Es bleibt kompliziert.

von Leon Krenz aus De:Bug 154

Der Markt der Audio-Interfaces ist so umfassend wie unübersichtlich. Um bei der Suche nach dem perfekten Gerät ein bisschen zu helfen, haben wir uns im mittleren Preissegment umgesehen und die unserer Meinung nach interessantesten Interfaces getestet. Wir spielen hier nicht ein Gerät gegen das andere aus, dafür sind die Anschaffungskosten und Ausstattungen zu unterschiedlich. Viel mehr wollen wir euch einen Überblick darüber geben, was sich im Moment so alles auf dem Markt tummelt.

Bei diesem Test richten wir das Hauptaugenmerk auf den Klang der einzelnen Interfaces. Die Ausgabe jedes Audio-Interfaces wurde grundsätzlich über mehrere Stunden im “normalen” Computer-Betrieb und bei der professionellen Produktion unter Studiobedingungen getestet. Dazu durfte jedes Gerät dieselben Aktiv-Monitore und Monitorkopfhörer bespielen. Auch wenn hierbei das Klangempfinden natürlich sehr subjektiv geprägt ist, lassen sich doch Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten bei der Analog/Digital- und Digital/Analog-Wandlung heraushören. Besonders interessant dabei ist, wie unterschiedlich die eigenen gewohnten Aktiv-Monitore je nach Audio-Interface klingen können. Die Investition in ein Gerät mit anständigen Wandlern kann also auf jeden Fall aus der eigenen Hardware noch einiges rausholen.

Das Eingangssignal, das bei unserem Test von den Geräten in Einsen und Nullen gewandelt werden musste, lieferten mehrere Hardware-Synthesizer und ein Plattenspieler. Übrigens sind alle Eingänge der Testgeräte mit integrierten Mikrofon-Vorverstärkern ausgestattet, dies nur nebenbei. Die angegebenen Latenzen stellen von uns ermittelte Richtwerte dar, bei denen eine normale Produktion – je Gerät bei einer Samplingrate von 96 kHz – noch relativ problemlos möglich ist. Hörbare Verzögerungen wurden bei keinem der getesteten Audio-Interfaces festgestellt.

Apogee Duet 2

Das Duet gilt als legendäres Audio-Interface, bietet es doch puren Apogee-Sound in einem portablen Chassis. Die beiden großen Neuerungen des Duet 2 sind einerseits der Verzicht auf die in die Jahre gekommene Firewire400-Schnittstelle (jetzt USB 2.0) und andererseits die Integration eines kleinen OLED-Bildschirms mit zwei Touch-Buttons. Um die zu programmieren, muss zunächst die Apogee-Software Maestro 2 installiert werden. Jetzt können die kleinen Touch-Buttons mit verschiedenen Funktionen wie Mute oder Dimmung für einzelne Kanäle belegt werden. Wobei hier mit Touch-Buttons auch wirklich “nur” Knöpfe gemeint sind, denn die beiden mit grauen Ringen gekennzeichneten Touch-Flächen ersetzen zwei normale Druckknöpfe.

Mit ihnen lassen sich Funktionen an- und ausschalten, nicht mehr und nicht weniger. Der OLED-Bildschirm sieht hübsch aus – kräftige kontrastreiche Farben ohne Spiegelungen, so wie man es von dieser Technologie gewohnt ist. Kommen wir nun zu den Ein- und Ausgängen, das Duet 2 wird mit einer Kabelpeitsche als Verbindungsstelle geliefert, auch wenn sicher manche Musiker ein Rack-Format vorziehen würden, ergeben sich aus der Kabelrute die hinten am Duet 2 hängt einige Vorteile: Das Gerät kann nach Belieben platziert werden und der große Drehregler unterhalb des Bildschirms ist zum Pegeln oder Durchschalten immer direkt in Reichweite. Auf einen MIDI-Anschluss wurde auch bei der zweiten Generation des Interfaces verzichtet. Alles in allem bietet das Duet 2 den gewohnten sehr warmen und kräftigen Apogee-Sound, der gleichzeitig angenehm klar und präzise bleibt. Design- und soundtechnisch ist das Duet 2 wirklich erstklassig – doch leider können, wie schon vom Vorgängermodell gewohnt, nur Apple-Nutzer in diesen Genuss kommen.

