Wer live mit Rechner spielt und unter genereller Maus-Müdigkeit leidet, braucht Controller. Akai hat sich gemeinam mit Ableton eine Kopf gemacht und mit dem APC40 eine perfekte Lösung für die beliebte DAW entwickelt. Wir sind begeistert.

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von Bejamin Weiss aus De:Bug 134

Controller: Akai APC40 für Ableton Live

Live-Sets mit dem Rechner waren bis Anfang diesen Jahres gern mal eine recht Laptop-zentrierte Angelegenheit und die Controller, die man zur Steuerung zum Beispiel von Live nutzte, mussten umständlich eingerichtet werden. Zudem waren die Bedienelemente nicht wirklich für den Live-Einsatz optimiert. Zur Musikmesse NAMM wurden dann gleich zwei Hardware-Controller vorgestellt, die Laptop-Liveacts helfen sollen, sich von ihrem Rechner zu emanzipieren: Native Instruments’ Maschine und Akais, in Zusammenarbeit mit Ableton entwickelte, APC 40, eine dezidierte Fernsteuerung für Ableton Live.

Übersicht
Die APC 40 ist gerade noch so groß, dass sie zusammen mit einem kleinen Laptop bequem ins Handgepäck passt. Trotzdem sind die Endlosdrehregler, Pads und Buttons in angenehmem Abstand zueinander auf der leicht geneigten Oberfläche untergebracht und vermitteln eine recht robuste Haptik. Die APC wird über USB mit dem Rechner verbunden, kann so aber nicht mit Strom versorgt werden, sie braucht vielmehr ein eigenes Netzteil. Für das Stromkabel gibt es eine Sicherungsklemme, die verhindern soll, dass es versehentlich mitten in der Performance rausrutscht. Ansonsten können noch bis zu zwei Fußpedale angeschlossen werden.

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Setup
Das Setup der APC40 geht denkbar schnell und unkompliziert vonstatten: APC anschließen, Live starten, APC als Remote definieren, fertig. Auch die Funktionen der einzelnen Elemente sind größtenteils selbsterklärend, so dass man eigentlich direkt loslegen kann. Wer möchte, kann über Lives MIDI-Mapping aber auch eigene Einstellungen und Anpassungen vornehmen, zum Beispiel die Wertebereiche der Lautstärkeregler eingrenzen, um im Live-Betrieb die Fader nach Herzenslust hochreißen zu können, ohne Gefahr zu laufen, damit das Signal zu verzerren.

Aufbau
Der Clip Launch/Session Overview ist das Herzstück und besteht aus einer Matrix von acht mal fünf Pads, die die Clips der Session repräsentieren, so dass 40 Clips, fünf Scenes und acht Tracks immer im direkten Zugriff sind. Die Pads leuchten je nach Status verschiedenfarbig: Vorhandene, aber gerade nicht spielende Clips, sind orange, spielende Clips grün und aufnehmende rot. Alle Clips lassen sich separat starten und wenn man sie in Live in den Trigger-Modus schaltet, kann man sie auch fast wie auf einer MPC spielen. Schaltet man per Shift in die Session Overview, stehen die einzelnen Pads für ganze Blocks von acht mal fünf Scenes. Neben der Matrix befinden sich die Pads für Scene Launch, mit denen man Scenes starten kann. Unter der Matrix sind für jeden Track die Pads für Clip Stop und ein Pad für Stop All Clips. Noch eins tiefer lassen sich die einzelnen Tracks und der Master per Button selektieren, darunter die Tracks aktivieren, Solo schalten beziehungsweise vorhören und schließlich noch für die Aufnahme aktivieren. Ganz unten sind die leichtgängigen, robusten Trackfader, denen auch ein etwas ruppiger Umgang nicht wirklich etwas anhaben kann, daneben noch der Masterfader. Über ihm gibt es einen Drehregler für den Cue-Level um die Vorhörlautstärke einstellen zu können.

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Mit einer Kombination von vier Navigationstasten kann man sich durch die ganze Session manövrieren, links und rechts verschiebt man die Tracks, oben und unten die Scenes. An welcher Stelle in der Live-Session man sich befindet, wird durch eine rote Umrandung des Bereichs auf dem Bildschirm des Rechners angezeigt. Bei gleichzeitig gedrückter Shift-Taste werden jeweils acht Tracks nach rechts oder links und fünf Scenes nach oben oder unten am Stück verschoben. Daneben befinden sich die zwei Nudge-Tasten und die Tap/Tempo-Taste, mit denen man das Tempo an handgespielte Musik oder einen DJ anpassen kann.

Track Control
Oben rechts neben der Clip Matrix befinden sich acht Endlosdrehregler mit Leuchtkranz. Mit ihnen lassen sich Panorama sowie drei Sends für die acht Tracks direkt über Buttons anwählbar einstellen. Drei Sends sind für die meisten Live Sets auf jeden Fall genug, und wer kein Panorama braucht, kann sich natürlich auch irgendwas anderes dahin legen, zum Beispiel den EQ für den Master.

