regel in vielen Subkulturen – dann geht die Debatte vor allem an der Realität vorbei.

    Was wäre, wenn man GEMA Freie Zonen errichtete – notariell beglaubigte Nachweise darüber erbrächte, dass keine GEMA Tracks liefen und man ein “Siegel” erstellte – Was das Bio Siegel für Kartoffeln ist, oder die Güteklasse A für Eier – das könnte ein GEMA Frei Siegel für Clubs werden.

    Die Künstler, die unsere Generation hört und unterstützt – so sie GEMA Mitglieder sind – sehen meines Wissens zwischen 50 cent und 2€ pro Ausschüttung.

    Wenn Spekulationen und das willkürlich oligarchische NSDAP Erbe der GEMA nach Außen ein so offensichtlich Ahnungsloses Erscheinen geben – dann kann man als “Betroffener” auch nur staunen – und hoffen, dass schlaue, zeitgemäße und irgendwie aktzeptable Verwertungsgesellschaften entstehen. Die Einrichtungen, die nämlich z.B. zeitgenössische Tanzmusik überhaupt am Leben halten, sind die Clubs, die faire Gagen an Nachwuchsproduzenten bezahlen.

    Stichworte die wohl kaum Beachtung finden in der “Rufschadensbegrenzung” seitens der schlicht in die Jahre gekommenen GEMA:
    CC und GPL Lizenzen, das Internet und die Bedroom Producer, Cloud-Bands und Musikprojekte, Bandcamp, Soundcloud, moderne Clubkonzepte, “was hören die Leute wirlich” …

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