Die analoge Workstation

Elektron hat im Dezember seinen zweiten Analogsynthesizer Analog Keys vorgestellt, der erste seit der vor Jahren eingestellten Keyboard-Version der Monomachine, der nicht im kompakten Desktop-Gehäuse, sondern mit 37-Tasten Keyboard, Einzelausgängen und dem beliebten Joystick kommt.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 180

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Übersicht

Die Klangarchitektur, den Sequenzer und das OS teilt sich der Analog Keys mit dem Analog Four, dementsprechend klingt er auch so: Er ist vierstimmig polyphon, wobei sich die Stimmen monophon auf vier Synthesizer-Parts aufteilen lassen oder auch als Unison mit individuellem Pitch spielen lassen. Pro Synthesizerstimme gibt es zwei Oszillatoren mit den üblichen Wellenformen nebst Suboszillator, einen 4-Pol- und einen 2-Pol-Filter, dazu zwei frei belegbare LFOs, einen Vibrato-LFO, zwei Waveshape-LFOs und sieben Hüllkurven zur Modulation.

Jeder Synthesizertrack hat einen Stereoausgang, dazu gibt es einen Masterausgang, einen Kopfhörerausgang, einen Stereo-Eingang, um externe Signale zu filtern oder mit den Effekten zu bearbeiten und vier CV/Gate-Ausgänge, über die sich externe Analogsynthesizer steuern lassen. MIDI Out und Thru lassen sich bei Bedarf auch auf DIN 24 oder 48 umstellen, um alte Klassiker einzubinden und auch beim Analog Keys gibt es bei den vier CV/Gate-Ausgängen das gleiche praktische Feature, das fast alle existierenden Analogsynthesizer und Module unterstützt. Denn die sind nicht nur zwischen Volt/Oktave oder Hertz/Octave umschaltbar, sondern können sogar stufenlos eingestellt werden.

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Sequenzer und Performance

Der Sequenzer gehorcht dem üblichen Elektron-Schema und bietet pro Pattern je einen Sequenzertrack für die bis zu vier Synthparts, CV/Gate und die Effektsektion, die sich auf verschiedene Weise füllen lassen: pro Step oder im Live-Recording Modus durch Spielen auf dem Keyboard und Knöpfchendrehen, dazu kommen kommen sechs Arpeggiators. Die weitreichenden Sequenzermöglichkeiten entsprechen denen des Analog Four (Test in DE:BUG 172), allerdings geht das Einspielen dank des Keyboards nochmal schneller und intuitiver vonstatten. Hervorzuheben sind noch die Macros im Performance Mode, mit denen sich mit einem Drehregler bis zu fünf Parameter trackübergreifend gleichzeitig modulieren lassen. Hier kann auch der präzise reagierende Joystick seine Stärken ausspielen, der bis zu 15 Parameter gleichzeitig steuern kann. Für den direkten und gleichzeitigen Zugriff auf mehrere interne Sounds, Patterns, Transponierung und externe MIDI-Geräte bietet der Multimap-Modus viele Möglichkeiten, diese über die gesamte Tastatur zu verteilen.

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Sound

Der durchweg satte und cremige Sound der mir beim ersten OS des Analog Four noch ein klein wenig zu gezähmt erschien, ist mit dem Analog OS-Update 1.1 um einiges wilder geworden: Durch den Resonanzboost lassen sich jetzt auch kreischende Filterfahrten und kellertiefe Bässe realisieren. Insgesamt bietet er mit seiner riesigen Library eine große Bandbreite an dem, was mit analoger Synthese von breiten Pads über extatisches Gezwitscher bis hin zu fetten Basslines möglich ist, dank der flotten Hüllkurven und den beherzt zupackenden Filtern sind auch die Drumsounds mehr als eine Dreingabe und lassen sich gut benutzen.

Der Analog Keys ist im besten Sinn – mit ein paar wenigen Abstrichen – eine Workstation, mit der sich schnell und intuitiv im Studio arbeiten lässt: Analogsynthesizer können mit CV/Gate gesteuert werden, Sequenzen lassen sich schnell und intuitiv erzeugen und machen beim Spielen vor allem Spass. Das Display könnte für die vielen Funktionen ein bisschen größer sein, die Step-Tasten etwas flacher und ebenfalls größer. Ansonsten gibt es an der Hardware absolut nichts zu meckern: solide verarbeitet, angenehm spielbares Keyboard, das nicht zu fest und nicht zu labberig ist, fasst sich gut an und spielt sich angenehm. Für Modulationsorgien sind der Joystick und die Live Recording Features perfekt, schade nur, dass die Joystick-Parameter aktuell nicht im Sequenzer aufgezeichnet werden. Außerdem gibt der Sequenzer seine MIDI-Daten leider (noch?) nicht an externe Geräte aus, was auch der Arpeggiator nicht kann. Speichertechnisch hat der Analog Keys definitiv genug Platz: durch das eingebaute +Drive lassen sich 4096 Sounds und 128 Projekte abspeichern, jedes Projekt bietet 16 Songs, 128 Patterns und 128 Kits. Mehr braucht wohl niemand.

Auch als Live-Instrument ist der Keys mit seinem Multimap-Splitmodus und den Sequenzermöglichkeiten ein echtes Tool, mit 10 Kilo Gewicht und seiner Größe aber auch nur bedingt transportabel. Billig ist der Analog Keys mit seinen knapp 1750 Euro nicht, aber wer die gleichen Synthesefeatures nutzen will, auf Einzelausgänge, Keyboard, Joystick und weitere Features verzichten kann, sollte deshalb zum 500 Euro günstigeren Analog Four greifen.

Preis: 1749,- Euro

Elektron

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