Nachdem FXPansion sich mit ihrem Guru-Drumsampler und –zerhäcksler einige Lorbeeren verdient haben, versuchen sie sich nun an einem 4er-VST-Synth-Paket. Das ”DCAM Synth Squad“ soll die Bedienfreude von analogem Gerät und dessen Klangeigenschaften in die VST-Welt hieven. Kommt euch bekannt vor? Uns auch, deshalb haben wir es ausprobiert.

von Ludwig Coenen aus De:Bug 136

Die vier Synths des Bundles sind eigentlich drei: Strobe, der kleine analoge Fiesling mit einem Oszillator, den FXPansion in der Tradition vom SH101 oder dem SH09 ansiedeln möchte. Amber, als Pad- und String-Lieferant, eifert den String-Ensemble-Synths der 70er Jahre nach. Cypher soll eine authentische Emulation eines analogen FM-Synths mit den Vorteilen der VST-Welt liefern (Polyphonie, präzises Stimmen, ausgefuchste Modulationsrouting-Möglichkeiten), kann aber auch als subtraktiver Synth mit drei Oszillatoren genutzt werden. Der vierte im Bunde – Fusor – dient dabei als “semimodulare Layering-Umgebung”. Zu deutsch: man kann dort die anderen drei Synths übereinanderlegen, als MultiPatch speichern, mit weiteren Effekten belegen und modulieren was das Zeug hält, ähnlich wie es Korg vor einigen Jahren mit der “Legacy Cell” umgesetzt hat, nur das FXPansion hier noch mal eine Schippe Funktionen drauflegt.

Die analogen Hardware-Vorbilder der 4er-Combo standen aber wohl eher abstrakt Pate, denn eine 1:1-Emulation à la Arturia steht hier nicht auf dem Plan. Dafür hat FXPansion eine eigene Technik entwickelt, die verspricht, die einzelnen Bauteile des analogen Signalflusses zu emulieren. Die Technik heißt “Discrete Component Analogue Modelling” und erklärt abgekürzt das DCAM im Namen des Bundles.

Die Konzeption des Bundles ist gut gewählt und deckt per se schon ein großes Spektrum dessen ab, was man beim Produzieren so benötigt. Knackiger Analog-Bass? Strobe. Butterweiche Zauberpads oder smoothe Chords? Amber. Perkussive, durchsetzungsfähige FM-Sounds? Cypher. Von allem etwas? Multipatch mit Fusor. Die Soundqualität ist dabei exzellent. Die Synths klingen von wohlig warm bis in-your-face kristallklar mit Extrapunch. Wirklich alles kann moduliert werden, viele Einstellmöglichkeiten sind nicht als Dreh- sondern als zweigeteilte Schieberegler umgesetzt, womit schnell die Punkte, zwischen denen sich die Modulation bewegt, gesetzt werden können: praktisch. Viele der Werksounds zeichnen sich dabei durch eine ausgesprochene Lebendigkeit aus. Erstaunlich vielen fehlt jedoch etwas die analoge Wärme, für meinen Geschmack ist zu viel Noisig-Eckig-Digitales dabei, aber vielleicht ist das eher ein Manko der mitgelieferten Presets. Ich bin mir sicher, aus dem Klangpotential des DCAM-Quartetts kann man noch mehr rausholen.

Das Interface-Design ist unspektakulär und recht klar strukturiert, manchmal mit der Tendenz, allen Knöpfen die gleiche Größe zu geben. Da fragt man sich schon mal kurz, wo denn nun der Cutoff-Regler geblieben ist. Abgesehen von solchen kleineren Stolpersteinen klappt das Arbeiten mit dem 4er-Pack gut – mit dem haptischen Spaß am Schrauben bei “echten” Analog-Synths hat das aber recht wenig zu tun. Dafür wird man mit ausgezeichneten Effekten und wirklich ausgiebigen Modulationsmöglichkeiten fürstlich entlohnt. Wie immer also ein etwas vollmundiges Versprechen, mit den Vorzügen der analogen Legenden zu winken, doch unabhängig davon hat dieses Bundle viel aus dieser Welt herüber gerettet und um moderne Features erweitert, ausprobieren lohnt sich also.

Preis: 189,- Euro

FXPansion
Tomeso (deutscher Vertrieb)

One Response

  1. madprof

    hab seit xmas noch einen synth squad völlig neu & einfgeschweisst rumliegen…
    hab gerade mit meinem neuen hardware synth zu kämpfen und so schnell auch keine zeit mich mit dem synth squad auseinanderzusetzen…
    macht mir einfach ein angebot, auch gerne tausch

    orok at gmx net

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