Mäandernde Synthlines galore

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Von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 121

Klein, eckig und mit ungewöhnlichen Features gespickt: Flames Clockwork ist ein ultrakompakter Hardwaresequenzer mit Spezialbegabung: Er spricht MIDI und CV/Gate.

Der Flame Clockwork befindet sich im gleichen Gehäuse wie der Midi Talking Synth, das in etwa zwei Zigarettenpackungen lang und tief ist, also äußerst handlich und jackentaschenkompatibel. Er bietet drei Spuren, die jeweils mit einem Beat-, Shift/CV- und einem Gate-Regler ausgestattet sind, entsprechende Miniklinkenanschlüsse inklusive. Dazu kommt noch ein weiterer Miniklinkenausgang für CV/Gate, der alle Steuerdaten zusammenfasst.

Mit dem Beatregler lassen sich verschiedene Quantisierungen wählen: von einer halben Note bis zu 16teln, wahlweise auch triolisch oder punktiert. Für jede Spur gibt es außerdem noch zwei Kippschalter: CV/Shift und Random/Waveform. Mit CV/Shift wird die Funktion des entsprechenden Reglers bestimmt: In der Stellung CV wird mit ihm die CV-Spannung festgelegt, in der Stellung Shift wird die Spur mit dem Regler zeitlich nach vorne oder hinten versetzt. Wird der Regler voll aufgedreht, mutiert CV zum LFO: Mit dem zweiten Kippschalter lässt sich dann zwischen zwei Wellenformen für den LFO auswählen. Sonst ist der zweite Kippchalter für die Randomfunktion zuständig und der CV/Shift-Regler dient der Auswahl verschiedener Zufallsalgorithmen. Der Gateregler ist weniger kompliziert: Ganz links ist die Note aus, je weiter man nach rechts dreht, um so länger wird sie.

Die Aufnahmefunktion ist ebenfalls denkbar einfach: Über Kippschalter kann jede Spur einzeln in den Recording-Modus geschaltet werden, in dem kontinuierlich zwei Takte aufgenommen werden. Schaltet man den Kippschalter wieder runter, wird die aufgezeichnete Spur abgespielt. Dabei werden die Quantisierungseinstellungen der Beatregler nicht aufgezeichnet, so dass man sie weiterhin variieren kann. Schließlich gibt es noch einen Shuffle-Regler für alle Spuren (ausgenommen sind hier natürlich alle punktierten und triolischen Quantisierungen) und eine übergreifende Randomfunktion.
Die Funktionsweise vor allem der CV/Shift-Regler ist schon eine mittlere Denksportaufgabe, aber dann doch erstaunlicherweise ziemlich stringent. Ganz nebenbei ist der Clockwork auch noch ein vollwertiges Midi-to-CV/Gate- Interface mit Moog-Kompatibilität (1V/Oktave) und fünf Oktaven, wofür noch ein separates CV/Gate-Paar als Ausgang zur Verfügung steht.

Fazit
Der Flame Clockwork unterscheidet sich von den meisten anderen Sequenzern darin, dass er nur drei Noten bietet und auch nur (pro Spur) einen zweitaktigen Loop erlaubt, für das Abspielen von fertigen Stücken ist er also eher nicht geeignet. Daher macht er vor allem dann Sinn, wenn man mit einem oder mehreren Synths (hier lassen sich durch CV/Gate und Midiausgang viele alte und neue Geräte gut miteinander kombinieren) über längere Zeit jammen will. Rhythmische Verschiebungen, ins unendliche mäandernde Synthlines und sehr abstrakte Soundscapes ergeben sich wie von selbst, vorausgesetzt, man beschäftigt sich ein wenig mit dem Teil. Er ist aber auch sehr funky einsetzbar als Drumsequenzer, wenn man von der Limitierung auf drei Noten absieht. Gut zu bedienende, innovative Funktionen, Mobilität und auch der Preis machen den Clockwork zu einer intuitiven Steuereinheit mit der sich bestens live spielen lässt.

Preis: 349 Euro

Anschlüsse: Midi In & Out, Netzteilanschluss, 5 x CV Out und 5 x Gate Out

Flame

SchneidersBuero (Vertrieb)

2 Responses

  1. Beatprisoner

    Bei dem Gerät handelt es sicht nicht um einen Sequencer!
    Es ist ein Clockdivider/-shifer, CV-Pulse generator. Das ist etwas ganz anderes. Leider wurde auch der Testbericht unter dieser falschen Prämisse geschrieben.

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  2. nerk

    Na ja, das würde ich jetzt mal unter Wortklauberei verbuchen. Was anderes als ein Sequenzer ist denn ein Gerät, das aus egal was (in diesem Fall also eine Clock oder ein CV Pulse Generator) Sequenzen erzeugt?

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