DJ-Mixertest mit Überraschung

Vestax, Ecler, Rane: Wir testen drei Mittelklasse-Mixer auf Wurstfinger- und Großraumdisco-Kompatibilität. And the winner is …

Ich erinnere mich gut, dass ich früher immer dachte, es gäbe nur zwei grundlegende Arten von DJs, die nach Beats auflegen. Bürokraten und Rocker. Ich hätte sie allerdings so nie genannt, denn “Bürokraten” klingt furchtbar, die Alternativen wie “Stoiker” dumm, Ingenieure zu deutsch und Rocker, äh, das geht gar nicht. Egal. Die beiden Pole bleiben. Die einen stehen mit unveränderbar strenger Miene hinter dem Mischpult und wirken dabei so, als könnten sie jeden Moment mit einem leisen Plop von ihren Kopfhörern aufgesaugt werden, die anderen werkeln mit wilden Gesten am Mischpult rum, als hätten sie es umgehängt wie eine omnidirektionale Gitarre. Anders gesagt, die einen benutzen das Mischpult wie eine S-Klasse, die anderen wie eine Playstation. Die Faustregel, dass Bürokraten aus Deutschland kommen und impulsive DJs aus Amerika, gehört irgendwie immer noch zu den gepflegten urbanen Ausgehmythen. Mittlerweile würde ich noch eine dritte Gattung der DJ-Spezies als Grundhaltung akzeptieren. Die Pflücker. Die zupfen an den Reglern durchgängig so herum, als wollten sie bei der Tee-Ernte nur die ersten beiden Buds eines Firstflush erwischen. Jede dieser drei Gattungen braucht eigentlich ein anderes Mischpult. Die vierte und neueste, die erstaunlicherweise oft paarweise auftritt, reißt bei jedem gelungen Mix den Zeigefinger in die Luft, manchmal auch die Schallplatte, und gehört nicht hierher, denn eigentlich braucht diese DJ-Gattung gar kein Mischpult, sondern nur gute Freunde im Business.

Mischpulte sind zu teuer. Das dürfte jeder, der gerade 1000 Euro für zwei Technics ausgegeben hat und jetzt noch mal die gleiche Summe vor sich sieht, nur um die beiden zu verbinden, wissen. Das Leben war noch nie gerecht. DJs, die auch schon mal nach Ibiza gebucht werden, lassen sich im Allgemeinen ihre Mixer bestellen, für die, die sich mit Gigs grade so über Wasser halten, sind 1000 (Ecler NUO-5) bis 1500 (Vestax PMC-500), der Rane Empath liegt je nach Angebot irgendwo dazwischen, so viel Geld, dass man die Kiste lieber erst ausgiebigst ausprobieren möchte. Das tut man im Club, und dort werden sich diese drei wohl auch erst durchsetzen müssen, bevor sie den Weg in die DJ-Booths zu Hause finden werden.

