Federhall zum Reingreifen

Es sieht aus wie ein Messgerät aus dem Physikunterricht oder ein Lügendetektor aus dem Kalten Krieg und ist doch ein Federhall mit Filter und LFO. Und die Hallfedern sind dabei noch frei zugänglich: der Ekdahl Moisturizer.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 145

Die drei Federn werden, damit sie beim Transport nicht kaputtgehen, mit einem Klettverschluss auf das Gehäuse gepappt und mit Cinch-Kabeln angeschlossen, dann ist der Moisturizer einsatzbereit.
Das Eingangssignal, das wegen der großen Empfindlichkeit der Federn auch eine Erschütterung von außen sein kann, sogar Klopfen auf den Tisch, geht zunächst in den Vorverstärker, dann in den Filter, der durch den LFO moduliert werden kann und schließlich in die Ausgangsstufe, wo man das Verhältnis von Hall- und Filtersignal anteilig mischen kann. Der Filter bietet die drei Modi Tiefpass, Bandpass und Hochpass, die praktischerweise fließend ineinander überblendet werden können. Dieses Signal lässt sich, genau wie die Cutoff-Frequenz, mit dem LFO modulieren. Für den Grad der Einwirkung des LFOs gibt es je einen Drehregler, ebenso für Cutoff und Resonanz. Der LFO selbst kann wahlweise mit Dreieck oder Rechteck laufen und in seiner Geschwindigkeit geregelt werden, bei Bedarf kann man ihn auch über einen eigenen CV-Ausgang auch anderes Analog-Equipment steuern lassen. Der Moisturizer ist überhaupt ziemlich anschlussfreudig: Neben dem CV-Ausgang des LFOs lassen sich über ein Expression Pedal oder CV-Signale der Hallanteil, die Cutoff-Frequenz, Filtermodus, Filteranteil und die LFO-Geschwindigkeit steuern.

Sound
Schon ohne Filter ist der Moisturizer ein ziemliches Klangmonster: von dezent staubigem Hall mit Sixties-Flair über dubbige Klangexplosionen bis hin zu infernalischem Gedonner und Noise-Orgien: Wenn man die Federn bearbeitet (sogar wenn man ein Blatt Papier drauflegt, beginnen sie zu schwingen) ist alles machbar. Das Filter mit dem LFO eröffnet dann noch weitere Klangdimensionen und macht den Moisturizer endgültig zum Instrument, das sich auch sehr gut in ein Modularsystem integrieren lässt.

Fazit
Der Moisturizer ist ein prima Effekt, der eher als Bonus auch eine angenehm räumliche Staubschicht auf alles legen kann, vor allem aber zu hemmungslosen Noise-Attacken und ausführlichen Experimenten einlädt.  Am Anfang meint man relativ schnell die Grenzen der möglichen Effekte ausgelotet zu haben, aber schnell stellt sich heraus, dass der Moisturizer ein extrem vielfältiger Effekt ist. Angesichts der liebevollen Handfertigung und der wirklich wohldurchdachten Konstruktion geht auch der Preis von 440 Euro in Ordnung.

Preis: 440 Euro

Moisturizer

Deutscher Vertrieb: SchneidersBüro

5 Responses

  1. auddie

    das ist toll !

    ich will eine ! indus und weird ergonomy !

    great !!!