Verfügbare Samplingraten: 24-Bit/44,1-192kHz
Eingänge: 2 kombinierte XLR/Klinken-Eingänge
Ausgänge: 2 Mono-Klinkenstecker, separat belegbarer Stereo-Kopfhörerausgang
Unterstützte Betriebssysteme: Mac
Anschlussmöglichkeiten und Stromversorgung: USB 2.0, optional Strom über Netzstecker
MIDI In/Out: Nein
Eingangslatenz: 2,19 Millisekunden
Ausgangslatenz: 1,95 Millisekunden
Straßenpreis: 499 Euro

RME Babyface

Sind das wirklich meine Monitorboxen? So etwas in der Richtung denkt man schnell, wenn man das erste Mal das Babyface an seinen Rechner anschließt und anspielt. Zugegeben, ob man das jüngste Mitglied einer Produktfamilie ausgerechnet Babyface nennen muss, ist so eine Sache, aber bei der Qualitätsarbeit, die man von RMEs Hammerfall-Interfaces ja bereits gewohnt ist, könnte die Kiste wahrscheinlich auch Sweetyface oder In-Your-Face heißen, ohne dass es großartig stören würde. Wenn die ersten Wellen über das Babyface aus den Boxen wabern, wird jedenfalls schlagartig klar, wofür man hier knapp 550 Flocken hingelegt hat. Das RME Babyface erzeugt einen warmen druckvollen Klang, der quer durch das gesamte Frequenzspektrum anhält und so angenehm ausgeglichen ist, dass die Ohren aufgehen.

Ohne zu verfälschen, hören sich zudem mit dem Babyface gemachte Aufnahmen einfach sehr oft sehr gut an – Klanggold aus der Dose eben. Die Anschlüsse sind wie beim Duet 2 in eine Kabelpeitsche verfrachtet worden. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, das Audio-Interface über die digitale Schnittstelle an der Rückseite des Gerätes um weitere Ein- und Ausgänge zu erweitern. Ansonsten ist das Babyface aus solidem Aluminium gearbeitet, hat einen großen Drehregler und zwei beleuchtete Pegelbalken. Das Ganze bleibt einfach zu bedienen und ist in den Farben blau und silber erhältlich. Ab Juli soll es dann auch noch eine pinke Version unter dem Namen Ladyface geben, mit vier goldenen Cinch-Steckern an der Breakout-Peitsche, speziell für HiFi-Anwendungen – kein Witz.

Verfügbare Samplingraten: 24 Bit/44,1-192kHz
Eingänge: 2 XLR-Eingänge, Mono-Klinkenstecker, 1 x ADAT oder SPDIF optisch In
Ausgänge: 2 XLR-Ausgänge, 2 Stereo-Kopfhörerausgänge, 1 x ADAT oder SPDIF optisch Out
Unterstützte Betriebssysteme: PC und Mac
Anschlussmöglichkeiten und Stromversorgung: USB 2.0, optional Strom über Netzstecker
MIDI In/Out: Ja
Eingangslatenz: 1,77 Millisekunden
Ausgangslatenz: 1,64Millisekunden
Straßenpreis: 549 Euro

