Rechnerbasierte Groovebox mit TAE-Engine

Mehr und mehr setzt sich auch bei den Softwareherstellern die Erkenntnis durch, dass sich mit haptischen Interfaces einfach besser Musik machen lässt. Auch Arturia hat mit dem Spark eine rechnerintegrierte Groovebox am Start.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 158

Übersicht
Die Oberfläche des aus Metall gefertigten Controllers ist etwa so groß wie ein DIN-A-3-Blatt und ausgiebig mit Bedienelementen bestückt: unten eine Reihe von acht hintergrundbeleuchteten Trigger-Pads, denen jeweils drei Drehregler darüber zugeordnet sind. Links darüber eine Mute-, Solo- und Select-Sektion, in der Mitte dann nochmals sechs Drehregler, mit denen sich der ausgewählte Sound weiter formen lässt: Cutoff, Resonanz, Aux 1 & 2 (für die beiden Send-Effekte), Panning und Volume. Direkt darüber das zweizeilige LED-Display und links daneben ein Touchpad für drei Effekte (mehr dazu weiter unten), auf der rechten Seite ein Clickwheel, mit dem sich Sounds auswählen und laden lassen, kreisförmig drumherum die Buttons für die Pattern und deren Bänke und den Song-Modus. Ganz oben schließlich der 16-Step-Sequenzer mit Lauflichtprogrammierung, die Transport-Sektion und das Mastervolume. Anschlussseitig gibt es neben MIDI In,  MIDI Out und USB auch noch einen Stecker für ein optionales externes Netzteil, so dass man Spark auch ohne Rechner als MIDI-Controller für externe Hardware nutzen kann. Die Software spiegelt im Hauptfenster sämtliche Bedienelemente der Hardware, dazu kommen noch je ein Fenster für den Sequenzer, das Laden und Editieren von Sounds und den Mixer, der pro Kanal zwei Aux-Sends, zwei Inserts und Panning bietet.

Sounds, Effekte & Sampling
Arturia setzt beim Spark auf eine Kombination von drei verschiedenen Soundengines: einmal die TAE-Engine, für Synthesizer gedacht und zum Beispiel auch im Moog Modular V und im Origin genutzt, dann ein Physical-Modeling-Algorithmus, der auf Drum-Synthese spezialisiert ist und schließlich noch Sample-Playback.  Die Sound-Auswahl ist noch verhältnismäßig überschaubar, dafür qualitativ wirklich gut. Arturia will aber kontinuierlich für Nachschub sorgen.  Die üblichen klassischen Drummachines von Rolands TR-Serie über LinnDrum, DMX, Drumtraks und Co sind natürlich dabei und klingen lebendiger als die meisten Sample-Varianten, da sie eben nicht gesampelt, sondern emuliert wurden. Auch eigene Samples lassen sich einbinden und mit der Effekt-Engine bearbeiten, direkt sampeln kann man jedoch nicht. Für die Einzelkanäle gibt es  als Insert-Effekte Crush, Chorus, Compressor, Delay, Distortion, EQ und Phaser, je zwei können pro Sound genutzt werden. Für die beiden Sends stehen Delay, Plate und Reverb zur Verfügung, die Effektsektion ist also noch ausbaufähig.

Live-Tweaking
Am meisten Spaß macht der Spark, wenn man einfach loslegt: Pads spielen, mit den Drehreglern modulieren, Steps eingeben mit der Lauflichtprogrammierung, das sind die altbewährten Standards, aber hier und da gibt es noch ein paar Spezialitäten: den Loop-Modus zum Beispiel, mit dem sich ein Teil des Patterns wiederholen lässt, wobei der geloopte Bereich mit zwei Drehreglern verschoben, vergrößert oder verkleinert werden kann. Oder das Touchpad, das mit drei Funktionen fest belegt ist und auf alle Sounds wirkt: einem Filter (Tiefpass, Bandpass oder Hochpass), dem Slicer und dem Roller. Der Slicer zerhackt das Signal in sechs verschiedenen Varianten (von Strobo bis Tape, dazu kommt noch etwas überraschend an dieser Stelle ein Bitcrusher), klingt dabei sehr gut, hat aber den kleinen Nachteil, dass man schon sehr genau zielen muss, um nicht versehentlich die falsche Quantisierung zu treffen. Hier wäre ein von unten beleuchtetes Touchpad praktisch, aber mit ein wenig Übung gehen auch die Quantisierungen ins Rückenmark über. Der Roller schließlich funktioniert so, wie bei der MPC und der Maschine die Note Repeat-Funktion. Über das Touchpad wird die Quantisierung gewählt, mit den Pads löst man sie aus.

Fazit
Anders als Maschine will Spark vor allem eins sein: dedizierte Groovebox und Drumcomputer, nicht so sehr die eierlegende Wollmilchsau und Workstation. Das kann man als Vorteil oder als Nachteil auslegen, aber eins ist sicher: Spark macht Spaß, ist schnell beherrschbar und wird auch in Zukunft weitere Updates erhalten, die die noch nicht voll ausgeschöpften Möglichkeiten von Arturias TAE-Soundengine und dem Physical Modeling noch intensiver nutzen. Die Hardware ist gut verarbeitet und lässt sich angenehm und übersichtlich bedienen, einzig der Abstand zwischen Shuffle- und Mastervolume ist ein wenig klein geraten. Wer eine Groovebox mit gutem Sound, durchdachten Livefeatures und einer guten Haptik sucht, sollte sich Spark auf jeden Fall mal ansehen.

Preis: 499 Euro

Arturia

6 Responses

  1. Einohrschmaser

    Kann von Arturia Spark nur abraten. Habe das Produkt gekauft, da mir das Konzept gefiel und ich unbedingt nen Stepsequenzer haben wollte. Standalone lief die Software ganz ok.
    Jedoch ist das VST Plugin andauernd abgeschmiert. Wenns mal lief fiel mir eins auf : Die CPU Last schnellt gigantisch in die Höhe sobald das Spark Plugin läuft. Ausserdem klingen die Samples von Spark auf 44.1 khz alle Scheisse, so daß ma es auf 96 khz betreiben muß, was nochmal ein vielfaches an CPU kostet. Das Ding ist gut gemeint, aber Scheisse umgesetzt…

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  2. betaRocker

    Kann Einohrschmaser insbesondere in Sachen CPU-Last und Stabilität nur beipflichten. Ausgereift ist was anderes.

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  3. Yörk

    CPU Last bei 40-50% bei einem i5 Prozessor…..einfach unglaublich….macht einfach keinen Spass mehr…..dann häufig Abstürze. Bin ziemlich entäuscht.

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  4. Yörk

    ….aber der Sound ist auch bei 44.1 khz einfach super. Es kommt natürlich auf die Soundkarte an und gewisse Samples die mir nicht gefallen tausche ich einfach aus.
    Ich benutze eine e-mu 1820m. Habe noch nichts besseres gehört.
    Hoffe, dass sie mir noch viele Jahre erhalten bleibt.
    Hoffe auf ein Update von Aturia, dass Spark ressorcenschonender laufen lässt.

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