Hackbarer Open-Source-Hardwaresequenzer

Computer haben uns ja ein bisschen verwöhnt. Und auch, wenn Hardware-Sequenzer mit taktiler Kontrolle punkten können, so müssen sie doch mit Software konkurrieren, die eine Vielzahl an Parametern steuern kann. Der MTRX-8, ein Boutique-Controller vom französischen Musiker und Ingenieur Julien Fayard, soll all diese Editier-Funktionen in einer Stand-alone-Hardware vereinen. Mit seiner austauschbaren Open-Source-Firmware lässt sich der Sequenzer an verschiedene Instrumente anpassen. Die mitgelieferte “Jam Machine”-Firmware ermöglicht zudem das Steuern von Drummachines und Synths.

von Peter Kirn aus De:Bug 179

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Glattglänzende Oberfläche aus schwarzem Acryl, elegante LED-Ringe und ein LCD-Display machen das Gerät schick und angenehm futuristisch. Die Seitenteile aus Holz sorgen für eine leichte Neigung, sind aber leider nicht abnehmbar und erschweren somit ob ihrer Sperrigkeit den Transport. Aber: Der Open-Source-Gedanke wird beim MTRX-8 auch auf das Gehäuse übertragen. Auf der Website lassen sich Diagramme und Vorlagen zum Ausdrucken eigener Cases herunterladen. Der MTRX-8 bietet neben class-compliant USB MIDI auch Ein- und Ausgänge in MIDI DIN, allerdings wäre ein zweiter MIDI-Ausgang ganz praktisch gewesen. Das Feature, an das man sich beim MTRX-8 gewöhnen muss, ist das Jogwheel. Auf den ersten Blick wirken die 4×2 Buttons nämlich wie Encoder, sie sind aber Buttons. Um Parameter wie etwa Pitch einzustellen, muss zunächst der entsprechende Step-Button gedrückt und dann das Jogwheel gedreht werden. Das Jogwheel ist sehr präzise und fühlt sich gut an, aber das bedeutet natürlich, dass für jeden Step-Edit zwei Hände gebraucht werden.

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Um in die Tiefen der Sequenzerfähigkeiten des MTRX-8 einzutauchen, müssen erst mal einige Menüs durchforstet werden: vier Buttons oben toggeln zwischen Pages und Steps, insgesamt gibt es also 4×8 = 32 Steps. Im Step-Sequenzer wird per Page zwischen Parametern wie Pitch und Velocity umgeschaltet. Wenn der vierte Button oben gehalten wird, können Parameter aus dem Config-Menü ausgewählt werden. Mit allein sieben Pages für den Step-Sequenzer verliert man da schnell die Übersicht.

Sobald man sich ein bisschen eingefuchst hat, offenbart der MTRX-8 aber seine beeindruckenden Sequenzer-Features. Die Default-Firmware “Jam Machine” kombiniert vier verschiedene Funktionalitäten: ein Step-Sequenzer, ein Drum-Sequenzer und zwei Pages für Controller-Features. Der Step-Sequenzer erzeugt monophone 8-Step-Patterns. Die lassen sich zu längeren Patterns verketten, so dass bis zu 64 Steps mit den Laufrichtungen vorwärts, rückwärts und Ping Pong möglich sind, die dann in 16 Preset-Slots abgespeichert werden können. Leider kann man nicht mehrere Layer gleichzeitig kontrollieren oder polyphone Sequenzen erzeugen, so dass der Step-Sequenzer am besten für Basslines funktioniert.

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Der Drum-Sequenzer hingegen kann mehrere Layer haben. Bis zu fünf verschiedene Stimmen/MIDI-Noten sind möglich, die in einem festen 16-Step-Raster laufen. Mit der Chain-Funktion können hier bis zu acht Patterns aneinandergehängt werden. Dazu lassen sich Viertel-, Achtel- oder Sechzehntel-Drumrolls und Sechzehntel-Swing erzeugen. Die Knobs-Page macht aus dem MTRX-8 eine Controller-Oberfläche mit vier Banks á vier Parameter. Hier lassen sich auch mehrere Parameter gleichzeitig ändern, indem man sie gedrückt hält und über das Jogwheel editiert. Die vierte Page ist schließlich fürs Abspeichern von Presets zuständig und erlaubt die Kombination verschiedener Patterns und Parameterwerte über die drei Modi hinweg.

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Der MTRX-8 ist kein perfekter Step-Sequenzer für jede Anwendung, überzeugt aber bei schnellen Drum Patterns und Basslines. Die Knobs-Page kommt dazu mit nützlichen Presets wie zum Beispiel für die Korg Volca-Serie, Dave Smith Tetra und Mopho und zwei weitere Open Source-Synths: Shruthi und Meeblip. Erwähnenswert ist zudem, dass der MTRX-8 sowohl mit dem Rechner wie auch mit externer Hardware gleichermaßen gut zusammenarbeitet. An den Rechner angeschlossen funktioniert er als USB-MIDI Interface, mit Hardware ist er ein Standalone-Sequenzer. Für die Synchronisation mit dem Rechner wird ein MIDI-Pattern mitgeliefert, das dann etwa mit Ableton benutzt werden kann. Die einzige Einschränkung des MTRX-8 ist das Konzept von Button und Jogwheel. Ein paar mehr Kontrollelemente mehr, dafür weniger Menüs zum Durchsteppen wären nicht schlecht. Wer mit dem MTRX-8 aber hauptsächlich Dance Patterns finetunen und Basslines basteln will, ist hier bestens und günstig bedient.

Preis: 249,- Euro

Fyrd Instruments

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