Das beste von Api, Amek, Chandler, Manley, Pultec, Drawmer SSL, Avalon und Tube Tech in einer kleinen Box mit Firewire und das ganze auch noch für knapp 700 Euro. Klingt verdächtig gut.

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von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 108




Focusrite hat die eh schon vorhandene Faltungstechnik inklusive der Impulsantworten aus dem Edel-Emulierer Liquid Channel der oben genannten Geräte nun in eine kleine DSP-Box mit ein paar Drehreglern eingebaut.

Übersicht
Mit dem Liquid Mix lassen sich 32 PlugIn-Kombinationen (die jeweils aus je einem Kompressor und einem EQ bestehen) bei 44,1/48 kHz in Mono nutzen (=16 Stereo), die vollständig vom DSP berechnet werden. Möglich sind bis zu 192 kHz, dann aber auch nur eine Stereo-Instanz. Die Oberfläche des PlugIns entspricht genau der der Hardware. Alles was man mit den Originalen machen kann, lässt sich auch im PlugIn erledigen. Das ist zu Anfang ein wenig verwirrend, weil man nicht so ganz genau weiß, wo hingucken, aber nach und nach gewöhnt man sich daran. Zwar hat auch die Hardware eine grafikfähige LED-Anzeige, für den feineren EQ-Einsatz ist diese aber zu ungenau.

Bedienung
Die Bedienung ist konsistent und logisch, so dass sich LiquidMix auch gut über die Hardware steuern lässt. Allerdings sind die Regler für wirklich feine Änderungen ungeeignet, da sie zu grob auflösen. In den meisten Fällen kommt man damit klar, ansonsten bleibt immer noch die Maus. Richtig gut gefallen hat mir die Möglichkeit, eigene EQ-Kombinationen zu basteln, die aus verschiedenen Modellen stammen. So kann man jederzeit zum Beispiel mit den Bässen eines Pultec, den Mitten eines Neve und den Höhen eines Avalon seinen ganz persönlichen Vorlieben in Sachen EQ fröhnen, ohne gleich mehrere Instanzen öffnen zu müssen. Aber auch abseits der mitunter streng gesetzten Grenzen der emulierten Edelteile lässt sich wandeln: mit der Free-Taste kann man den Parameterbereich der Originale erweitern. Etwas seltsam ist das Verhalten allerdings, wenn man im Sequenzer mit eine Buffergröße von mehr als 1024 Samples arbeitet, dann verweigert der Liquid Mix nämlich die Mitarbeit, allerdings ohne jede Fehlermeldung. Wenn man das dann weiß, lässt sich dieses Problem aber umgehen.

Sound
Der Sound ist schon ziemlich gut, allerdings nicht immer besonders nah an der emulierten Hardware dran. Für diese Preisklasse ist er aber konkurrenzlos. Im Vergleich mit der UAD-1 hat mir deren Sound besser gefallen, mit den entsprechenden PlugIns zusammen ist sie aber auch deutlich teurer als der Liquid Mix und bietet keine Hardwarebedienung.

Liquid Mix ist für alle, die gerne mit Knöpfen statt mit der Maus arbeiten; das volle Hardwarefeeling lässt sich aber nur erreichen, sollte Focusrite in einem Update für eine feinere Parametrisierung der Hardware sorgen. Insgesamt ist Liquid Mix mit seinen (bisher) 20 Kompressoren und 40 EQs interessant, eine (unabhängig vom Originalitätsgehalt) gute Auswahl von EQs und Kompressoren, die anständig bis sehr gut klingen. Prima auch die Möglichkeit, selbst EQs zusammenzustellen.
Focusrite will auch in Zukunft neue Impulsantworten online stellen, die sich die Besitzer dann umsonst runterladen können, was ein weiteres Argument für den Liquid Mix ist. Hier getestet wurde die Mac-Version, bei Erscheinen des Artikels sollten allerdings auch Windows- und IntelMac-Treiber fertig sein. Alles in allem anständiger Sound in einem soliden Stückchen Hardware, das seinen Preis wert ist.

Update: die Windowstreiber und die IntelMac Treiber sind inzwischen da.

Preis: ca. 699,- Euro
Sound: ****
Preis / Leistung: *****

Focusrite

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