Brainworx sind nicht nur für ihre eigenen Mastering-PlugIns und die Hardware bekannt, sie erledigen auch einen Großteil der Programmierarbeit für die PlugIns von SPL.

Brainworx sind nicht nur für ihre eigenen Mastering-PlugIns und die Hardware bekannt, sie erledigen auch einen Großteil der Programmierarbeit für die PlugIns von SPL. Grund genug, mal zwei Mastering- und Mix-Tools von ihnen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 135

Bx_digital
Bx_digital ist ein Mastering-Equalizer, mit dem man ein Stereosignal im Mitten/Seiten-Modus (jeweils ein fünfbandiger EQ für das Mittensignal (Monoanteil) und das Seitensignal (Stereoanteil)) oder separat für den rechten und linken Kanal bearbeiten kann. Für beide Anteile steht je ein fünfbandiger Equalizer zur Verfügung, der bei Bedarf aber auch synchronisiert werden kann. Ob alle oder nur einzelne Bänder synchronisiert werden, lässt sich pro Band separat festlegen. Die Bänder sind alle vollparametrisch und können stufenlos in ihrer Güte eingestellt werden. Pro Kanal steht ein eigener Eingangsregler zur Verfügung, so dass sich etwaige Panoramaprobleme schon vor dem Equalizen beheben lassen. Auch das Ausgangssignal kann einzeln geregelt werden: Im M/S-Modus lässt sich so zum Beispiel praktisch und schnell das Verhältnis von Mono zu Stereo nachjustieren, wenn eine Aufnahme zu sehr in der Mitte liegt und “schmal” klingt, oder wenn es zu viel Stereoverbreitung war, die das Signal zu einem breiten, aber undefinierten Brei macht. Ein bisschen tiefer geht es aber noch weiter: Pro Kanal bzw. für Mitte und Seite gibt es je einen solo-schaltbaren Deesser mit definierbarem Mittensignal sowie den “Monomaker” für das Gesamtsignal, mit dem sich die Frequenz einstellen lässt (bis 400 Hz), bis zu der das Signal mono bleibt. Das ist nützlich für das Mastern von Vinyl, wo es gerne mal Probleme mit Stereobässen gibt. Ebenfalls pro Kanal bzw. für Mitte und Seite gibt es eine Bass-Shift- und Presence-Shift-Funktion. Sie sollen dazu dienen, den Bass direkter und trockener oder weicher zu gestalten und den Höhen mehr Luftigkeit zu verleihen und arbeiten beide nach dem gleichen Prinzip. Im Bass sorgt ein negativer Shift in den tieferen Frequenzen für eine Absenkung, in den höheren Frequenzen für eine Anhebung. Je näher man dem Nullpunkt kommt, desto geringer fallen Absenkung und Anhebung aus. Ein positiver Bass Shift dreht den Spieß um: Nun werden die tiefen Bässe angehoben und die hohen abgesenkt. Andersherum funktioniert der Presence Shifter: Negative Werte heben die unteren und senken die höheren Höhen. Positive Werte senken die unteren und heben die oberen Höhen. Ganz unten schließlich gibt es für beide Equalizer-Sektionen eine grafische Anzeige sowie Levelmeter für das Signal vor und hinter den EQs und am Ausgang.

Bx_Boom!
Boom soll es erlauben, schlappen Bassdrums basstechnisch auf die Sprünge zu helfen, was auch im fertigen Gesamtmix möglich sein soll. Das Interface ist denkbar einfach aufgebaut: Links sieht man eine Bassdrum, die zur Regelung der Intensität des Effekts gedreht werden kann, mit der Fußmaschine rechts daneben kann zwischen den drei Modi Low, Mid und High gewählt werden, die den angehobenen Frequenzbereich bezeichnen. Bx_boom! funktioniert erstaunlich gut: Auf Einzelspuren holt er auch aus der pappigsten, schlaffsten Bassdrum beeindruckenden Punch raus und auch in Sample-Material oder fertigen Mixen kann man in den allermeisten Fällen ziemlich gezielt auf die Bassdrum einwirken.

Bedienung und Sound
Die Bedienung geht bei beiden Tools denkbar einfach und flüssig vonstatten: Hier hat sich jemand aus der Praxis viele Gedanken über Bedienungsabläufe gemacht, die sich oft wiederholen und möglichst reibungslos und praktisch ablaufen müssen, um den Workflow nicht zu behindern, was man auch bei viel teureren Mastering-PlugIns oft schmerzlich vermisst. Auch Bx_digital bleibt trotz der vielen Parameter und Bedienelemente immer übersichtlich, da sie sehr großzügig auf einem ziemlich großen Fenster dargeboten werden. Der Klang ist dabei stets transparent, präzise und druckvoll, bietet aber sonst keinerlei zusätzliche Färbung, die bei einem solchen Tool auch fehl am Platz wäre. Kurz: zwei sehr nützliche Tools, die sowohl im Mix als auch beim Mastern eine gute Figur machen. Lohnt sich!

Brainworx

Preise:
Bx_digital: 264,18 Euro
Bx_boom!: 105,91 Euro

Update: Inzwischen ist BX_digital in der V2-Version erschienen, die wir demnächst testen werden.

3 Responses

  1. NUMINOS

    Geschätzter Nerk,

    da haste beim Schlusssatz aber mit verdammt grobem Korn gemahlen! Denn sowohl den bx_boom als auch den bx1 als “nützliche Tools, die auch für Anfänger schnell zu begreifen sind und sowohl im Mix als auch beim Mastern eine gute Figur machen” abzuhacken, halte ich für ziemlich gewagt: Der bx_boom hat genausowenig was in einer Mastering-Kette zu suchen wie der bx1 im Mix. Ferner sei dein Vertrauen in die Kompetenz aller Anfänger unbenommen – aber der bx1 ist schon ein verdammt chirurgisches Werkzeug, an dem kaum ein Einsteiger seine Freude haben wird.

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  2. nerk

    zugegeben numinos, da hast du nicht ganz unrecht, der satz passt eigentlich nur auf den boom, den man meiner ansicht aber durchaus auch in der masteringkette benutzen kann, wenn es die bassdrum nicht tut :)

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