Gurus Tod rückt seinen letzten Weggefährten in ein dubioses Rampenlicht: Solar. Eine bitterböse Schlammschlacht bahnt sich an.

Gestern berichteten wir über den Tod von Guru. Die Nachricht sollte die meisten erreicht haben. Auch haben wir auf den vermeintlichen Abschiedsbrief verwiesen, der in Teilen auf dem Blog von DJ Premier gepostet wurde und die meisten Medien haben diesen auch zitiert. Doch scheint es bei genauerer Beobachtung zu einigen Ungereimtheiten zu kommen, die von der Community bereits heftig kritisiert werden.

In dem ganzen Trubel rückt nämlich Gurus letzter musikalischer Weggefährte Superproducer Solar ins dubiose Rampenlicht. Vielleicht nicht zu Unrecht wird angemerkt, dass einige Zeilen jenes Briefs nicht aus der Hand eines sterbenden und sich verabschiedenden großen Künstlers stammen können. So gibt es folgende Passagen über Gurus “EX-DJ”: “I do not wish my ex-DJ to have anything to do with my name likeness, events tributes etc. connected in anyway to my situation including any use of my name or circumstance for any reason and I have instructed my lawyers to enforce this. I had nothing to do with him in life for over 7 years and want nothing to do with him in death. Solar has my life story and is well informed on my family situation, as well as the real reason for separating from my ex-DJ. As the sole founder of GangStarr, I am very proud of what GangStarr has meant to the music world and fans.”

Nicht nur DJ Premier selbst, um den es hier geht, zeigte sich entsetzt auf seinem Blog. Weiter heißt es: “I am most proud of my leadership and pioneering efforts on Jazzmatazz 4 for reinvigorating the Hip-Hop/Jazz genre in a time when music quality has reached an all time low. Solar and I have toured in places that I have never been before with GangStarr or Jazzmatatazz and we gained a reputation for being the best on the planet at Hip-Hop/Jazz, as well as the biggest and most influential Hip-Hop/Jazz record with Jazzmatazz 4 of the decade to now. The work I have done with Solar represents a legacy far beyond its time. And we as a team were not afraid to push the envelope. To me this is what true artists do! As men of honor we stood tall in the face of small mindedness, greed, and ignorance. As we fought for music and integrity at the cost of not earning millions and for this I will always be happy and proud, and would like to thank the million fans who have seen us perform over the years from all over the world. The work I have done with Solar represents a legacy far beyond its time and is my most creative and experimental to date.”

Nicht nur HipHop-Spezialisten dürften aufgrund solcher Aussagen nachdenklich werden, so fiel die vierte Ausgabe der Jazzmatazz-Reihe in keinen besonderen Fokus der Rapmusikwahrnehmung. Interessant die Tatsache, dass dies die einzige Ausgabe ist, in der Solar produktionstechnisch involviert gewesen ist. Auch wird darauf aufmerksam gemacht, dass sowohl in dem offiziellen Statement Solars als auch in dem Brief, folgende Wendungen auftauchen. “The world has lost one of the best MCs — my loyal best friend, partner, and brother, Guru!” (Solar) “My loyal best friend, partner and brother, Solar, has been at my side through it all …” (Guru)

Dies ließe sich alles als morbide Erbsenzählerei werten, Guru wurde nach einer Herzattacke bereits im März in einem New Yorker Krankenhaus behandelt. Der Neffe von Guru, Justin Nicholas Elem-Ruff, schilderte seine Sicht und die der Familie während dieser Vorfälle als Videonachricht. So wurde der gesamten Verwandschaft der Besuch in der Klinik untersagt, sämtliche Familiennamen lagen der Klinik als Blacklist vor. Auch wurde von Seiten Solars, der in den letzten Monaten Gurus einzige Kontakperson gewesen sein soll, jegliche Informationen verweigert. Unten findet ihr die Videostatements von Gurus Neffen, die wohl auch aus purer Verzweiflung ihren Weg ins Internet gefunden haben. Er beschreibt Solar als “manipulative, einnehmende Person”. Die Familie erwägte rechtliche Schritte gegen Solar, ließ dies aber, da es so ernst um Gurus Gesundheit stand, dass eine rechtliche Klärung noch immer ausgestanden hätte.

Solar und Guru betrieben gemeinsam ihr Label 7Grand-Records. Zu den Vorwürfen gegen ihn, die sich im Moment enorm anhäufen, meldete er sich kurz auf seinem Twitterfeed: Guru made this statement from his own mouth and anybody saying different is insane with Hate! Dass Solar viel Einfluss von Guru während seiner letzten Tage zugestanden zugesprochen bekommen hat, zeigt auch jene Nachricht von Solar, quasi Gurus letztem “Lebenszeichen”, das den gesundheitlichen Zustand vom Ende März versucht zu skizzieren.

Ob diese Vorwürfe nun der Wahrheit entsprechen oder nicht, das wird die Zukunft hoffentlich herausfinden. Auf jeden Fall scheint die HipHop-Kultur sich einer sehr großen Schlammschlacht gegenüberzustehen. Dass Privates und Geschäftliches gerade in Angesicht des Todes hier äußerst skurrile Blüten treiben, ist aber gewiss. Eines ist jetzt schon klar, das, was zwei Säulen der Welt HipHop-Welt sind: Credibility und Respekt, davon scheint Superproducer Solar jetzt schon einiges einbüßen zu müssen.

2 Responses

  1. paul

    Eine wirklich tragische Geschichte diese ganze Sache und ein nicht messbarer Verlust für die Hip-Hop-Welt.

    Kleine, aber wichtige Anmerkung: Bei dem “DJPREMIERBLOG” handelt es sich nicht um den offiziellen DJ Premier Blog sondern nur um einen reinen Fanblog (der allerdings sehr gut vernetzt ist) Apropos gut vernetzt: Die erste offizielle Stellungsnahme Preemos gibt es dort auch zu lesen: http://www.djpremierblog.com/2010/04/21/official-statement-from-dj-premier-on-the-death-of-guru/

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