Don, Urgestein, Godzilla und Goliath von 1981

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Er ist der Don, das Urgestein, Godzilla und Goliath in einem: Rolands Jupiter 8 von 1981. Endlich wird der extrem rare Synthesizer von Arturia emuliert. Wir sind rattengespannt genug, um uns auf die Beta-Version zu stürzen.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 112

Geschichtsstunde. Der Jupiter 8 war vielleicht der perfekteste Synthesizer, den Roland je auf den Markt gebracht hat, das Gerät, auf das man stolz sein kann, das man bei jeder Vorstandssitzung gleich zu Beginn anbeten sollte. Er war eine Kampfansage an die amerikanischen Hersteller, eine eierlegende Wollmilchsau der Synthese. Acht Stimmen (je zwei VCOs) mit Cross-Modulation, Pulsebreute, Highpass- und resonantem Tiefpassfilter und zwei Envelope-Generatoren. Sounds waren abspeicherbar, die acht Stimmen ließen sich sogar in zwei vierstimmige Abteilungen teilen, so dass Bass und Lead gleichzeitig über die Tastatur gespielt werden konnten. Um 1981 wurde der Jupiter 8 ausgeliefert, was das Spitzenmodell der Jupiter-Reihe und ist bis heute eigentlich aus keinem großen Studio wegzudenken. Ein Synth, den man einfach hat, so man es sich leisten kann, entweder in der Originalversion oder der etwas später erschienenen Rackvariante MKS-80, die bereits MIDI standardmäßig eingebaut hatte und die mit dem komfortablen (und sehr teuren) Programmer noch viel mehr Slider und somit sofortigen Eingriff in den Sound erlaubte. Dennoch: Elektronische Instrumente in den frühen 80ern waren keine VWs. Genau wie von der TR-909 wurden auch vom Jupiter 8 nur rund 2000 Stück gebaut. Der Gebrauchtmarkt ist tot und außer der Roland-eigenen Emulation im VarioOS gab es bislang keine Software-Variante dieses mächtigen, wunderschönen und legendären Synths, der uns unter anderem die Axel-F-Melodie aus Beverly Hills Cop vorspielt.
Arturia, die feine französische Software-Firma, die sich auf die Emulation von analogen Klassikern spezialisiert hat und uns schon mit ihrer Version des Yamaha CS-80, dem Moog Modular oder dem Minimoog vollends überzeugt hat, releast jetzt den Jupiter 8. Sie nennen ihn Jupiter-8V und wenn dieses Heft am Kiosk ist, sollte man zumindest schon die Demo-Version laden, wenn nicht schon das fertige Produkt in den Händen halten können. Auf der Musikmesse in Frankfurt wurde uns das Biest bereits vorgeführt.
Was sofort auffällt, ist die deutlich übersichtlichere Oberfläche gegenüber anderen Arturia-Produkten: Der CS-80V zum Beispiel ist ohne Kontroller schon etwas ermüdend, beim Jupiter ist alles straight forward. Alle Funktionen des Originals sind sofort zugänglich und das Knöpfchendrehen kann beginnen. Klappt man die Extra-Sektion auf, kommen die ganzen Gadgets zum Vorschein, die das Original nicht hatte: perfekt gelöst. Arturia weiß, wie man Synths emuliert, und so besticht auch der Jupiter-8V durch einen druckvollen Sound, der dem Original in nichts nachsteht. Die Gadgets sind, kurz zusammengefasst: ausgefuchster Step-Sequenzer, der gleichzeitig als Modulationsquelle genutzt werden kann und mit dicken Bass-Sound uns sofort in die Blütezeit des Synth-Pop zurückversetzt. Natürlich sind Effekte mit an Bord, die allesamt gut klingen und sich per X-Y-Achse auch sehr fein steuern lassen, abseits der normalen Presets. Außerdem wurden der Software ein ganzer Haufen neuer LFO-Wellenformen spendiert, die sich kombinieren und damit wiederum als Modulationsquelle nutzen lassen.
Der Klang des Jupiter-8V ist schier unglaublich. Jeder, der das Original mal besessen hat, wird sich schnell an die guten alten Zeiten erinnern, an den Variationsreichtum der Sounds, die man mit dem Roland-Schlachtschiff bauen konnte und die jetzt endlich wieder als PlugIn vorliegen. Schon in dieser Beta-Version macht der Jupiter einen runden Eindruck, auch diverse Instanzen bringen den G5-Doppelprozessor unter Logic nicht zum Wackeln. Für mich schon jetzt eines der besten Produkte dieses Jahr überhaupt.

Arturia

System:
Windows 9/2000/XP
Mac OS X 10.3 or higher und Universal Binary
512 MB Ram, 1,5 Ghz

Preis: 200 Euro

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