Professionelle Anschlüsse fürs iPad

Musikmachen mit dem iPad hat spätestens seit Core MIDI mehr und mehr den Spielzeugcharakter verloren und wird immer professioneller. Statt Camera Connection Kit und fitzeliger Audio-Splitter wären studiotaugliche Anschlüsse und ein entsprechendes Gehäuse da nicht schlecht: jetzt hat Alesis mit dem schon länger angekündigten IO Dock genau das rausgebracht.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 155

Übersicht
Das IO Dock ist aus robustem Hartplastik und hat die Form eines leicht geneigten Desktop-Gehäuses in das man das iPad von der Seite reinschiebt. Das iPad 1 passt ohne Zubehör rein, für das dünnere iPad 2 gibt es eine mitgelieferte Plastikschale als Unterlage. Auf der linken Seite gibt es reguläres DIN MIDI In und Out sowie einen USB-Anschluss für MIDI, auf der rechten Seite den regelbaren Kopfhöreranschluss und das Master Volume. Auf der Rückseite dann der Stereoausgang in großer Klinke und zwei separat regelbare kombinierte XLR/Klinkeneingänge, von denen der eine mit Hi-Z, zuschaltbarer 48V-Phantomspannung und Mikrofonvorverstärker ausgestattet ist. Für latenzfreies Vorhören des Eingangssignals ohne den Umweg übers iPad gibt es einen Direct Monitoring-Switch, außerdem dabei sind ein Fusspedalanschluss, ein RCA-Videoausgang und schliesslich der Anschluss fürs externe Netzteil, der sogar mit Zugentlastung kommt und dafür sorgt, dass das iPad immer genug Saft hat. Installiert werden muss nichts, auch im USB-Betrieb wird das IO Dock treiberlos als MIDI Interface erkannt.

Apps und MIDI
MIDI auf dem iPad ist noch immer ein wenig unterstandardisiert, will sagen, viele vor allem ältere Apps haben es in einer Mischung aus eigenen Algorithmen und dem Core MIDI von iOS implementiert, so daß die MIDI-Anschlüsse des IO Dock nicht von allen Apps erkannt werden. Die meisten Controller-Apps haben aber kein Problem das IO Dock zu erkennen und zu nutzen, und die Latenz ist zumindest für MIDI-CCs und Note On -Befehle vergleichbar mit Hardware-Controllern, so dass sich das iPad gut Stand Alone als Controller und Keyboard benutzen und auch problemlos extern mit anderen Controllern steuern läßt. 
MIDI-Clock dagegen scheint unter iOS generell schwieriger zu implementieren sein: nur verhältnismässig wenige Apps wie zum Beispiel unter anderem Korgs iElectribe, StepPolyArp von Colson oder Bassline und Modrum von Finger unterstützen sie überhaupt . Vor allem im Slave-Betrieb und bei Drums ist die Verzögerung hörbar, wenn man die DIN MIDI-Anschlüsse nutzt. 
Das ist natürlich kein Problem, wenn man das IO Dock via USB mit dem Rechner synchronisiert, weil der Versatz sich dann ausgleichen lässt. Interessant ist dass die MIDI-Clock mit relativ geringen Schwankungen läuft und auch Tempoänderungen flüssig mitmacht, ganz anders als etwa Ableton Live auf einem Rechner, was Anlass zur Hoffnung gibt.

Apps und Audio
Die Audioqualität der Aufnahme über die kombinierten XLR/Klinkeneingänge macht schon spontan einen guten Eindruck: der Sound ist klar und druckvoll und auch leise Mikrosignale können sehr rauscharm auf einen vernünftigen Pegel gebracht werden. Dabei muss man eigentlich so gut wie nie die Direct Monitoring-Funktion bemühen, da die Audiolatenz erfreulich gering ist. Anders als bei MIDI hat so gut wie keine App Probleme damit, die Ein- und Ausgänge des IO Dock zu nutzen. 
Apps, die über den Kopfhörerausgang schon passabel klingen, profitieren am meisten, allerdings hört man jetzt auch bei manchen anderen schmerzlich deutlich, wie dünn und grisselig sie vom Sound sind.

Fazit
Für alle, die ihr iPad professionell und bequem im Studio und unterwegs als Controller, Synthesizer, Sampler , Mini-DAW oder Effektgerät einsetzen wollen ist das IO Dock sehr zu empfehlen und dürfte den Boom von Audio Apps fürs iPad nochmal anheizen. Robust verarbeitet, ausgiebigst mit Schnittstellen ausgestattet und gut zu bedienen, auch wenn der Master-Volume Regler für den Livebetrieb praktischer auf der Frontseite untergebracht wäre, was in Bezug auf die Hardware aber der einzige Kritikpunkt ist. Der Traum vom unabhängigen iPad mit MIDI-Clock, das sich ohne Latenzausgleich und ohne Rechner mit Drummachines synchronisieren lässt, ist zwar noch nicht erfüllt, aber das dürfte auch nicht mehr lange dauern. Der Preis geht für das Gebotene auf jeden Fall mehr als in Ordnung.

Preis: 179,- Euro

Alesis

7 Responses

  1. Dave Blundell

    Hello, I Have a question regarding the IO dock. I have a lighting desk for my small theater that can send midi show control (MSC) signals. Can I trigger music tracks using the midi in connection? If so, which audio playback app would i need that reacts to these basic midi commands.
    Many Thanks.

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