Steinberg ist wieder da und bietet der Konkurrenz mit neuen Features und zahlreichen Detailverbesserungen die Stirn

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Zuerst fällt auf, dass das neue Cubase den vornehm-gedeckten Tönen seines großen Bruders Nuendo angepasst wurde: Vorbei sind die manchmal recht grellen Farben, alles ist in Dunkelblaugrau gehalten und insgesamt etwas übersichtlicher.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 130

Groovetools
Aufgestockt wurde erheblich in der Abteilung Groovetools: Neben dem Groove Agent ONE, der mit seinem Urahnen nur noch wenig gemein hat, gibt es mit dem Beat Designer einen praktischen Stepsequenzer mit Lauflichtprogrammierung als MIDI-Insert (!) und den neuen LoopMash. Mit ihm lassen sich bis zu acht verschiedene Audiofiles (die nicht unbedingt Loops sein müssen) kombinieren. Dazu zerteilt LoopMash die Audiofiles in Slices und analysiert deren Content auf die musikalischen und rhythmischen Strukturen. Dann kann man einen Masterloop bestimmen und mit Hilfe von Slidern passende Slices anderer Loops einfügen, die die des Masterloops ersetzen. Die Häufigkeit, mit der Slices von einzelnen Loops benutzt werden, bestimmt man mit den Slidern, den Masterloop kann man jederzeit wechseln. Die so erstellten Scenes lassen sich dann auf zwölf verschiedene Pads legen und bei Bedarf direkt antriggern und natürlich auch abspeichern.
Groove Agent ONE ist dagegen eher klassische Groovebox à la MPC: 16 Pads, die sich jeweils mit bis zu acht Samples belegen lassen, aber auch abgeschmeckt mit Edit-Funktionen direkt im PlugIn, einem Filter und der Möglichkeit, MPC-Programs zu laden, was sogar mit denen klappt, die auf dem alternativen JJ OS erstellt wurden.

Neue PlugIns
Mit Reverence hat Cubase 5 nun auch einen Faltungshall mit im VST-Ordner, der in Bezug auf Prozessorleistung verhältnismäßig genügsam ist und mit 70 Impulsantworten kommt. Wie man es auch von Altiverb kennt, kann man sich Fotos und weitere Daten der Aufnahmelokalitäten ansehen. Die Parametrisierung ist einfach und schlüssig gehalten. PitchCorrect ist, ebenso wie LoopMash, in Zusammenarbeit mit Yamaha enstanden und dient dem groben Korrigieren von Intonationsproblemen beim Singen und sonstigen Soloaufnahmen.

reverence

Neues im Sample-Editor
Kein PlugIn, dafür direkt im Sample-Editor verfügbar: Vari Audio, eine Funktion zur Tonhöhenkorrektur monophoner Audiospuren, die sich am ehesten mit Melodyne vergleichen lässt, auch wenn sie nicht ganz so viele Features bietet. Dazu wird das Audiomaterial kurz analysiert und kann dann mit der Maus oder einer angeschlossenen MIDI-Tastatur in der Tonhöhe verschoben werden. Glattbügeln lassen sich auch Intonationsschwankungen, so dass man die Tremolo-triefende Gesangslinie schnell und unkompliziert begradigen kann. Aus analysierten Dateien lässt sich per Drag & Drop das passende Midifile erzeugen, komplett mit den Intonationsschwankungen, die als Pitchbend ausgegeben werden. Das funktioniert auch mit sonstigem monophonen Material wie Basslines oder Samples recht gut und zuverlässig.

variaudio

Workflow
Am Workflow ist ordentlich gefeilt worden, da gab es aber auch einiges zu tun: Dass es zum Beispiel erst jetzt Multikanal-Export (= alle Kanäle werden gleichzeitig, aber in separaten Files exportiert) gibt, dürfte allen Usern anderer DAWs schwer vermittelbar sein, aber: Jetzt geht das auch in Cubase. Neu mit dabei ist auch Nuendos übersichtliche Automation. Andere Neuerungen sind eher unspektakulärer Natur, dafür aber sehr nützlich, wie das virtuelle MIDI-Keyboard über die Rechnertastatur, die Möglichkeit, alle Spuren gleichzeitig aufnahmebereit zu schalten, die deutlich verbesserte Medienverwaltung MediaBay oder der praktische MIDI-Monitor für das Troubleshooting. VST Expression heißt eine neue Art, mit Artikulationen bei der Nutzung von großen Orchester-Libraries umzugehen. So kann man etwa Artikulationen wie Staccato und Glissando direkt im Score- und Key-Editor eingeben, die dann unabhängig von den Noten editierbar sind. Mit der Taktartspur und der Tempospur lassen sich jetzt auch Tempo- und Taktartwechsel bequem und übersichtlich im Projektfenster ändern.

Mit Cubase 5 hat Steinberg mal wieder gezeigt, dass sie immer noch mithalten können und auch neue Funktionen am Start haben, die die Konkurrenz so nicht zu bieten hat. Ecken und Kanten im Workflow wurden gründlich beseitigt und sinnvolle neue Features integriert. Vor allem LoopMash hat mich begeistert, denn obwohl es ja schon einiges an spezialisierten Loophäckslern und Rearrangern gibt, bietet es einen frischen Ansatz mit einer intuitiv zu bedienenden Oberfläche. Sogar das iPhone hat Steinberg entdeckt: Mit Cubase RC soll im Februar eine kostenlose Cubase-Fernsteuerung im AppStore veröffentllicht werden, die nicht nur die üblichen Transportfunktionen hat, sondern auch die Arrangerspuren ansteuern kann, um sich mal eben vom Sofa aus ein paar Varianten anzuhören. Cubase 5 lief im Test trotz der Null nach dem Komma sehr stabil, was man ja von den letzten Versionen leider eher selten behaupten konnte. Kurz: eine gelungene neue Version eines der absoluten DAW-Klassiker.

Systemvorraussetzungen:
Mac: ab G5, OS X 10.5.5, 1GB RAM, 4 GB auf der Festplatte
PC: ab 2 GHz Dual-Core CPU, 1GB RAM, 4 GB auf der Festplatte

Preis:
Vollversion: 555,- Euro
Update von Cubase 4 / SX3: 189,- Euro

Steinberg

10 Responses

  1. Hans

    Was heißt hier “mithalten können”? Ich kenne jetzt keinen Sequencer, der mit C5 mithalten könnte.

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  2. Ja

    Hans im Glück… 2020 machen die Computer die Musik allein und der Mensch blickt dumm zu… will sagen, jeder Sequenzer ist nur so kreativ / gut wie’s Gehirn dahinter…

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  3. Marrkussssss

    hi de-bug.deers users, I upgraded my graphics card and PSU today and ever since Windows has been a lot slower – slower starting up and slower in general also. Performance is better in games though, which is good as that’s why I bought the graphics card.
    The light on my case is ALWAYS blinking and I can ALWAYS hear the little whirring sounds, both things that used to occasionally occur when opening a programme or generally when the computer was thinking, but when I check my CPU usage it is not high at all (at 5% right now). My memory is also only just under half full.
    I cannot think what the problem is, I’m sure I’ve done something wrong

    here are my specs:

    Intel Core 2 Q9400
    Asus P5Q-Pro
    Radeon HD 6950
    4GB RAM
    XFX 850w
    Windows7 64-bit

    My old specs were the same but with two HD 4850s and a Storm 900w PSU.

    Thanks.
    Markus

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