Modulare DJ App mit bis zu sechs Decks

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Erst Native Instruments, jetzt touchAble. Die DJ-Apps boomen auf dem iPad. Bei d(- -)b lassen sich auf dem Apple-Tablet bis zu sechs Tracks gleichzeitg vermixen. Benjamin Weiss hat sich für uns schwindelig gescratcht.

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d(- -)b ist grundsätzlich modular aufgebaut, kommt standardmäßig jedoch mit einem Layout für zwei Decks, in dem schon fast alle Features zu sehen sind. Pro Deck gibt es eine kleine Darstellung der Welleform für die schnelle Navigation und eine große Darstellung, in die man direkt reinfassen kann. Außerdem vier Cue-Punkte, einen dreibandigen EQ mit Fadern und Kill-Switches, einen Lautstärkeregler der praktischerweise mit Lautstärkeanzeige kommt, sowie Buttons für die Loop- und die Roll-Funktion und deren Quantisierung. Mixes lassen sich im Hintergrund aufzeichnen, per Zoom kann man die Wellenform in der Größe einstellen.

Track-Handling
Anders als bei Traktor DJ orientiert sich d(- -)b eher an einem Plattenspieler: Die Tracks lassen sich zwar auch synchronisieren, können aber genauso per Hand eingepitcht, angeschoben und abgebremst werden. Wer unbedingt will, kann auch ziemlich präzise scratchen. Auch wie der virtuelle Plattenspieler reagiert, lässt sich einstellen: Mit Acceleration kann man die Beschleunigung des Motors regeln, Friction bestimmt, wie langsam die “Platte” ausläuft, wenn man sie stoppt. Zum Pitchen gibt es bei Bedarf je einen Schieberegler mit Fein- und Grobrasterung.

Loop & Roll
Hier lassen sich aus dem laufenden Track Loops erzeugen, wobei die in einer Länge von acht Takten bis runter zu 1/64 laufen können. Die Quantisierung ist in beiden Modi die gleiche, der Unterschied besteht nur darin, dass beim Loop nach der Deaktivierung der Track direkt an der gleichen Stelle nach dem Loop weiterläuft, bei Roll dagegen während der Aktivierung kontinuierlich im Hintergrund gespielt wird.

Library und Analyse
Die Analyse der Tracks geht ziemlich flott und präzise vonstatten und wird in der iTunes-Datenbank gespeichert, wodurch sie auch nach dem Synchronisieren via iTunes und dem Hinzufügen von Tracks immer aktuell bleibt, inklusive der Cue-Punkte. Analysiert wird bisher nur das Tempo, nachjustieren lassen sich, falls nötig, Tempo und Startbeat, demnächst soll aber noch die Tonart folgen. Ansonsten finden sich die üblichen Features: Tracks können nach Artist, Titel, Länge, oder BPM geordnet werden, es lassen sich eigene Playlists erstellen und es gibt eine Suchfunktion.

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Splitkabel ist Geschichte
d(- -)b unterstützt Multi Routing. Das heißt: Bei Geräten mit iOS 6 (Vorraussetzung für d(- -)b) kann gleichzeitig der Kopfhörerausgang und ein über den Dock Connector verbundenes Audio Interface genutzt werden, Splitkabel geht zwar auch, ist aber glücklicherweise nicht mehr nötig.

Modularbaukasten und Layouts
d(- -)b kommt mit fünf verschiedenen vorgefertigten Layouts: als 1-Deck-Variante für den Einsatz mit zwei iPads, in der klassischen 2-Deck-Version, mit drei Decks auf einer Page und mit vier Decks, was eigentlich dem Doppeldecker entspricht, allerdings auf zwei Pages angeordnet ist. Die Layouts können nach Belieben im integrierten Editor bearbeitet oder gleich durch eigene ersetzt werden. Im Editor wird die Oberfläche zur Orientierung mit einem Grid hinterlegt, an der rechten Seite erscheint ein Menü, aus dem man die gewünschten Elemente einfach herausziehen kann. Dort kann man sie an die richtige Stelle rücken, vergrößern oder verkleinern, mit anderen gruppieren und sich so seine eigene Oberfläche basteln, die komplett an die eigenen Bedürfnisse angepasst ist. Wird es auf der ersten Page zu voll, können weitere angelegt werden, zwischen denen sich am oberen Bildschirmrand bequem navigieren lässt. Die Layouts lassen sich als ganzes, aber auch als Blueprints abspeichern, womit Kombinationen verschiedener Elemente gemeint sind, etwa eine bestimmte Deckzusammenstellung in einem bestimmten Raster. So gut und intuitiv das gelöst ist (die Elemente sind nicht nur per Touch editierbar, sondern können in Position und Größe auch mit der Tastatur numerisch eingestellt werden), so sehr wünscht man sich manchmal dann doch einen externen Editor für den Rechner, denn schon die Oberfläche eines “großen” iPads ist zum präzisen Einrichten eines Layouts einfach verflixt klein.

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Performance & Bedienung
d(- -)b reagiert schnell und präzise auf jeden Eingriff, egal ob es um das Mixen, den EQ, Einpitchen, Nachdrehen oder das Anspielen von Cue-Punkten geht und das tatsächlich auch mit bis zu sechs Tracks gleichzeitig. Auch wenn das natürlich kein Mensch beim Auflegen braucht. Dabei sollte man das iPad jedoch immer am Strom haben, denn mit der Anzahl der Tracks steigt auch der Stromverbrauch deutlich an. Die Anforderungen an die CPU halten sich angenehm im Rahmen und die Bedienung ist direkt und weitestgehend selbsterklärend. Schon Anfang April soll es das erste Update geben, das Effekte, Audiobus-Unterstützung sowie MIDI-Clock und MIDI-In für Controller bieten soll, was dann in Verbindung mit sechs Tracks schon deutlich in Richtung eines Tools für Livesets gehen dürfte. Aber schon jetzt ist d(- -)b eine ausgewachsene DJ App, die sich durchaus als flexible und anpassbare Alternative zu Traktor DJ anbietet.

Preis: 8,99 Euro

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2 Responses

  1. DJ App-En-Zeller

    Wooow. Sechs Decks. Es sind schon viele mit zwei Decks überfordert die Menschen zum Tanzen zu bringen, wobei die letzten genannten schon gar nicht mehr wissen warum sie überhaupt auf der Tanzfläche sind. Weils hip ist? Schick ist? Trendy ist? Wo bleit die App, die den Menschen zeigt wie man wozu tanzt? ;-)

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