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Am Dienstag hat das Festival „Acht Brücken. Musik für Köln“ begonnen. Das heißt bis zum 12. Mai wird es über 30 Konzerte an 15 Spielstätten geben. Zahlreiche Ensembles werden vor Ort sein, aber auch Allstars der elektronischen Musik: DAF, Nicolas Jaar und eben auch Matthew Herbert. Matthew Herbert. Was macht der eigentlich gerade, wenn er nicht seinen Auftritt in Köln am 06. Mai vorbereitet? Wir haben mit ihm über seine Arbeit und sein Verständnis von Musik gesprochen.

Matthew du bist ja gerade in Australien. Kängurus für das nächste Projekt aufnehmen? Ich habe gehört, PETA guckt dir seit „One Pig“ genau auf die Finger.

Ich habe drei unterschiedliche Shows im Melbourne Recital Centre gespielt. Einige Facebook-Kids hierzulande waren ziemlich sauer wegen dem Projekt mit dem Schwein, aber die sind zum Glück nicht aufgekreuzt. Und neben dem normalen Zeug, Auftritten, etc. schreibe ich gerade an einem Stück für das Nationaltheater und an einem Drama für das Fernsehen.

Du hast ja auch echt schon eine Menge gemacht jetzt. Hast du keine Angst, dass dir in zehn oder zwanzig Jahren die Ideen ausgehen?

Keine Ahnung. Ehrlich gesagt habe ich mehr Angst davor, dass meine Ideen scheiße sind.

Und woraus schöpfst du sie? Andere Musik hören? Einfach herumlaufen?

Musik hilft nicht wirklich weiter. Man muss die Ideen in ihrem eigenen Tempo zu Tage treten lassen. Du darfst nichts überstürzen. Du kannst es auch nicht. Du musst über dich selbst stolpern ohne dich zu wiederholen, was immer wieder fast unmöglich erscheint.

Bist du trotzdem auf dem Laufenden was Musik angeht? Wen hörst du am liebsten?

Immer noch Tom Waits. Natürlich bin ich auf dem Laufeden, höre auch viel Blawan, Randomer, A Made Up Sound, Tommy Four Seven.

Du legst ja immer sehr viel Wert auf den Rahmen deiner Projekte, hinter jeder Platte steckt eine tiefere Bedeutung. Denkst du die Leute verstehen das? Man könnte meinen du willst dich wichtig machen. Es ist doch auch ok eine Platte zu machen nur um Leute zum tanzen zu bringen oder?

Ein vierjähriger Junge hört Musik definitiv anders als seine achtzigjährige Großmutter. Für wen macht man also Musik? Jeder Hörer bringt seine eigene Perspektive mit, seine eigenen Voraussetzungen, seine eigene Geschichte und sein eigenes Wissen. Man kann keine Musik machen, die jeder auf die gleiche Art und Weise versteht. Ich finde Musik muss zunächst als Musik funktionieren und wenn die Leute interessiert sind, können die Geschichten dahinter folgen. Ich glaube auch, hinter allem steckt immer eine Bedeutung, egal man diese anerkennt oder nicht. Musik, die nichts voran bringt, will den Status Quo erhalten, auch das ist ein politischer Akt. Dass ein Sound eine Bedeutung oder Geschichte haben kann, ist eine spannende, neue Grenze in der Musik. Natürlich kann man auch eine Platte nur machen um Leute zum Tanzen zu bringen, aber das reizt mich nicht mehr so, wie es vielleicht vor zwanzig Jahren der Fall war. Was die Menschen über mich sagen ist mir völlig egal.

Letzte Frage: Teamplayer oder einsamer Wolf?

Man muss eine eigene Vision haben, aber Teamarbeit hilft dabei, diese Vision bestmöglich zu verwirklichen.

Gerade frisch reingekommen ist übrigens die neue Platte von Matthew Herbert: „The End Of Silence“, sie erscheint am 24. Juni auf seinem eigenen Label Accidental Records. Während des Krieges in Libyen nahm der britische Fotograf Sebastian den Sound eines Bombardements durch Gaddafis Luftwaffe auf. Diese zehn Sekunden Sound hat Matthew Herbert völlig auseinandergepflückt und in neue Kontexte eingebettet. Und dieses Album ist es, das beim Acht Brücken Festival erstmalig in Deutschland aufgeführt wird. Wir haben Karten für euch – und zwar 5×2 Stück. Schreibt einfach eine Mail mit dem Betreff “Herbert” an wissenswertes@de-bug.de und mit ein bisschen Glück gehören sie euch!

Hier sind noch einmal die Eckdaten:
Montag 06. Mai
20 Uhr, Kölner Philharmonie
Matthew Herbert
André de Ridder
stargaze
Matthew Herbert Quartett

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