Es war live und wir waren dabei


re:publica 2. April 2009 Auch der zweite Tag der re:publica ’09 war vom einbrechenden Frühling gesegnet. Alles neu macht die Sonne und lässt die blassen Bloggertans sichtlich erfreut aufatmen. Nicht erst seit Winnenden ist die Auseinandersetzung mit den neuen Medien auch wieder Tagesschauthema gewesen. Sich politisch zu statuieren, Vertrauen und Bewusstsein, ergo Medienkompetenz zu manifestieren ist auch diesmal wieder Hauptsubjekt der dreitägigen Tagung „Shift Happens“. foto0379 Merklich ist Twitter in den Club Mate-Chats zum Dominator geworden. „Das war letzte Woche mein erfolgreichster Tweet ever!“, hört man immer wieder. Twitter hier, Twitter da. Zwitschern für eine bessere Welt, so simpel ist es natürlich nicht. So wurde über die Verbindungen von französischer Philosophie und der digitalen Identität genauso referiert, wie über das überpräsente Thema der Kulturflatrate, Segen oder Fluch? Auch hier wird deutlich, dass die Gegenwart und ihre Komplexität genug Stoff bieten, und die digitale Zukunft und eventuelle Utopien weit weg sind. Die Köpfe und die Geister sind schon seit Jahren weiter als das träge Jetzt. foto0393 Highlight war mit Sicherheit der heiß ersehnte Vortrag von CC-Gründer Lawrence Lessig über den Remix als essentiellen Bestandteil der heutigen Text- und Medienkultur, und über die rechtliche Schieflage, die noch immer aktive User kriminalisiert. In seinem Keynote-Folien-Dauerfeuer wird der sinn gebende Vergleich zwischen der Alkoholprohibition in den USA und der heutigen Copyright-Problematik hergestellt. Beides mal ist die Metapher des Krieges bestimmend in der Debatte. Der Krieg gegen die Abhängigkeit von Alkohol ist zu einem Krieg gegen ein kommunikatives Grundrecht der heutigen Zeit geworden. Wo früher Latein die Sprache der Eliten und Englisch, Deutsch die vulgären Sprachen gewesen sind, ist die heutige mediale Sprache der Eliten das kopiergeschützte Medium, das Buch z.B. Wohingegen die Jugend im Remix selbst eine universelle Sprache erfindet, die zwar restriktiv verfolgt, nicht im Text selber Diskurs schafft, sondern die nonverbale Kraft der Bilder, Videos und Musik ihr zu eigen macht und somit Kommunikation betreibt. foto0396 Dass hier ein grundlegender Paradigmenwechsel von offizieller Seite vonnöten ist, wurde in seinem emphatischen Schlusswort rege gefeiert. Lessig ist und bleibt ein Phänomen der heutigen Vortragskultur, trotz des Effekt-lastigen seiner multimedialen Performance, schabt sich noch immer der Effekt nicht ab. Content funktioniert halt immer. Die Resonanz war erwartungsgemäß groß, selbst Standing Ovations von der Alpha-Blogger-Generation Deutschlands konnte er entgegen nehmen. Einen Livestream der laufenden Panels gibt es unter http://make.tv
http://www.re-publica.de/09/

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Elektronische Lebensaspekte.

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