Kleine graue Acidkiste mit Charme

Mit viel Marketing-Tamtam hat Arturia den MicroBrute angekündigt: Noch bevor klar war, um was es überhaupt geht, gab es als Teaser jede Menge Künstler-Endorsements, von Keith Shocklee bis hin zu Chris Cross. Das hat erstaunlich gut geklappt und dem MicroBrute viel Aufmerksamkeit gesichert, zuweilen auch gepaart mit der “Sensationsnachricht”, es gebe einen Analogsynthesizer für unter 300 Euro. Dass sich damit nicht unbedingt ein Blumentopf gewinnen lässt, ging erstmal im Marketinggetöse unter, denn eigentlich gibt es gerade in dieser Geräteklasse – günstige analoge monophone Synthesizer – eine Auswahl wie noch nie. Ob der MicroBrute trotzdem überzeugen kann?

von Benjamin Weiss aus De:Bug 178

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Der MicroBrute kommt im stabilen Plastikgehäuse in DIN-A4-Größe mit zweioktavigem Minikeyboard mit festsitzenden, aber trotzdem angenehm spielbaren Tasten. Auf der linken Seite finden sich das Pitchbend- und Modulationsrad, darüber zwei Tasten zur Oktavwahl. Rechts daneben die Oszillatorsektion, dann der Filter, die Modulationsmatrix , Glide, ein LFO und die Hüllkurvensektion mit einer ADSR-Hüllkurve, schließlich noch die Sequenzersektion. Anschlussseitig gibt es auf der Rückseite neben der Buchse für das externe Netzteil einen MIDI-Eingang, einen USB-Anschluss (für MIDI und den Software-Editor), einen regelbaren Audio-Eingang, Kopfhörerausgang, sowie Gate In, Gate Out und Pitch Out.

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Ein Oszillator mit Wellenform-Mixer
Beim Oszillator wählt man nicht wie sonst üblich eine Wellenform aus, sondern mischt sie aus Dreieck und Metalizer, Rechteck mit Pulsweite und Sägezahn mit Ultrasaw zusammen. Das ist erstmal gewöhnungsbedürftig, zumal sich Rechteck und Dreieck in einem gewissen Bereich gegenseitig auslöschen, führt aber zu ziemlich interessanten Ergebnissen, die auch gern mal bratzelig klingen. Zu den drei Wellenformen und ihren Modifiern gibt es noch Overtone und Sub>Fifth, mit dem sich je nach Einstellung der Effekt einer Quinte oder eine Art Suboszillator hinzufügen lassen, um den Sound anzudicken.

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Sequenzer
Der Sequenzer bietet acht Patterns, die sich lose angelehnt an das Prinzip des 303-Sequencers programmieren lassen: Im Record-Modus wird jede Note, die über die Tastatur gespielt wird als Step aufgezeichnet, mit der Tap/Reset-Taste lassen sich leere Steps erzeugen. Die Patterns können dann über einen Drehknopf ausgewählt werden und lassen sich via MIDI oder die Tastatur in verschiedenen Tonhöhen spielen. Mit dem Software-Editor wird das Verhalten (Hold oder Start nach Notenbefehl) und die Quantisierung des Sequenzers gesteuert, außerdem lassen sich die Sequenzen auf dem Rechner speichern.

Mod Matrix, LFO und Verbindungen zur Außenwelt
Schon die MIDI-Features des MicroBrute sind ausreichend, aber die Einbindung an die Analog- und Modularwelt ziemlich umfassend: neben Gate In und Out und Pitch Out auf der Rückseite gibt es noch die diversen Patchpunkte der Modulationsmatrix, mit der man den MicroBrute auch in der internen Verschaltung variieren kann. Als Modulationsquelle dienen dabei die ADSR-Hüllkurve und der LFO, Ziele sind Metalizer, Sägezahn, Suboszillator, Pitch, Filter und PWM, die natürlich auch von außen oder gemischt moduliert werden können.

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Insgesamt ist Arturia mit dem MicroBrute tatsächlich eine feine kleine Kiste gelungen, die nicht nur satt und vielfältig klingt, sondern sich durch einen eigenen Sound, die Patch-Möglichkeiten und den einfachen, aber effektiven Sequenzer von der monophonen Masse abheben kann. Mir gefällt der MicroBrute tatsächlich besser als der größere MiniBrute, denn er ist nicht nur billiger, sondern lässt sich mit seinem praktischen Formfaktor auch problemlos mitnehmen. Dabei wirken alle Details sehr durchdacht und auch die Parametrisierung der Wertebereiche ist gut gelungen. Einzig beim Filter sind die Sprünge in der Resonanz hier und da recht plötzlich, vor allem wenn der Brute Factor ins Spiel kommt. An das Mischen der Wellenformen des Oszillators muss man sich gewöhnen, aber auch das geht ziemlich schnell. Im Grunde ist er eine vielseitige, kleine Acidmaschine, die sowohl solo als auch mit anderen Instrumenten prima funktioniert.

Preis: 299 Euro

Arturia

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