OTO Biscuit wird zum Synthesizer

Das passiert nicht alle Tage: Aus dem Hardware-Bitcrusher OTO Biscuit wird via Software-Update ein veritabler 8-Bit-Synth mit Sequenzer: Der OTO. Überraschend. Und für umme.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 161


Sämtliche Bedienelemente des OTO Biscuit bekommen mit dem Firmware-Upgrade neue Funktionen, weswegen es auch ein Overlay gibt, das man sich entweder für 24 Euro bestellen, oder aber auch ausdrucken (und ziemlich mühselig ausschneiden) kann. Nach dem Firmware-Upgrade per Sysex-Dump (das bei neueren Exemplaren schon aufgespielt wurde) wird aus dem OTO Biscuit “Der OTO”, ein kompletter 8-Bit-Synthesizer mit zwei Oszillatoren, LFO und Hüllkurvengenerator und einem 16-Step-Sequenzer. Die Funktionalität kann beim Neustart mit einer Tastenkombination gewechselt werden, wobei man allerdings darauf achten sollte, lieb gewonnene Presets vorher per MIDI-Dump zu sichern, die könnten nämlich sonst im digitalen Nirvana enden. Außerdem warnen OTOmachines vor gelegentlich auftretenden Glitches und Dropouts bei bestimmten Wellenformkombinationen und Timing-Schwankungen beim Wechseln von Sequenzen (die mir aber nicht wirklich aufgefallen sind).


            
Klangerzeugung und Modulation
Die Klangerzeugung klingt zunächst nicht wirklich spektakulär, aber die kleinen Details am Rand machen sie dann doch spannend. Zwei Oszillatoren hat Der OTO, wahlweise mit Sägezahn, Rechteck, Sinus, Noise oder FM als Wellenform, wobei Rechteck und Sägezahn oberhalb von C3 mit ordentlich Aliasing reagieren und den Grundsound aufrauhen, aber auch bassiger machen. Die Oszillatoren lassen sich nicht nur ganz normal anteilig mischen, sondern können auch per Bitcrusher, Ringmodulator oder Swap miteinander verschmolzen werden. Der LFO kann auf die Tonhöhe oder die Cutoff-Frequenz wirken und bietet Dreieck, Rechteck und Sample & Hold. Der Hüllkurvengenerator kommt mit den gleichen Modulationszielen.
Mir sind die eingangs erwähnten Dropouts eher selten begegnet und wenn, wurden sie funky aufgefangen durch das analoge Filter, das Glitches eher wie einen zusätzlichen Accent klingen lässt und wie schon beim Biscuit perfekt dafür sorgt, dass das manchmal harsche digitale Signal angenehm abgerundet wird, ohne es dabei unnötig in analoge Watte zu packen.

Sequenzer
Der 16-Step-Sequenzer wird über die acht Pads in Lauflichtmanier bedient: Jede der acht speicherbaren Sequenzen kann zwischen 1 und 16 Steps lang sein, wobei die Sequenzen im Laufen editierbar sind. Als Parameter gibt es pro Step Oktave, Note, Notenlänge, Glide und Accent, der Sequenzer kann im Song-Tempo oder doppelt oder viermal so schnell laufen. Das lässt sich alles relativ direkt bedienen und man kann auch bei laufendem Sequenzer in die Klangerzeugung wechseln, schön wäre allenfalls noch eine Shuffle-Funktion. Wenn der Sequenzer läuft, transponiert Der OTO die Sequenz aufgrund von eingehenden MIDI-Noten, was die Beschränkung auf acht Sequenzen so ein wenig relativiert. Aber auch ohne den Sequenzer zu nutzen lässt sich Der OTO gut steuern, denn alle Parameter sind als Midi CCs direkt editierbar.

Bedienung und Sound
Erstaunlich ist, wie fett und saftig ein 8-Bit-Synthesizer klingen kann, was hier natürlich auch an seinen analogen Filtern liegt: kein dünn sägender C64-Sound, stattdessen schmatzig, bei Bedarf auch rund und bassig oder mit schneidenden Höhen und brezelnd digital. Weniger direkt und unmittelbar ist die Bedienung, die dem Kleinhirn immer wieder äußerste Flexibilität im Erlernen von Bewegungsabläufen und dem Reagieren auf wildes Geblinke abverlangt: um zum Beispiel ein Synth-Preset zu wechseln muss man erst zwei Tasten in der richtigen Abfolge drücken und dann vier Sekunden gedrückt halten, so lang bis die Pads nicht mehr weiß (zuerst) oder rot (kurz danach), sondern pink (ganz am Schluß) blinken. Dann ist man am Ziel, fast schon ein bisschen erschöpft, und kann endlich einen der acht ersten Speicherplätze auswählen. Trotzdem macht das Handling Spaß, Pads und Buttons lassen sich angenehm spielen und die grob geraffelten Drehregler fassen sich gerade für große Hände sehr angenehm an.
Dass ein ausgeliefertes Gerät umsonst eine komplett neue Funktionalität bekommt, ist äußerst selten, und macht den vorher schon eher auf der kostspieligeren Seite stehenden OTO Biscuit plötzlich zu einem verhältnismäßig preisgünstigen Multifunktionsgerät. Weil der Biscuit ursprünglich hardwareseitig nicht auf die neuen Features ausgelegt war, gibt es zwar diverse Einschränkungen und Kapriolen in der Benutzerführung, aber die sind definitiv zu ertragen. Und wer weiß, vielleicht lassen sie sich in einem weiteren Firmware-Update ja auch glattbügeln. Die haptischen Qualitäten und der gute und sehr charakteristische Sound sprechen definitiv für OTO und Biscuit, dass sie im Doppelpack zu einem Preis kommen natürlich auch.

Preis: 529 Euro

OTOmachines

4 Responses

  1. Hüstel

    Iss schon Sommerloch? Ihr hängt echt immer so tierisch hinterher…

    Reply

Leave a Reply