VESTAX PMC-500
Ich mag Vestax-Mixer. Den PMC-55 hab ich lange Zeit für meinen Lieblingsmixer gehalten, der PMC-37Pro ist Fun mit seinen Killfadern und Filter, selbst der “Carl Cox”-Mixer PMC-CX mit den großen roten Drehreglern hat mich überzeugt. PMC-500, vermutlich als Flaggschiff gedacht, ist aber eine andere Geschichte. Die EQs gehen von minus unendlich (mittlerweile Standard – das haben alle drei Mixer … ein Ersatz für zusätzliche Killswitches, obwohl DJs sich oft genug dann doch welche wünschen) bis plus 4dB. Plus 4! Eine Seuche. Mit Sicherheit schön für alle Clubbesitzer, denn es schont Anlagen enorm, hat sich mittlerweile ein EQ-Minimalismus in den Clubs durchgesetzt, der eigentlich jede Art impulsiven Auflegens – egal ob durch Musikauswahl oder Reglerstunts – verbieten möchte, das ist schon einigermaßen bedenklich. Kein Wunder, dass Carl Cox für seine “Version” +8dB durchgesetzt hat. Die EQs setzen für House und Techno zwar an etwas sinnvollerer Stelle ein als beim Rane Mixer, aber 4dB sind einfach zu safe, denn man kann eigentlich damit nur noch Platten auflegen, die einigermaßen gleich gemastert sind. Konsequent in dieser Richtung sind nicht nur die kleinen, nur schwer schnell greifbaren EQ-Potis, sondern auch die Fader, die recht schwergängig sind. Der Crossfader “hakt” sogar an den Enden ein, die vier Voreinstellungen für die Crossfader-Kurve sind eigentlich überholt, und obwohl der PMX sonst an Komfort (regelbare Monitor-EQs für Kopfhörer und Booth, LEDs für jeden Kanal, switchbare Zuweisung auf A/B auch) einiges bietet, reduziert sich der Einsatz doch schnell auf unsere erste Gruppe von DJs. Ein Cruiser. Fehlt eigentlich nur noch die Feststelltaste für die BPM-Zahl. Scratch-DJs würden den Mixer sowieso nicht als solchen erkennen, dazu ist er einfach zu breit. Klar, die Kiste klingt toll, aber mit einer guten Anlage hab ich auch schon Pioneer-Mixer richtig gut klingen hören. Letztendlich würden wir sagen, der Mixer ist gemacht für Clubs, in denen 2000 Leute aufwärts gehen und der DJ eher ein Nebenprodukt ist oder eben sowieso auf seinem Rider seinen eigenen Mixer fordert.

RANE EMPATH
Für einen Drei-Kanal-Mixer (wer um alles in der Welt braucht eigentlich wirklich mehr?) ist der Rane Empath als Midrange-Mixer ganz schön unauffällig. Nichts für Poser, aber dafür sehr flexibel. Jeder Kanal lässt sich auf beliebige Seiten des Crossfaders routen, und nicht ohne Grund steht der Name des Faderherstellers, Penny+Giles, auf der Haube. Die Dinger fliegen nur so. Wenn man einen Crossfader mit dem linken Zeige- und Mittelfinder bedienen kann, stimmt eigentlich ergonomisch alles. Die Kurven des Crossfaders sowie der Kanalfader sind stufenlos einstellbar, damit dürfte jeder finden, was ihm passt, sofern (ist ja merkwürdigerweise auch etwas außer Mode gekommen) er überhaupt Crossfader benutzt. Kopfhörer-EQs rocken, die Möglichkeit einer einschleifbaren Effektsektion ist perfekt realisiert mit Send/Return-Fadern, Cue für Aux und Return, Dry/Wet-Fadern bei jedem Kanal inkl. Mikrophon, allerdings muss ich zugeben, dass ich in Deutschland noch nie eine externe Effektsektion gesehen habe, die auch benutzt wurde. Mag sein, dass das in anderen Ländern anders ist. Die Vorhörfunktionen (mit einem oldschooligen Zusatzkippschalter) sind fein, auch wenn ich immer noch nicht weiß, ob man auf den beiden LED-Anzeigen auch Master und Cue gleichzeitig sehen kann, dafür aber gibt es ein Auto-Gain für alle Kanäle, das – weil so selten – für Verwirrung sorgen kann, eigentlich aber, da es auch einigermaßen gut funktioniert, recht praktisch ist. Die EQs der Kanäle lassen sich ausschalten und damit als eine Art negativer Killswitch benutzen, und wenn die Potis nicht aus so weichem Material wären, dass man gelegentlich abrutscht, und die EQs sich nicht auf +6dB beschränken würden, dann wäre das Ding ein perfekter kleiner Mixer für jeden Club, der diverse Musikstyles liebt, und mit dem jeder DJ sofort zurechtkommt. Den sehr auf Geradeaus-Sound bedachten Mixern wird der Rane zwar etwas flickerig vorkommen, aber auch hier funktioniert er gut, die Pflücker dürften ihre Freude auch an den etwas glitschigen kleinen EQs finden, da sie eh eher pinzettenartig zugreifen. (Ach so: Wer MCs mitbringt, sollte immer ein Klinke auf XLR dabei haben.)

