Apogee bringt mit dem Duet den legendären Klang der kalifornischen Firma in die Heimstudios.

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Von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 120

Exzellenter Sound, perfekter Form-Faktor, leicht zu bedienen, guter Preis: Apogee bringt mit dem Duet den legendären Klang der kalifornischen Firma in die Heimstudios. Mac vorausgesetzt.

Es gab eine Zeit, da konnte ein Audio-Interface nicht genug Ein- und Ausgänge haben. “8×8, sonst komm ich nicht hin” … das waren normale Vorkommnisse in Unterhaltungen an den Tresen der Fachgeschäfte. Wir erinnern uns: Noch vor ein paar Jahren waren die Rechner noch längst nicht so weit. Softsynths UND Effekte … da war die CPU oft schnell am Ende. Also fand der endgültige Mix auf einem externen Pult statt und die Musik landete schließlich auf DAT. Selbst in Elektronik-Kreisen. Das ist Schnee von gestern und kein Hardware-Fetischist konnte mir bisher lückenlos nachweisen, dass man irgendeine alte Kiste nicht ausreichend überzeugend emulieren könnte. Rechner sind schnell und alles, was man heute bounct, ist die Stereosumme. Will man also nicht gleichzeitig mehrere Spuren externer Instrumente aufnehmen … warum braucht man dann noch mehr als zwei Inputs?
Warum ich das hier schreibe? Ich will dem Duet von Apogee die Bühne freiräumen, diesem kleinen neuen Audio-Interface, das nicht nur alle Designpreise dieser Welt verdient hat, sondern auch die immer wieder preisgekrönte und hoch gelobte Klangqualität von Apogee zu einem erstaunlichen Kampfpreis anbietet. Zwei Eingänge, zwei Ausgänge. Was will man mehr?

Sound & Style
Das Duet sieht aus wie das Audio-Interface, das Apple nie gebaut hat. Klein, schick und in seinem Aluminium-Look der perfekte Partner eines MacBook Pros oder eines Mac Pros. Am Gerät selber wird nur per Firewire die Verbindung zum Rechner hergestellt, außerdem kann ein Kopfhörer angeschlossen werden. Monitore und Instrumente werden über eine separate Kabelpeitsche gesteckt. Ungewöhnlich, aber nicht störend, wie man vielleicht anfangs denken könnte. Die Peitsche bietet ein Pärchen Klinkenausgänge, ein Pärchen XLR-Eingänge (balanced) mit zuschaltbarem Phantom-Power und schließlich ein Pärchen Klinkeneingänge (unbalanced) für Instrumente. Fertig ist eines der kompaktesten, best klingendsten Audio-Interfaces, das ich je im Studio hatte. Es ist ein gutes Jahr her, seit ich das letzte Mal ein Apogee getestet habe, damals das Ensemble, ein großes mächtiges Mehrkanal-Interface. Mit seinen 2000 Euro sehr hochpreisig, war es für Apogee aber eine Kampfansage. Die Apple-Integration war neu und nie war der Sound der berühmten Wandler in diesem Umfang so billig zu haben. Damals wie heute läuft bei mir eigentlich ein RME-Multiface. Daran bin ich gewöhnt, dem vertraue ich bis in die letzte Frequenz-Schlucht. Apogee ist da ein bisschen anders. Der Klang ist brillant, man hat aber das Gefühl, dass die Hardware der Musik ein kleines bisschen amerikanische Fluffigkeit hinzufügt. Das ist nicht schlimm, im Gegenteil. Wärme kann nie schaden. Und ich bleibe dabei: Gerade was die A/D-Wandlung angeht, ist Apogee unerreicht. Nie habe ich Signale so detailgetreu in den Rechner geholt. Das ist beim Duet ganz genauso. Es ist einfach ein Genuss, das Duet im Studio zu haben.

