Satte sechs Jahre ist es her, seit das letzte MPC Flaggschiff, die MPC 4000, erschien. Die MPC 5000, bereits auf NAMM und Musikmesse vorgestellt, soll nun die Nachfolge antreten.

Satte sechs Jahre ist es her, seit das letzte MPC Flaggschiff, die MPC 4000, erschien. Die MPC 5000, bereits auf NAMM und Musikmesse vorgestellt, ist nun da und hat einiges an Neuheiten wie Synthesizer, neue Effekte und Harddiskrecording zu bieten. Auf anderen Gebieten fällt sie aber hinter ihre Vorgängerin zurück.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 124

Übersicht
In der Größe entspricht die MPC 5000 in etwa der MPC 4000, sie ist allerdings glücklicherweise deutlich leichter und hat ein etwas größeres, klappbares Display. Sie besitzt eine interne 80GB-Festplatte, einen Compact Flash Reader sowie optional einen DVD/CD-Recorder. Außerdem gibt es acht Q-Link-Drehregler und vier Fader, über die sich diverse Parameter (Effekte, Synthesizer, Mixer) steuern lassen. Da es wegen der Komplexität vom Platz her nicht reichen würde, habe ich mich hier auf die wichtigsten Neuerungen konzentriert.

Kompatibilität
Die MPC 5000 kann problemlos MPC-1000-Files laden (natürlich nur mit Akai OS erstellte), auch die Dateien der 4000er sind kein Problem (bis auf weitergehende Program-Parameter), die im Handbuch angegebene Teilkompatibilität zu MPC 2000/2000-XL-Files klappt jedoch noch nicht, von der MPC 3000 können lediglich die SNDs geladen werden.

Der Synthesizer
Der Synthesizer ist auf jeden Fall ein ziemliches Highlight der neuen MPC. War ich doch eher sehr skeptisch nach den Demos auf der Musikmesse und dem kurzen Durchhören der mitgelieferten Presets, musste ich schnell erkennen, dass das Teil nicht nur ordentlich klingt, sondern all das kann, was man von einem guten Brot-und-Butter-Synthesizer erwartet. Dabei erweist sich der Zugriff über die Q-Link-Regler und -Fader als enorm praktisch und intuitiv, die Menüseiten wurden passgenau zu den Parametern gestaltet. Der Synthesizer ist virtuell-analog, sprich digital, und kann mit drei Oszillatoren bis zu 20 Stimmen erzeugen. Der Filter bietet elf verschiedene Charakteristika, packt ordentlich zu und besitzt eine ADSR-Hüllkurve, die es auch für den VCA gibt. Dazu kommen noch zwei synchronisierbare LFOs, wovon einer auf Vibrato festgelegt ist, und ein paar so gennante Master Features wie Random Detune und Settings für den Grad der Modulation der Parameter Vibrato, VCO, Filter und Amp über das Modulationsrad und/oder Aftertouch.

Effekte
Die Effekte wurden deutlich aufgestockt und sind jetzt auch auf die Einzelausgänge routbar. Es gibt vier Effektbusse à zwei Stereoeffekte. Natürlich gibt es auch noch die altbekannten Mastereffekte Compressor und EQ. Die Effekte können als Send oder auch als Inserts genutzt werden, über 40 verschiedene aus den Bereichen Delay, Chorus, Flanger, Tremolo, Phaser, Filter inklusive Sweeps, EQs, Distortion, Reverb, diverse Kompressoren sowie zwei Bitcrusher. Sie klingen alle ziemlich gut, sind sorgfältig und sinnvoll parametrisiert mit den Q-Links steuerbar und können beliebig kombiniert werden. Wenn man eine besonders gelungene Kombination gefunden hat, lassen sie sich als Effectset speichern und auch für andere Projekte nutzen.

