Der Rolls Royce für den Digi-DJ

Der 3D der englischen Edelschmiede aus Cornwall ist der zurzeit wohl teuerste Vier-Kanalmischer auf dem Markt. Beim Kauf seines “analogen“ Flaggschiffbruders XOne:92 würde man fürs gleiche Geld noch einen neuen Technics MK2 und beste Kopfhörer mit in den Warenkorb legen können. Der 3D ist wie der Name schon andeutet auf volle digitale Kontrolle ausgelegt und macht sich zum Anspruch, der neue Maßstab im digitalen DJ-Mixing zu werden. Er wurde nicht nur von Richie Hawtin und Chris Liebing mitentwickelt und getestet, sondern ist seitdem von deren Performances nicht mehr wegzudenken. Im Redaktionsbüro getestet, gab es unterschiedlichste Meinungen zu dem Gerät. Für wen ist der 3D? Und ist er sein vieles Geld überhaupt wert?

von Ji-Hun Kim aus De:Bug 123

Klotzen, nicht kleckern, aber mit royal britischem Understatement. Massiv, ausgetüftelt und seiden metallisch. Rolls Royce winkt von der anderen Kanalseite mit dem Zaunpfahl. Der Xone:3D ist eine Kombination aus traditionellem DJ-Mixer, einem MIDI-Controller und einer Mehrkanal-USB-Soundkarte mit 24Bit/48KHz-Auflösung. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten Ecler EVO5 und Korg Zero4 wurde die haptische Kontrollstation also gleich mitgedacht und integriert. Die Featureliste liest sich wie eine Abhandlung: vier Stereoinputs, hochwertige “dual rail“-Fader, die legendäre analoge VCF-Filtersektion mit LFO, VCA-Crossfader, 105 MIDI-Steuerungssignale, acht MIDI-Controller-Sektionen mit Linefadern, Drehregler noch und nöcher, die meisten mit Druckschalter, zwei MIDI-Master Jog Wheels, acht Soundkartenkanäle, Beat Counter mit MIDI Clock, Fußschalterbuchse, Gameport und vieles, vieles mehr und das USB-Kabel, weil das soll in meinen Computer.

Zwei Softwareoberflächen wurden grundsätzlich für das 3D mitgedacht: Ableton Live und Traktor. Neben Lightversionen dieser Programme werden auch passende Schablonen, die jeweils auf den Mixer gepinnt werden können, um das Zurechtfinden im Poti- und Faderwald ein wenig zu vereinfachen, mitgeliefert.
Es fällt auf, dass der EQ nur drei Potis hat und keinen Vierband-EQ wie der :92, aber man wird merken, dass dieser verzichtbar ist, da man aufgrund der Masse an Möglichkeiten von nun an ohnehin mehr als beschäftigt sein wird. Getestet wurde hierbei mit Traktor. “Wenn du mit Ableton spielst, kannst du ja gleich mit Logic auf die Bühne gehen …“, heißt es im Kaffeeflur. Wahrscheinlich auch wahr. Außerdem kann man mit dem Allen & Heath auch alle vier Traktordecks simultan ansteuern. Klingt nach Effekt-, Loop- und Schrauborgie? Richtig.

Trigger me, baby!
Das eigentliche Problem an “digital“ ist häufig, dass damit auch irgendwelche Installations- und Treiberfragen geklärt werden müssen und dies nervige Zeit kosten kann: Firmware, Updates usw. Das war bei dieser Begutachtung zwar auch der Fall, aber das wird jetzt auf individuelle Unzulänglichkeiten geschoben. Wenn es denn einmal läuft … Die Steuerung von Traktor über den XOne ist nicht unbedingt intuitiv, ist auch kein Vinyl und will es auch nicht sein. Die Steuerung über Mini-CD-große Jog Wheels und die Vielzahl der benötigten Shortcuts macht Scratchen oder andere Plattenwirbeleien nicht möglich. Auch ist der Crossfader relativ dicht verbaut, soll heißen, alle Grand- und Funkmasters werden hiermit nur gehemmt Spaß haben, es sei denn, sie schieben ein Vinylinterface wie Serato dazwischen. Prinzipiell muss man bei dem MIDI-Controller viel drücken und die oben genannten Shortcuts anwenden, was mir im Auflegekontext bislang fremd gewesen ist. Da gibt es Shift- und Alt-Tasten, um volle Kontrolle auch über vier parallel laufende Tracks zu bewerkstelligen. Von der Anmutung her bewegt sich der 3D konsequent weg von der Vinylsimulation. Hier soll eine zeitgenössische Komplettlösung, eine neue Perspektive aufs digitale DJing mit vielerlei neuartigen Kreativitätsoptionen dargeboten werden.

