FabFilter Total Bundle: Filter, Delay, Synthesizer, Kompressor und mehr

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Über das FabFilter Bundle bin ich gestolpert, nachdem ich den FabFilter Volcano 2 (Filter) und das FabFilter Timeless (Tape Delay) ausprobiert habe. Der Name der holländischen Firma ist Programm: besonders stolz sind sie auf ihre Filter, die in allen Plugins Verwendung finden. Und nicht ganz zu unrecht.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 133

Übersicht
Das Bundle besteht aus Pro-C (Kompressor), Twin 2 (Synthesizer), Volcano 2 (Filter), Timeless (Tape Delay), Simplon (Filter) und dem FabFilter One (Synthesizer). Natürlich kann man sie auch einzeln oder in anderen Zusammenstellungen kaufen, dann sind sie aber ein wenig teurer.

FabFilter Volcano 2

Volcano 2 ist ein vierfacher Multimode-Stereofilter mit Mitten/Seiten-Option. Jeder Filter kann wahlweise als Tiefpass, Hochpass oder Bandpass mit einer Flankensteilheit von 12, 24 oder 48 dB ausgelegt werden. Die Filterpeaks/Resonanzspitzen lassen sich im Haupt-Display sowohl unabhängig voneinander als auch gemeinsam verschieben. Elf verschiedene Filtercharakteristika stehen zur Verfügung. Die Filter können vielseitig geroutet werden und parallel, seriell oder gemischt verschaltet werden. Das Verknüpfen von Modulationsquellen mit ihren Zielen ist genial einfach gelöst, denn man muss nur eine Verbindung mit der Maus ziehen, ein Feature, dass es bei allen Fabfilter-PlugIns gibt. Die Modulationsquellen können sich auch gegenseitig modulieren. Zusätzlich lassen sich auch X/Y-Modulationsflächen (wie beim KaossPad) aus zwei Parametern zusammenziehen, die dann voneinander abhängig moduliert werden können.

FabFilter Simplon
Simplon ist deutlich einfacher aufgebaut als der Volcano 2 und bietet zwei Multimode-Filter, die wahlweise seriell oder in Reihe geschaltet werden können und mit je drei Charakteristika kommen. Wie auch der Volcano 2 bietet er die praktischen Anfasser für die Peaks/Resonanzspitzen des Filters, die sich zusammen oder einzeln auch per MIDI automatisieren lassen.

FabFilter Twin 2

Das ist das Synthesizer-Flaggschiff. Die Filterausrüstung entspricht der des Volcano 2, außerdem sind drei Oszillatoren zur Klangerzeugung vorhanden, die sechs verschiedene Grundwellenformen bieten. Etwas abgeschreckt haben mich zu Anfang die Presets, die größtenteils recht trancig-uninspiriert sind und die Bandbreite des Twin 2 wirklich nicht repräsentieren. Aber egal: Der Twin 2 besitzt zur Modulation drei LFOs und drei Hüllkurvengeneratoren. Wie bei Volcano 2 und Timeless können die Parameter per Mausklick miteinander verbunden werden, was einem extrem viele Möglichkeiten eröffnet, die aber trotzdem durch das übersichtliche Interface immer nachvollziehbar bleiben.

FabFilter One
Der einfache Synth im Bundle besitzt einen Oszillator mit vier verschiedenen Wellenformen mit einem Filter und einen Hüllkurvengenerator zur Modulation. Hier lassen sich die Parameter nicht wie bei den anderen Plugs frei verschalten, dafür bietet er bei einer überschaubaren Funktionalität ordentlichen, wenn auch nicht unverwechselbaren Sound.

FabFilter Timeless

Timeless ist das TapeDelay und, um es mal gleich am Anfang zu sagen, meiner Meinung nach das bestklingendste PlugIn dieser Art, das es derzeit gibt. Es kann in zwei Modi gefahren werden: Tape (Bandecho) und Stretch. Das Delaytempo lässt sich wahlweise frei einstellen, per MIDI tappen oder in verschiedenen Quantisierungen synchronisieren und kann bei Bedarf separat pro Kanal oder für beide Kanäle zusammen definiert werden. Die Modulationsverschaltungen werden wie bei den anderen PlugIns von Parameter zu Parameter mit der Maus gezogen. Zur Modulation gibt es zwei LFOs und einen Hüllkurvengenerator mit Trigger, Attack, Decay, Sustain und Release. Natürlich sind auch die Filter hier mit dabei: zwei Stück mit sechs verschiedenen Charakteristika sind nutzbar und können parallel, seriell oder pro Kanal geroutet werden. Schließlich lässt sich das alles noch schön ins Feedback fahren.

FabFilter Pro-C
Der Pro-C erscheint zunächst als das konventionellste der Sammlung: ein Sidechain-fähiger Kompressor mit drei verschiedenen Stilen (Classic, Opto und Clean), die jeweils eigene Kniekurven haben. Das Display zeigt sowohl das Eingangssignal, das Ausgangssignal und den Grad der Pegelbegrenzung. Soweit wäre der Pro-C ein gut klingender, einfach zu bedienender Kompressor, aber es gibt auch noch den Expert Mode, der es erlaubt, den Sidechain mit einem 48dB-Hoch- oder Tiefpass zu filtern und auch zu verstärken, die Panoramaposition am Ausgang und am Eingang zu ändern und das Mitten- und Seitensignal unabhängig voneinander zu komprimieren.

Bedienung
Die Bedienung ist aufgrund der im wahrsten Sinne des Wortes transparenten Visualisierung erst mal ungewohnt, schnell zeigen sich aber die Vorteile des Konzepts, das sich vorbildlich auf die Darstellung benutzter Parameter reduziert und nicht mit irgendwelchem naturidentischen Oberflächengefuchtel rummacht. Hilfreich sind da auch die Popups mit Tipps und Erklärungen, die beim Drüberfahren über die GUI-Elemente erscheinen. Außerdem ist wirklich fast alles bequem über die MIDI-Learn-Funktion fernsteuerbar. Insgesamt ist die Bedienung neben dem Sound eine der größten Stärken der FabFilter PlugIns.

Sound
Auch wenn man es durchaus in den falschen Hals bekommen kann, dass der Hersteller in jedem zweiten Satz erwähnt, die bestklingendsten Filter zu haben, ist die Soundqualität schon ziemlich überzeugend. Eher nicht roh analog, dafür aber sehr transparent, präzise und satt. Besonders überzeugt haben mich das Timeless Delay und der FabFilter Volcano 2, aber auch der FabFilter Pro-C ist ein prima Allroundtool, das für verfärbungsfreie, aber effektive Kompression ebenso nützlich ist wie für Special FX. Wirklich gut klingende, innovative und einfach zu bedienende PlugIns, die definitiv ihren Preis wert und auch prozessortechnisch gnädig sind.

Update: Seit dem Test hat das Total Bundle die neue Version des Delays Timeless 2 und vor drei Wochen noch den neuen EQ FabFilter PRO-Q bekommen, den wir hier nicht getestet haben.

Fabfilter

Preis: Total Bundle (alle PlugIns): 409 Euro

Einzelpreise: Pro-C: 149 Euro, Twin 2: 129 Euro, Volcano 2: 119 Euro, Timeless: 99 Euro, Simplon: 59 Euro, FabFilter One: 49 Euro, FabFilter PRO-Q:139 Euro

Systemvoraussetzungen: RTAS, VST oder AU; Mac OS X ab Tiger (PowerPC und Intel) oder Windows ab XP

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