Es war live und wir waren dabei

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Fotos: iHeartBerlin.de

Eine Liebeserklärung an Pop funktioniert auch in Berlin. Zur Kitsuné Maison Night am vergangenen Wochenende im Kreuzberger Ritter Butzke fuhr das französische Vorzeigelabel für die Fusion aus Musik und Mode die neuesten Signings für das kommende Jahr auf. Zusammen mit dem Berlin Battery Floor, der von DJ Supermarkt bis hin zu Shir Khan mit einem Patchwork aus Baltimore Club, Fidget House und New French Touch bespielt wurde, boten sich fernab des straight auf Clubbing ausgerichteten Floors auf der Hauptbühne die großen Momente des Abends.

Enttäuschten Two Door Cinema Club doch ein wenig aufgrund der kurzen Spielzeit von knapp einer Stunde durch den Hinzugewinn eines Drummers, da so die Banddynamik in einen 0815-Indie-Touch abdriftete, konnte auch die Präsentation der Songs vom im Frühjahr folgenden Album nicht über diese signifikante Änderung hinwegtrösten. Statt Drumcomputer nun mehr eine klassische Ausrichtung, die trotz der hohen Energie nicht vollkommen für außergewöhnliche Leistungen herhalten kann. Sich nach dem Auftritt noch einmal bei den anderen Bands in den Pit werfen zu wollen fördert jedoch einige Punkte auf der Sympathieskala ans Tageslicht.

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Als Headliner des Events positionierten sich Delphic in genau der Lücke, die die bevorstehende Auflösung von Bloc Party hinterlassen könnte: Nach der Melt! Performance in diesem Festivalsommer bekam das Set eine ausufernde Überarbeitung, bei der Pausen zwischen den einzelnen Tracks ausnahmslos wegfallen und so Erinnerungen an ein Live-Set wach werden lassen. Das Sound-Crossover zwischen Joy Division und Muse schlägt sich vor allem in der extensiven Editierung der einzelnen Tracks wieder, die auf der Bühne unendlich fortgeführt werden können und so auf einer Spielzeit von einer Stunde nur neun Tracks des im Januar erscheinenden Longplayers Acolyte unterbringen.

Unübertroffenes Highlight der Veranstaltung, umnebelt von nicht enden wollenden Wolken an Betäubungsmitteldämpfen: The Phenomenal Handclap Band. Schwülster Disco trifft auf Funk, der direkt aus den letzten Atemzügen James Browns destilliert sein muss und mit einem guten Schuss Prog Rock abgemischt wird. Sieben Bandmitglieder inklusive zweimal Backing-Vocals direkt aus dem Herzen New Yorks sorgen für ein noch exzessiveres Verlieren in den Soundscapes als es schon Delphic erzielten. Ebenso überzeugt vor allem das endlose Jammen und Live-Editieren der Stücke mit einer Spielzeit von weit über sechs Minuten pro Song davon, dass auch instrumental der hippieske Spirit von Zeitlosigkeit wieder zeitgemäß wird. Hercules & Love Affair scheinen ihre Wirkung erzielt zu haben.

Mehr zum Label gibt es auf kitsune.fr

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