Im Test: Digidesign Transfuser
Ein umfangreiches Tool zur rhythmischen Sample-Bearbeitung hat in der ProTools-Welt bislang noch gefehlt. Mit dem Transfuser wird das jetzt anders.
Ein umfangreiches Tool zur rhythmischen Sample-Bearbeitung hat in der ProTools-Welt bislang noch gefehlt. Mit dem Transfuser wird das jetzt anders. Digidesign gräbt damit erfolgreich den hart umkämpften Markt für Dancemusic an.
von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 127
Mit dem Transfuser bekommt ProTools seine eigene Beatslicer- und Loop-Rumpel-Trickkiste und ermöglicht so das spontane Eingreifen in das Audiomaterial ohne langwierige Import- und Export-Orgien. Die Organisation ist dabei denkbar einfach und orientiert sich an vergleichbaren Programmen anderer Hersteller. Links der File-Browser (1,6GB an Samples werden direkt mitgeliefert), rechts die Action. Per Drag & Drop werden die Samples, Loops und Phrasen in das Herzstück des Transfuser, die Master-Section, gezogen. Dabei muss man gleich zu Beginn die Entscheidung fällen, wie man dem Rohmaterial an den Kragen will. Wählen kann man zwischen Drum, Stretch und Slice. Die vierte Variante ist ein Effekt, der alle Möglichkeiten des PlugIns über dem Sample auskippt. “Slice”, ihr ahnt es, zerlegt z.B. Drumpatterns in Einzelteile, das alte Rex-System, und legt die Einzelteile gleich in einen Sequenzer, der zunächst die Abspielsequenz beibehält. “Stretch” widmet sich dem Beat- und Timestretching und bringt jegliche harmonische Phrasen sicher in die neue Umgebung. “Drum” schließlich zerwirbelt Loops und legt die Einzelteile auf MPC-ähnliche Pads. Hier kann nachträglich selbstverständlich feinjustiert werden. Jedes Pad hat seinen eigenen Sequenzer, damit man mit den Einzelsounds direkt neue Patterns erstellen kann und sie entsprechend mit den anderen “Tracks”, die man in Transfuser angelegt hat, mischen kann. Das PlugIn ist dabei eigentlich eine komplett autarke Arbeitsumgebung in ProTools, ein eigener kleiner MultiTracker, in dem man bestimmte Teile eines Projektes komplett tweakt und erst dann in das eigentliche ProTools zurückspielt. Dabei sind die Verknüpfungsmöglichkeiten geradezu endlos, denn wie die Effekte greifen, ob sie nur einen Track oder mehrere beeinflussen, ist allein euch überlassen. Durch die clevere Controller-Integration können außerdem mehrere Parameter verschiedener Effekte auf einen Controller gelegt werden. An all diese Grundfunktionen hat man sich extrem schnell gewöhnt und ist ratzfatz mitten drin im Arbeiten. Transfuser beweist ein weiteres Mal, dass ProTools schon längst ein Tool für jedermann ist und sämtliche Berührungsängste vor dem Programm komplett fehl am Platz sind.
Hallo M.A.R.I.O
Jede Spur ist mit Effekten belegbar. Hier werden alle Standards in typischer Digidesign-Manier überzeugend abgedeckt, es gibt allerdings auch Überraschungen. Der “Beatcutter” ist dabei eins der Alleinstellungsmerkmale von Transfuser und zieht einem in seiner Einfachheit und gleichzeitigen Effektivität ordentlich die Schuhe aus. Mit seinen Features wie Scratch, Freeze, Repeat, Recorder und Gate hat man schnell alles in Schutt und Asche gelegt. Das ist natürlich extrem verführerisch und erfordert sehr viel Disziplin des Produzenten: je dezenter, desto besser. Extra-Tool: ein 16-Step-Sequenzer, der die Wahrscheinlichkeit der angewendeten Features regelt. Hier kann eine ganze Kette von Mustern automatisiert werden. Ein anderes wirklich hilfreiches Tool ist M.A.R.I.O. Das steht für Musical Advanced Random Intelligent Operations, mit dem Patterns nach dem Zufallsprinzip verändert werden. Die Ergebnisse in unserem Test waren durch die Bank interessant und inspirierend, zumal die Art und Weise und Tiefe des Eingriffs durch M.A.R.I.O. ziemlich detailliert eingestellt werden können. Es sind diese Features, die Transfuser auch für diejenigen interessant machen, die bereits über eine ausreichend große Trickkiste zur Loop-Bearbeitung verfügen. Zusammen mit den umfangreichen Automations- und auch Modulationsmöglichkeiten, gepaart mit der erfrischenden Einfachheit der Bedienung, wird so aus Transfuser ein ausgesprochen interessantes PlugIn für alle ProTools-Nutzer. Neben der Structure-Sampler-Familie zeigt sich mit Transfuser obendrein, in welche Richtung Digidesign seine DAW pushen will. Allen, die ProTools nicht nur als Schnittplatz (doch, doch … diese Garde alter User soll es immer noch geben), sondern tatsächlich als Produktionsumgebung nutzen, dürfte das nächste Mal, wenn sie mit Beats arbeiten, auf jeden Fall ein Stein vom Herzen fallen.
Preis: 280 Euro
Systemvoraussetzungen:
Windows Vista, Windows XP, Mac OS X 10.4.9, Mac OS X 10.5.3 (PowerPC oder Intel-Mac)
Pro Tools|HD®-, Pro Tools LE®-, Pro Tools M-Powered™- oder Pro Tools Academic System ab Pro Tools 7.0 Software, iLok USB Smart Key
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