ECLER NUO-05
Der billigste der Mixer ist gleichzeitig von der Firma, vor der ich (und das sitzt mehr als zehn Jahre tief, DJs haben ein langes Gedächtnis, was nicht immer ein Vorteil ist) immer eine – seit gestern unerklärliche – Abscheu hatte. Der NUO-5 ist aber auf dem besten Weg, diesen Kleinklub-Pioneer-Standard zu brechen. Der kontaktlose Eternal-Crossfader ist mit seinen vier Reglern noch feiner und vielseitiger, wenn auch komplizierter einstellbar als beim Rane-Mixer und dabei ebenso leichtgängig. Die EQs gehen mit +10 in vernünftige Sphären, in denen man auch schon mal die Schmerzgrenze erreicht, wenn man will, vor allem aber keine Angst vor leisen oder “merkwürdig” abgemischten Platten haben muss, und dürften auch auf Carl-Cox-Finger passen, rutschen dank grober Riffelung nie und haben zur Unterstützung auch noch einen Basskillswitch. Die eingebaute Effektsektion mit Dry/Wet-Fader und drei großen Reglern bedient sich einfach, wenn auch ganz anders als beim Pioneer, die Effekte wie Vocoder, EchoReverb und FlangerEcho machen durchaus Sinn und laden (wir klammern die Grundsatzfrage “Effekte in Mixern ja oder nein” hier mal aus) zum besinnungslosen Rumdaddeln ein, haben aber einen entschiedenen Nachteil: Man kann nicht nahtlos von einem Effekt auf den anderen wechseln. Warum auch immer. Wer es versuchen sollte, wird mit einer kleinen Pause im Musikprogramm belohnt. Autsch. MCs brauchen für den Mixer übrigens einen dieser esoterischen Stecker, die man sonst nur bei Monitorboxen findet. Clever dafür aber, nicht nur ein Line-In (wie auch beim Vestax, naja, der hat zwei) oben auf dem Mischpult zu haben, sondern auch ein Line-Out, falls man mal schnell aufnehmen will, muss man nicht hinten am Mischpult rumfusseln. Die LEDs sind aufgeteilt in Master und Vorhörsektion, was durchaus reicht, Gains haben ein Peak-Lämpchen, und ja, ich würde mir wünschen, überall wo jetzt noch ein Pioneer (dieser DJM-500) steht, käme ein Ecler NUO-5 hin. Auch wenn ich nicht weiß, ob wirklich jemand mit den über USB und PC reprogrammierbaren Effekten etwas anstellt … es ist dennoch gut zu wissen, dass es in diese Richtung gehen wird bei den Effektmixern. Fazit: billiger rockt. Für zu viel davon gibt es gleich noch einen Ersatzfader mit, was einen stutzig machen kann, aber nichts ist für die Ewigkeit, außer 1210er.

VESTAX PMC-500:
UVP: 1990.- EUR
Straßenpreis: 1680.- EUR
http://www.vestax.info

RANE EMPATH BLACK:
UVP: 1600.- EUR
Straßenpreis: 1200.- EUR
http://www.rane-dj.de

ECLER NUO-05
UVP: 1240.- EUR
Straßenpreis: 999.- EUR
http://www.eclerdjdivision.com

2 Responses

  1. Kometa

    »einen dieser esoterischen Stecker« ????
    Geht es hier vielleicht um eine sog. Kombibuchse? Ist sowohl Klinke als auch XLR-Eingang, also nix da mit Esoterik, eher praktisch.

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  2. Lame

    Also ich habe 2006 einen Ecler Nuo 3 incl. Eternal Crossfader und bin verdammt glücklich damit.
    1A Sound und halt 3 Kanal, perfekt für meine SL3
    Werde aber bald umspringen auf Vestax PMC 05 pro 4, der bald (endlich) rauskommt

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