Alternative für Festplatten-DJs – Serato Scratch Live

Stirbt Vinyl nun doch? Final Scratch ist auf dem Vormarsch und mit “Serato Scratch Live” hat Rane so etwas wie den ersten Nachbau der digitalen Auflegelösung vorgelegt.

Daran wird man sich gewöhnen müssen. So wie es nicht nur noch ausschließlich Technics in den Clubs gibt, so hat auch Final Scratch seit geraumer Zeit Konkurrenz bekommen. Rane, Hersteller von DJ-Mixern, Equalizern, Analyzern etc., und Serato, berühmt für ihr Pitch- und Timeshifting-PlugIn, haben sich für Serato Scratch Live zusammengetan, ein System, das nun gegen Stantons FS um die Festplatten-DJs der Welt buhlt.
Das USB-Interface wird zwischen Plattenspieler und Mixer gestöpselt, mit dem Rechner verbunden … fertig. Software starten, iTunes-Library durchsuchen (.WAV und .AIFF werden auch unterstützt), Platte auflegen, Track auswählen … wieder fertig. Los geht’s. Die beiden Master-Platten wurden sehr DJ-freundlich geschnitten: Nach je einer Minute gibt es einen kleinen Vorschub, nach fünf Minuten einen noch größeren, so kann man sich hervorragend orientieren, vor allem, wenn man den Track nicht von Beginn an cuen möchte. Die eine Seite ist 15 Minuten lang, die andere zehn, beide funktionieren auf 33 und 45 rpm. Die kürzere Seite kommt mit einem “Bonustrack”, der die Auswahl der Tracks ermöglicht, ohne sich nach dem Rechner bücken zu müssen. Sollte ein Track länger sein als die 15-Minuten-Seite, stellt Scratch live automatisch in den “internal mode” um, und der Track spielt bis zum Ende weiter, kann dann allerdings nicht mehr durch das Vinyl gesteuert werden.
Das Interface im Rechner ist übersichtlich und ungewöhnlich zugleich: Die Darstellung der Wellenform wurde bei Scratch Live vertikal gelöst, was auf den ersten Blick ungewohnt erscheint, sich nach kurzer Gewöhnungsphase jedoch als sehr praktisch herausstellt, hat man so zwei Tracks auch grafisch viel besser im Blick. Das hilft beim Beatmatchen ungemein. Hinzu kommt die farbliche Kodierung der Wellenformen: Tiefe Frequenzen sind rot, hohe dagegen grün dargestellt. Eine zusätzliche horizontale Mini-Darstellung macht das Tempo-Angleichen allein per Hinschauen zum Kinderspiel. Tracks können mit bis zu fünf Markern versehen werden, um bestimmte Stellen noch schneller zu finden. Perfekt!
Die Files lassen sich in allen erdenklichen Arten organisieren und katalogisieren: Der File-Browser lässt keine Wünsche offen.
Und sonst? Als Bonus lässt sich das Mikrofon-Signal (das USB-Interface hat ein Mic-In) direkt in Scratch live aufnehmen und im Anschluss auf die Decks routen.
Das System macht in der aktuellen Version 1.3 einen hervorragenden Eindruck. Die Latenz ist praktisch nicht spürbar und gibt dem DJ ein “echtes” Gefühl, die Pitch-Engine klingt sehr gut und produziert keine hörbaren Artefakte, und mit einem Straßenpreis von runden 700 Euro ist Scratch Live eine wirkliche Alternative zu Final Scratch. Ausprobieren!

Serato Scratch Live,
OS X 10.2.8, G4/500 MHz, 128 MB Ram, USB
Windows XP, P3/700 MHz, 128 MB Ram, USB

UVP: 915.- Euro
Straßenpreis: ca. 700.- EUR
http://www.scratchlive.net

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