Native Instruments Komplete Audio 6

NI hat mit diversen Interfaces bereits Eindruck hinterlassen, mit dem neuen Audio Komplete 6 hat man nun aber nicht mehr nur das Bühnen-Szenario im Blick, sondern vor allem das Studio in den eigenen vier Wänden. Als deutlich günstigstes Interface im Test kann das Komplete Audio 6 klanglich erstaunlicher Weise mit Leichtigkeit mit den teureren Geräten mithalten. Dies gilt für Aufnahmen genauso wie für die Ton-Ausgabe. Die Verarbeitung ist wieder im vertrauten erstklassigen NI-Design gehalten – robustes Plexiglas gemischt mit gebürstetem Aluminium. 15 farbige LEDs unter dem Glas geben einen direkten Überblick über alle aktiven Ein- und Ausgänge. Musiker, die nicht so tief in die Tasche greifen wollen oder können, haben mit dem Komplete Audio 6 so eine anständige Alternative an der Hand, zu den fast doppelt so teuren Geräten anderer Hersteller.

Verfügbare Samplingraten: 24 Bit/44,1-96 kHz
Eingänge: 2 kombinierte XLR/Klinken-Eingänge, 2 Mono-Klinkeneingänge, S/PDIF In
Ausgänge: 2 Mono-Klinkenstecker, 2 Mono-Klinkenausgänge, Stereo-Kopfhörerausgang, S/PDIF Out
Unterstützte Betriebssysteme: PC und Mac
Anschlussmöglichkeiten und Stromversorgung: USB 2.0
MIDI In/Out: Ja
Eingangslatenz: 2,89 Millisekunden
Ausgangslatenz: 2,64 Millisekunden
Straßenpreis: 279 Euro inklusive Komplete Elements, Traktor LE 2 und Cubase LE 5

Avid Mbox 3

Mit der Mbox 3 bietet Avid die neueste Version ihrer Produktions-Hardware im mittleren Preisbereich an. Das Gehäuse ist aus einem Stück Aluminium produziert und wirkt sehr wertig verarbeitet. Der große Lautstärkeregler auf der Front ist praktisch gesetzt und schnell griffbereit. Zudem gibt es noch einen frei belegbaren Multiknopf, der mit ProTools- Funktionen belegt werden kann. Sehr praktisch sind auch die Limiter, welche auf eingehende Signale direkt aufgeschaltet werden können. Die neue Mbox liefert allgemein einen sehr analytischen und klaren, dadurch aber auch etwas steril und trocken klingenden Sound. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig und für Live-Acts, die eine gute Schnittstelle zum Mischer suchen, sicherlich nicht von Vorteil. Hilft aber im Studio den Ohren, ein genaueres Abbild einer Aufnahme zu geben. So ist dieses Gerät für den Studiobetrieb wirklich ordentlich, auch wenn der Sound recht speziell ist, für Live-Acts eignen sich aber sicherlich andere Geräte besser.

Verfügbare Samplingraten: 24 Bit/44,1-96 kHz
Eingänge: 2 kombinierte XLR/Klinken-Eingänge, 2 Mono-Klinkeneingänge, S/PDIF In
Ausgänge: 2 Mono-Klinkenausgänge, Stereo-Kopfhörerausgang, S/PDIF Out
Unterstützte Betriebssysteme: PC und Mac
Anschlussmöglichkeiten und Stromversorgung: USB-2.0
MIDI In/Out: Ja
Eingangslatenz: 3,49 Millisekunden
Ausgangslatenz: 3,49 Millisekunden
Straßenpreis: 495 Euro inklusive Pro Tools LE

Motu Audio Express

In Zeiten, in denen die Dongel-Bäume an unseren USB-Hubs immer weiter wachsen, ist man eigentlich über jeden frei werdenden Anschluss froh. Ein Audio-Interface, das einfach über den ewig unbenutzten Firewire-Anschluss betrieben werden kann, bietet solch eine Gelegenheit, auch wenn es damit zu einer aussterbenden Art gehört. Motus Audio Express hat beides, Firewire- und USB-Unterstützung, bleibt damit in unserem Test aber die Ausnahme. Das Interface bringt unter anderem ein paar nette kleine Analysewerkzeuge mit, darunter: Oszilloskop, Spektrogramm, FFT- und Phasen-Analyse. Dies zeigt aber auch schon ein wenig wo das Audio Express hingehört: in ein Studio.

