Das Haken Continuum Fingerboard ist ein außergewöhnliches Instrument

Das Haken Continuum Fingerboard ist ein außergewöhnliches Instrument, das auf einem genauso eigenwilligen wie expressiven Konzept basiert. Mit winzigen Stückzahlen und dem Preis eines mittleren Gebrauchtwagens hält es sich bereits fünf Jahren auf dem Markt, ein Test war also mehr als überfällig.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 142

Das Haken Fingerboard ist ein länglicher Kasten, dessen “Keyboard” eine elastische, teppichbodenartige Oberfläche mit aufgedruckter Klaviatur ist. Gespielt wird es, indem man die Finger auf den Teppich legt und auf die Oberfläche drückt. Man kann aber auch beidhändig quer über die Oberfläche streifen, um das Fingerboard wie einen Ribbon Controller zu benutzen. Für bis zu 16 Finger gleichzeitig werden Werte für Tonhöhe, Anschlagsstärke und vertikaler Position auf dem Board erzeugt, die als MIDI oder über den separat erhältlichen Continuum Voltage Converter als CV-Werte für analoge Synthesizer ausgegeben werden. Anschlussseitig ist das Fingerboard übersichtlich bestückt: Neben einem analogen Stereoausgang für die interne Klangerzeugung gibt es je einen digitalen Ein- und Ausgang im AES3-Format, ein MIDI-Out, der auch als Anschluss für den Voltage Converter dient, und zwei Pedalanschlüsse. Schließlich gibt es noch eine Kopfhörerbuchse für die interne Klangerzeugung.

Konfigurieren …
… lässt sich das Fingerboard wahlweise intern mit einem Button, der zusammen mit der Oberfläche zur Anwahl verschiedener Parameter dient (etwas umständlich), oder komfortabel mit dem Software Continuum Editor. Hier lassen sich MIDI-Controller den einzelnen Achsen zuweisen, die Pedale diversen Funktionen zuordnen und die Oktavlage, der Grundton und die Spielweise (zur Verfügung stehen Legato, Portamento und Retrigger) bestimmen. Außerdem gibt es verschiedene Split-Modi, Intervalle und Tunings, die eine genaue Anpassung an die persönlichen Präferenzen erlauben. Auch der Continuum Voltage Converter wird hier konfiguriert und, falls vorhanden, auch Kyma.

Spielgefühl
Zu Anfang ist das Spielgefühl schon ziemlich speziell, irgendwo zwischen Ribbon Controller, Keyboard und Teig kneten. Beim Spielen merkt man aber recht bald, wie präzise und schnell das Gerät auf Eingaben reagiert und wie viel mehr es mit einem eigenständigen Instrument gemeinsam hat als mit einem schnöden Controller. Auf jeden Fall sollte man sich aber vor einer Session die Fingernägel schneiden, sonst macht man die Oberfläche früher oder später unweigerlich kaputt, auch Katzen sollten tunlichst nicht ans Fingerboard gelassen werden.

Interne Klangerzeugung
Das Fingerboard besitzt auch eine interne Klangerzeugung, die optimal auf die Ausdrucksmöglichkeiten der Oberfläche angepasst ist und auf einem Sharc DSP läuft. Die Anzahl der editierbaren Parameter ist relativ gering, dazu gibt es noch einen einfachen, aber gut klingenden Hall. Zur Verfügung stehen diverse Synthesearten: zwei verschiedene FM-Varianten, Pluckstring (eine Saiten-Emulation), Wind, Timbre Morph, Timbre Mute und Clinical Oscillator. Außerdem noch diverse experimentelle Varianten, unter anderem Mahling (gesamplete Sätze, die sich in verschiedenen Tonhöhen und Geschwindigkeiten spielen lassen) und fünf verschiedene Pitchshifter, mit denen man Audiomaterial bearbeiten kann, das über den digitalen Eingang kommt.

Bedienung und Sound
Das Fingerboard ist zweifelsohne ein sehr eigenständiges Instrument, das seine Stärken vor allem mit der internen Klangerzeugung und analogen Synthesizern wegen seiner schnellen Abtastgeschwindigkeit voll ausspielen kann, aber auch mit MIDI Spaß macht. Der Preis ist allerdings ziemlich astronomisch, aber durch Kleinstauflage, Handarbeit und den komplizierten Aufbau aus nicht standardisierten Bauteilen wohl trotzdem gerechtfertigt. Alles in allem eher ein Luxusartikel für den Keyboarder, der sonst schon alles hat.

Preis: 3650 Euro

deutscher Vertrieb: SchneidersBuero

Cerlsoundgroup

7 Responses

  1. pro.sec

    Also ich hatte immer Angst vor Klaviaturen und konnte mir nichts vorstellen, als ich es in diversen Viedeos gesehn hatte. Jetzt wo ich real spielen konnte weiß ich, dass es sein Geld absolut wert ist und für meine Arbeitsweise das passende…

    Take a look at… http://j.mp/dmId73

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