Arpeggiator
Der Arpeggiator ist nicht besonders üppig ausgefallen, deckt aber die Standards gut ab, ist gut zu bedienen, hat eine Latch-Funktion und gibt seine Noten auch über Midi raus. Lustig wird es dann, wenn man den Arpeggiator und die Note- Repeat-Funktion gleichzeitig auf einen Track loslässt.

Harddiskrecording
Bis zu acht Audiospuren lassen sich in einem Song aufzeichnen und abspielen, wobei von der internen Festplatte gestreamt wird. Hat man schon im Rechner aufgenommen, lassen sich die Spuren auch in die MPC importieren. Wie alle Programs und Tracks können auch die Audiospuren mit Effekten und EQs versehen und auf die Ausgänge verteilt werden. Die Möglichkeiten zur Editierung fallen hingegen rudimentär aus: Gain, drei verschiedene Fades, Cut, Copy & Paste, Normalize und Silence, das war es auch schon. Automatisches Anpassen der Geschwindigkeit bei Tempoänderungen? Fehlanzeige, auch wenn das ein Gerät wie das Roland SP 555 bei einem Preis, der bei knapp einem Viertel liegt, kann. Das ist schade und auch ein wenig unverständlich, weil es durchaus nützlich ist und es zur Zeit kein anderes Gerät dieser Preisklasse gibt, dass dieses Feature beherrscht. Denkbar wäre auch eine Anwendbarkeit von Chopshop (das jetzt auch für Stereosamples funktioniert) auf ganze Tracks, um sie entsprechend ans Tempo anpassen zu können.

Fazit
Der maximal mögliche Arbeitsspeicher von 192 MB RAM (Auslieferungszustand sind 64 MB!) ist leider alles andere als zeitgemäß, wer gern lange und viele Samples nutzt, wird durchaus auch an die Grenzen der Kapazität stoßen. Das ist vor allem auch deswegen unverständlich, da der Vorgänger MPC 4000 (immerhin auch schon 2002) 512 MB RAM haben konnte und RAM-Bausteine heutzutage alles andere als teuer sind. Mal eben einen Track zusätzlich spielen, den man vor ein paar Stunden im Studio gemacht hat, ist durch die spartanische RAM-Ausstattung eher mal ausgeschlossen, so dass man diesbezüglich auf die noch recht unterentwickelte HD-Recording-Funktionen ausweichen muss.
Andererseits macht mir die MPC 5000 mit dem Synthesizer, den guten Effekten und der endlich mal übersichtlichen Bedienung auch sehr viel mehr Spaß als irgendeine MPC zuvor und lädt extrem zum Rumjammen ein. Die große Zahl von Q-Link-Fadern und Knöpfen ist sehr gut an die jeweiligen Bereiche (Synthesizer, Effekte, Mixer) angepasst und so kommt man schnell zu Ergebnissen. Gut ist auch, dass man sich die Einzelausgänge nicht mehr dazukaufen muss, die MPC kommt gleich mit einem Stereoausgang und acht Einzelausgängen. Ein eindeutiges Urteil fällt bei diesem Teil schwer, deshalb kann ich jedem Interessenten nur empfehlen: selbst antesten!

Akai

Straßenpreis: ca. 2000 Euro

Anschlüsse: 10 Klinkenausgänge (1 x Master Stereo und 8 x Einzelausgänge), Kopfhörerausgang, Phonoeingang Cinch mit Erdung, Stereo Neutrik Eingang mit Mikrofonvorverstärker, S/PDIF In & Out, Adat Out, USB 2.0, 2x Midi In, 4 x Midi Out

3 Responses

  1. onkobu

    Mittlerweile wurde das OS 2.0 nachgereicht und die ein oder andere Äußerung muss ich revidieren. Abstürze musste ich bisher nicht mehr beklagen und die Kompatibilität wartet auch mit Neuerungen auf (durch die Keygroups können jetzt auch S1000 Samples geladen werden). Am Synthesizer änderte sich nichts. (Seltsamerweise wollte niemand meine MPC, so steht das ungeliebte Kind noch hier.)

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