Wie klingt’s?
Die Integration von Soundkarte und analogem Mischpult ist sehr gelungen, selten klang MP3 oder anderes vom Rechner so druckvoll und warm. Da hat sich wohl das jahrzehntelange Studiopultebauen für Pink Floyd und Co. bezahlt gemacht. Die frei zuweisbare Filtersektion perlt wie Schampus und verdient eigentlich den Ruhm des Pioneer 500-Flangers. Dabei ist der XOne 3D ein Hingucker. Dafür sorgen auch die bunten Blinklichter. Ehrfurcht, Misstrauen und Bewunderung kommen auf. Ein bisschen wie ein Maserati auf der Kastanienallee. Strobocop meint: “Wozu braucht man das?“ DJ Bleed beäugt erst, probiert aus, drückt alle möglichen Knöpfe, versucht einen Mix, scheitert und sagt: “Mit so was will ich nichts zu tun haben …“ Eine halbe Stunde später probiert er noch mal unbeobachtet, es funktioniert besser und eine Viertelstunde später im Zigarettenhof: “Das ist auf jeden Fall geil für Minimalorgien. Wenn man nur Loops spielt. Macht schon Sinn.“ In diese Richtung soll das digitale Auflegen wohl auch hinsteuern, weniger Stücke von A bis B, sondern Samples und Loops schneiden und direkt mixen und mit Effekten bearbeiten. Mit der Zeit stellt sich Euphorie ein. Die Kombination aus bester Audio- und Hardwarequalität überzeugt. Dafür ist der 3D definitiv eine Referenz. Damit arbeitende Künstler sollten daher schon den Status haben, den Rider so ausfüllen zu können, dass in den Locations auch der 3D bereitsteht, weil vor Ort ohne Roadie aufbauen, ist für diesen Range Rover von Mixer durchaus actig.

Der XOne 3D ist ein Monument. Die letzte Frage, die sich stellt, ist, inwiefern dieses Schiff zum Standard wird. Wo zwischen Serato, Scratch, CDJ und kleinere “unabhängige“ MIDI-Interfaces sich das Ganze positionieren wird und kann. Dass Hawtin und Liebing den immer im Gepäck haben, ist kein Wunder, die können es sich aber auch leisten. Für alle anderen gilt: träumen oder Kredit aufnehmen und zu jedem Gig mitschleppen. Eine britische Komplettlösung mit komplex-kreativem Potential, bester Haptik und Sound, alles andere als ein Schuss in den Ofen und man erwartet freudig den Nachfolger 4D.

Preis: ca 1900 Euro

Systemvoraussetzungen: Rechner mit USB, OSX, Windows XP

Allen & Heath

3 Responses

  1. Allen & Heath XONE 3D at Q-BEE.de

    […] DJ” ist analoges Mischpult, DJ Midi Controller und achtkanaliges Soundinterface in einem. Die De:Bug hat ihn getestet und kommt zu dem Schluss: Der XOne 3D ist ein Monument. Die letzte Frage, die sich stellt, ist, […]

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  2. Nicholas

    … Huch habe ich mich erschreckt, ich dachte im ersten augenblick , ihr testet schon den “neuen” XONE 4D , ist aber wurscht , da , ausser einem Facelift und der besseren Soundkarte, nicht viel verändert wurde Trotzdem geiler Bericht. thx

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