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Software
Das Duet ist komplett auf 24Bit/96kHz ausgelegt und hat die berühmten HighEnd-Apogee-Wandler mit an Bord. Die Core-Audio-Integration ist vorbildlich, alle Apple-Audio-Programme (Logic, GarageBand, Final Cut, Soundtrack Pro) werden nativ unterstützt, d.h. das Duet kann über ein integriertes Kontrollfeld direkt in den Programmen gesteuert werden. Alle Funktionen hat man direkt im Blick. Zusätzlich bietet die Apogee-Software Maestro noch übersichtlichere Kontrolle, inkl. Erstellung von eigenen Konfigurationen. Maestro funktioniert denkbar einfach. Hier können die Inputs umgeschaltet (XLR Mic, XLR Line +4 dBu, XLR Line -10dBV) und gruppiert, Phantomspeisung dazugeschaltet, die Phase umgedreht und das Output zwischen Line und Instrument-Amp umgeschaltet werden. Entsprechende Feinjustierung erfolgt über große Regler. Das Line Out lässt sich zwischen 0 und -64 dB einstellen, das Verstärker-Output hat fest eingestellte -20dB. In der “Advanced”-Sektion können gewisse Verhaltensmuster des Interfaces eingestellt werden. Einerseits kann man sich entscheiden, ob man das volle Potential des Duet nutzen oder den möglichen Gain von vornherein reduzieren möchte, um Verzerrungen zu vermeiden. Apogee nennt das “Clickless Operation”. Andererseits kann man hier bestimmen, was auf der Level-Anzeige des Duets angezeigt wird: immer Input, immer Output oder “Follow Section”, d.h.: was ausgewählt ist am Interface, wird auch angezeigt … eindeutig die praktischste Einstellung. Ein kleiner, aber sehr ausgefeilter Mixer bietet einen Stereo-Strip für die Inputs mit Panning von den Ins des Interfaces direkt an die Outputs. “From Mac” regelt Signale, die aus dem Rechner kommen, an die Outputs, und schließlich das Output, wo man sich entscheiden kann, ob das Signal des Maestro-Mixers an die Outs geschickt wird oder aber direkt das Output des jeweils aktiven Programms.
Weiterhin können hier bis zu vier Midi-Controller zugewiesen werden. Diese Funktionalität vernachlässige ich in diesem Bericht – Controller haben mich schlicht noch nie interessiert.

Hardware
Das eigentliche Interface ist hervorragend verarbeitet und die Bedienung an der Hardware ist extrem clever gelöst. Eine alleinige Steuerung über die Software wäre nicht mehr zeitgemäß, das weiß man bei Apogee, drum thront ein großer beeindruckender Endlosregler mit Rasterung auf der Oberseite des Duets. Hierüber lassen sich alle Funktionen schnell erreichen: laut/leise, Mute, Umschalten der LED-Level-Anzeige. Sind Midi-Controller zugewiesen, natürlich auch deren Werte. Sonst sieht es einfach gut aus und scheint unkaputtbar … wir sind schlicht begeistert.

Fazit
Das Duet von Apogee kostet knapp 500 Euro. Für diesen Preis bekommt man zwar kein aufgeblasenes Mehrkanal-Interface, aber den perfekten Begleiter für kleine Projektstudios einerseits und Menschen, die nur noch in der DAW mischen, andererseits. Der Sound ist fantastisch, das Interface sieht blendend aus, die Verarbeitung ist hervorragend, die Software-Integration vorbildlich und ausgeklügelt. So bleiben für Musiker, die am Mac arbeiten, keine Fragen offen. Einfach einschalten und wohlfühlen im Apogee-Sound.

Apogee

Mega Audio (deutscher Vertrieb)

Preis: 499,- Euro

4 Responses

  1. Jul

    Ich habe das Duet an einem MacBook Pro eingerichtet und musste Maestro immer geöffnet haben um das “From Mac” Signal aus Logic Pro zu hören. Nicht so schön.. Sonst ne schöne Kiste.

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  2. Jan

    hört sich schon mal sehr gut an *habenwill*
    gibt es noch ausführlichere, technische tests, die nicht so “schwärmerisch” sind?

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