Neues Mitglied der Notron-Klasse mit jeder Menge Murmeltasten

gggds

Die Überschrift klingt vielleicht ein wenig U-Boot-mäßig, aber der Nemo hat einfach einiges mit dem legendär verschrobenen MIDI-Sequenzer Latronic Notron gemeinsam: schnittiges Äußeres, die angenehmen Metall-Murmeltasten und Dreh-Encoder, dreifarbige LEDs zuhauf und ähnlich weitreichende Features, unter anderem auch Sequenzen, die sich gegenseitig modulieren können.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 128

Basics
Der Nemo ist so was wie der kleine Bruder des edlen Riesen Octopus aus gleichem Haus, allerdings deutlich abgespeckt. Insgesamt sind 16 Tracks mit bis zu 16 Steps gleichzeitig mit einer Auflösung von 1/192 PPQ möglich, von denen sich vier auf der gleichen Page befinden, also gemeinsam bedienbar sind. Insgesamt sind bis zu 64 Pages (=Patterns) möglich. Die Pages lassen sich hintereinander hängen, um maximal 64 Steps lange Patterns zu erzeugen. Jeder Track kann einen eigenen MIDI-Kanal haben und MIDI-Noten, Velocity, Pitch, Länge und Midi-Controller beinhalten sowie die Definition seines Startsteps. Editiert werden die Parameter über die Dreh-Encoder, von denen es insgesamt neun Stück gibt. Nemo hat auch einen USB-Anschluss, der bislang aber nur für Updates des Systems gedacht ist, außerdem kann man auch eine USB-Lampe anschließen.

nemohhh2

Spezialitäten
So weit, so verhältnismäßig unspektakulär. Aber jetzt geht es erst richtig los. Die Tracks können unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen laufen: vorwärts, rückwärts, hin und zurück, zufällig sowie im Brownian-Muster, was eine Chance von zwei Dritteln Vorwärtslauf und einem Drittel Rückwärtslauf bedeutet. Das sind aber nur die Presets. Die Page Mutator Remix Funktion sorgt für neue Variationen eines Tracks, bei leeren Tracks erzeugt sie eine Zufalls-Sequenz. Die Tracks können sowohl sich selbst als auch andere Tracks modulieren, was aber nur innerhalb einer Page von oben nach unten geht: Tracks, die weiter oben liegen, können die darunterliegenden modulieren. Noch spannender wird das dadurch, dass Tracks moduliert werden und gleichzeitig selbst andere Tracks modulieren können, was interessante
und teilweise recht unvorhergesehene Ergebnisse ergibt. Track Speed erlaubt individuell einstellbare Geschwindigkeiten für die einzelnen Tracks. Die individuellen Geschwindigkeiten sind dabei immer ans Master Tempo gekoppelt, also Teiler oder Multiplikatoren.
Mit Force To Scale lässt sich jeder Track in eine vorgegebene Skala pressen, neben den vier Preset-Skalen (Pentatonisch, ganze Noten, Dur und Moll) können bis zu vier weitere selbst programmiert werden. Features wie Chord Steps aus bis zu sieben verschiedenen Noten und Chord Strumming wie beim Gitarrespielen sind da fast schon wieder Standards. Damit man bei der Fülle an Möglichkeiten in der Hitze des Gefechts nicht die Übersicht verliert, gibt es eine Snapshot-Funktion, mit der sich die gerade editierte Version eines Tracks im Speicher halten lässt, außerdem zeigt eine LED immer an, aus welchem Modus man gerade gekommen ist.

Fazit
Der Nemo ist für alle, die Rechner-müde sind oder aber auch nie im Traum daran gedacht haben, Sequenzen im Rechner zu basteln, auf jeden Fall eine Überlegung wert. Solide gebaut, nicht zu groß (wenn auch leider knapp zu groß fürs Handgepäck) und in seinen Möglichkeiten extrem vielfältig, dabei aber stets gut und direkt zu bedienen. Ganz billig ist das Vergnügen mit 1399 Euro nicht, dafür bekommt man aber ein Sequenzer-Instrument, mit dem man lange Spaß haben und viel machen kann.

Genoqs

Anschlüsse: 2 x MIDI In, 2 x MIDI Out, Netzteilanschluss, USB-Anschluss

Preis: 1399 Euro

One Response

  1. b3rn4rd

    Der Test geht nicht ansatzweise auf die Möglichkeiten des Gerätes ein, und auch das Video zeigt leider nur einen Track, den man mit jedem anderen Sequencer auch hätte realisieren können. Schade eigentlich.

    Reply

Leave a Reply