Device Control
Ein weiterer Satz von acht Endlosdrehreglern nennt sich “Device Control” und dient der Editierung von Devices des aktuell selektierten Tracks, also aller PlugIns. Mit zwei Pfeiltasten kann man sich duch die Devices klicken, per Taste einzelne an- oder ausschalten, den Detailansicht aktivieren, zwischen Track- und Clip-View wechseln, sowie die Aufnahme-Quantisierung, MIDI-Overdub und das Metronom aktivieren. Sobald man allerdings ein wenig kompliziertere Devices hat, ist man gezwungen, ab und zu auf den Bildschirm zu gucken, damit man die Übersicht behält. Bei komplexen Softsynths oder Samplern empfiehlt es sich, sich auf die wichtigsten Parameter zu beschränken, sonst wird aus intuitivem Schrauben ganz schnell ungewolltes Gehirnjogging. Hier wären zwei kleine LCD-Bildschirme praktisch gewesen, die die gerade editierten Parameter anzeigen, so dass man den Rechner zuklappen kann.

Transport und Crossfader
Ganz unten rechts ist das Transportfeld mit Tasten für Play, Stop und Global Recording sowie der Crossfader. Vom Zugriff her wäre es vielleicht etwas praktischer und logischer gewesen, auch die Navigationstasten, Shift, Tap Tempo und Nudge an dieser Stelle unterzubringen, aber wider Erwarten geht deren Positionierung zwischen den zwei Drehreglerblöcken ziemlich schnell in Fleisch und Blut über.

Fazit
Ableton und Akai ist eine nahezu perfekte Fernsteuerung für Live gelungen: Nach kurzer Zeit läßt sich der solide Controller intuitiv bedienen und bringt den Spaß am Jammen zurück, den man bei der Benutzung von Tastatur und Maus gerne mal verliert. Außerdem sieht es auf der Bühne gleich wesentlich schicker aus, wenn man mit dem robusten, bunt leuchtenden Controller interagiert, anstatt bläulich-fahl beleuchtet in den Bildschirm zu starren und über das Trackpad zu wischen. Die APC 40 ist aber auch prima geeignet, um mal eben spontan im Studio ein Arrangement zu erstellen. Nur zwei kleine Kritikpunkte habe ich: Zum einen wäre es zumindest bei den Drehreglern der Device-Control-Sektion schön gewesen, ein kleines LCD-Display zu haben, das die gerade editierten Parameter beim Namen nennt. Das kann nicht so teuer sein, bei der direkten Konkurrenz NI Maschine ging das schließlich auch. Auch MIDI-Anschlüsse wären schön gewesen, damit man andere Hardware mit anschließen kann. Und vielleicht noch ein kleines X/Y-Pad. Das war es aber auch mit der Kritik.
Mit MAX for Live wird die Funktionalität des APC 40 noch weit über die Grenzen der jetzt schon möglichen eigenen Controllerbelegung via Live gehen, denn dann kann man sich auch eigene Instrumente, PlugIns und Interfaces bauen und so die APC 40 zum Beispiel mit einem Step-Sequenzer erweitern oder sich die Funktionalität der Buttons und Drehregler auf den eigenen Bedarf zurechtschneidern. Außerdem wird es von Ableton eine Online-Community für “MAX for Live”-Projekte geben, wo man sich von anderen gebastelte Instrumente und Anpassungen runterladen kann. Aber schon ohne MAX for Live ist die APC 40 ein gut durchdachtes, universell einsetzbares, intuitiv zu bedienendes Tool, um Ableton Live zu steuern.

Preis: 449 Euro
Akai Pro

11 Responses

  1. Ich

    Akai hat sich gemeinam mit Ableton eine Kopf gemacht und…

    Kanack Sprack??

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  2. De:Bug Musiktechnik » Im Test: Motu BPM

    […] kurz mal, dass auch MOTU wie schon Native Instruments mit der MASCHINE und Ableton indirekt mit Akais APC40 in den lukrativen Hardware-Markt einsteigen, was durch ein Rendering von BPM mit CD/DVD-Laufwerk […]

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  3. stefan

    bei salection-shop gibts den apc20 für 199euro und den apc40 für 399euro
    thomann hat den preis des apc40 auch angepasst (399€) war vor ca3 tagen noch 50euro teurer. wäre schön wenn die neuen apc20 funtionen auch mit dem apc40 funktionieren.
    vielleicht kommt ja bald ein apc60 der beide vereint. in amerika gibt es den apc40 für 279euro + mwst = 333,- warum muss in good old germany alles teurer sein. adobe ist da großer vorreiter da kostet photoshop auch schon einige hunder euro mehr als in den staaten. wir werden sehen wie der preis bei verfügbarkeit in deutschland ausfallen wird.

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