Midi auf Speed

TM-1

“TurboMIDI” heißt der neue Standard, der die Kommunikation zwischen Synths, Samplern und Rechner zukünftig schneller und tighter machen soll, wie damals auf dem Atari. Die Väter der Machinedrum aus Schweden haben ihn erfunden, die Macs verstehen ihn schon.

von Nerk aka Benjamin Weiss aus De:Bug 109

Seit Musik auf Mac und PC gemacht wird, beschweren sich die User über das im Vergleich mit vielen älteren Maschinen und vor allem dem Atari ST verhältnismäßig ungenaue und unzuverlässige Midi-Timing. Da der Midi-Standard von Haus aus aber auch ein wenig langsam ist (wirklich exakt gleichzeitige Noten sind eigentlich nicht möglich), hat sich Elektron daran gemacht, ihn schneller und präziser zu machen. Das Ergebnis: das TM-1.

Übersicht
Das TM-1 ist ein Midi-Interface in einer kleinen silbernen Box aus gebürstetem Aluminium, die je ein In und Out sowie einen USB-Anschluss (1.0 und 2.0) besitzt. Zunächst ist das TM-1 vor allem für die Elektron-Maschinen Machinedrum und Monomachine gedacht und verschnellert die Midi-Datenübertragung um das bis zu Zehnfache. Da der “TurboMIDI”-Standard von Elektron aber Open Standard und damit für alle Entwickler frei verfügbar ist, könnten auch andere Hersteller demnächst dieses bessere Timing in ihre Geräte integrieren.
Bei den Machinedrums ist der Geschwindigkeitszuwachs allerdings auch von der Hardware abhängig, ältere Versionen erreichen “nur” acht mal schnelleres Midi; der genaue Zuwachs lässt sich mit dem Midi-Tool C6 von Elektron berechnen. Der Effekt ist sofort nach Anschluss an meinen Rechner und an die Machinedrum zu hören; das ansonsten sich leicht verschiebende Midiclock-Signal erscheint plötzlich erstaunlich tight und schnell, was man auch an von der Machinedrum aufgenommenen Drumspuren deutlich sehen kann. Auch die ansonsten etwas sehr behäbige Sampleübertragung auf die Machinedrum UW geht auf einmal blitzschnell. Erstaunlicherweise habe ich auch an meinem Mac und angeschlossenen Midi-Geräten Verbesserungen festgestellt, die den Standard eigentlich nicht unterstützen. Laut Elektrons CEO Daniel Hansson liegt das daran, dass OS X das schnellere Miditiming tatsächlich auch komplett weitergibt, bei Windows aber die einzelnen Programme darüber entscheiden, wie das Midi übertragen wird.

Für alle Mac-User, die ein tightes Midi-Interface haben wollen und vielleicht auch noch eine Elektron-Maschine besitzen, ist das TM-1 auf jeden Fall zu empfehlen. Die Beschränkung besteht natürlich in der geringen Zahl von nur je einem Midi-In und Midi-Out, aber auch ohne komplette Unterstützung ist das TM-1 auf jeden Fall ein Interface mit sehr gutem Timing zu einem akzeptablen Preis. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Hersteller den neuen Standard implementieren.

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Info: Elektron

Preis: 79,- Euro

3 Responses

  1. snowcrash

    naja, ein ‘standard’ ist per definitionem etwas anderes als eine proprietaere erweiterung eines herstellers im alleingang….

    anyway, schnelleres midi ist ja nett, aber was wurde eigentlich aus OSC? dem eigentlich einzig sinnvollen neuen standard fuer (open) sound control

    ich halte es ohnehin mit Miller Puckette: “We need to undo the MIDI revolution”

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  2. nerk

    also, wenn so eine proprietäre erweiterung als open source realisiert wird, kann man schonmal daran denken, dass dann einen standard zu nennen. war natürlich auch ein bisschen wishful thinking dabei :)

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