Bei dem relativ leichten Gerät mit seinen großen, teilweise nach oben gerichteten Lüftungsschlitzen möchte man sich auch nicht ausmalen, was ein paar Spritzer Cola oder Bier bei einem Live-Auftritt anrichten könnten. Da ist der Platz in einem Studio-Rack doch um einiges sicherer. Die Drehregler an der Front des Interfaces fühlen sich außerdem etwas wackelig an und sind wirklich klein. Klanglich ist das Audio Express jedoch sehr angenehm “crisp” und vor allem in den Mitten und Höhen öffnen sich Welten, dafür kommen die tiefen Frequenzen nicht so druckvoll rüber. Ein gutes Studiogerät also, das gerne zu Hause bleibt.

Verfügbare Samplingraten: 24 Bit/44,1-96 kHz
Eingänge: 2 kombinierte XLR/Klinken-Eingänge, 2 Mono-Klinkeneingänge, S/PDIF In
Ausgänge: 4 Mono-Klinkenausgänge, Stereo-Kopfhörerausgang, S/PDIF Out
Unterstützte Betriebssysteme: PC und Mac
Anschlussmöglichkeiten und Stromversorgung: USB-2.0, Firewire, Strom obligatorisch über Netzstecker
MIDI In/Out: Ja
Eingangslatenz: 2,21 Millisekunden
Ausgangslatenz: 2,21 Millisekunden
Straßenpreis: 375 Euro

Roland Octa-Capture

Eigentlich hätten wir ja gerne das – mit einem Straßenpreis von 199 Euro sehr preisgünstige – Quad-Capture von Roland mit in unserem Test-Boot gehabt. Da dies aber erst Ende Juli erscheint, haben wir uns seinen größeren Bruder ausgeliehen. Auf Anfrage wurde bei Roland zudem bestätigt, dass in beiden Audio-Interfaces dieselben Wandler verbaut sind. Und das wäre echt klasse, denn der Klang des von uns getesteten Octa-Capture ist wirklich angenehm: samtig leicht mit sehr klaren Höhen und druckvollen Bässen. Mit einem Straßenpreis von 599 Euro ist es das teuerste der hier getesteten Interfaces. Dafür hat das Octa-Capture aber auch ein ganzes Sammelsurium an Extras wie integriertem DSP für den internen Software-Mischer und On-Board-Effekte, Auto-Sense (automatisches Pegeln der Eingangssignale) und einem hellen schwarz-weißen LCD-Display.

Die große Stärke des Octa-Capture liegt auf jeden Fall im Aufnehmen von Audio-Signalen. Bis zu zehn Eingänge können bei einer Sampling-Rate von 96 kHz gleichzeitig genutzt und über den Software-Mischer untereinander digital verkabelt werden. Das einzige kleine Manko ist die Tatsache, dass ein Umstellen der Samplingfrequenz nur über die Regler am Gerät selber möglich ist und danach das Octa-Capture neu gestartet werden muss. Dafür kann das Interface aber auch ohne Computer als Mischer eingesetzt werden.

Verfügbare Samplingraten: 24 Bit/44,1-192 kHz
Eingänge: 8 kombinierte XLR/Klinken-Eingänge, Koaxial In
Ausgänge: 8 Mono-Klinkenausgänge, Koaxial Out, Stereo-Kopfhörerausgang
Unterstützte Betriebssysteme: PC und Mac
Anschlussmöglichkeiten und Stromversorgung: USB-2.0, Strom obligatorisch über Netzstecker
MIDI In/Out: Ja
Eingangslatenz: 3,67 Millisekunden
Ausgangslatenz: 1,73 Millisekunden
Straßenpreis: 599 Euro inklusive Cakewalk LE

Apogee
RME
Native Instruments
Avid
Motu
Roland

4 Responses

Leave a Reply