Für euch Probe gehört: ADAM, Mackie, Focal, Genelec, KRK und Dynaudio

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Thaddeus Herrmann in De:Bug 131

Den bestmöglichen Klang auf kleinem Raum: Das ist die Prämisse für Projektstudios und Bedroom-Produzenten. Preiswert soll es obendrein sein und je universeller man die Monitore einsetzen kann (sprich: nicht nur für die Produktion, sondern auch für das Musikhören allgemein), desto besser. De:Bug hat für euch einige Modelle auf Herz und Nieren geprüft. Von allen Herstellern haben wir die kleinsten Monitore angefordert. Generell verzichtet haben wir auch auf Subwoofer, allein den Klang der Boxen selber wollten wir unter die Lupe nehmen. Es ist kein vergleichender Test. Dazu sind die Monitore sowohl im Preis als auch in den Features zu unterschiedlich. Kaufentscheidend ist am Ende sowieso nur euer Ohr.
Eine Bemerkung vorab: Alle getesteten Monitore sind nicht für hohe Pegel ausgelegt. Egal, wie gut der Eindruck bestimmter Modelle bei durchschnittlicher Arbeitslautstärke auch war, drehte man die Lautstärke radikal auf, blieb vom guten Klang nichts übrig. Auch zeigten alle getesteten Monitore Schwächen im Tiefbass. Das ist der Kompromiss, den man bei kompakten Monitoren eingehen muss.
Für ein Pärchen unserer Test-Monitore muss man bis zu 1000 Euro hinlegen. Ein klares Fazit: Allein auf einen Hersteller sollte man sich in dieser Preisklasse nicht verlassen. Zwei preiswerte Pärchen unterschiedlicher Hersteller zu kaufen macht Sinn. Der direkte Vergleich wird dem finalen Mix mehr als gut tun.
Durchgeführt haben wir den Test im Studio des Berliner Musikers und Mastering-Engineers Helmut Erler, der der Musiktechnik-Redaktion der De:Bug schon mehrmals helfend unter die Arme gegriffen hat. Alle Monitore wurden zunächst eingepegelt und dann Exemplar für Exemplar getestet. Als Referenz-Monitore agierten die Genelec 1030A, die sowohl in Erlers Studio als auch beim Autor dieses Textes seit Jahren im Einsatz sind. Test-Musik waren Stücke von hey-o-hansen, der Band von Helmut Erler. Ein Best-Of erscheint noch vor dem Sommer auf Pingipung/Kompakt.

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ADAM A5

Wer mit seiner Musik kuscheln will, ist beim A5 von ADAM genau richtig, anders kann man den seidigen Klang des Berliner Herstellers nicht beschreiben. Räumlichkeit heißt hier nicht Breite, sondern Tiefe. Diese Tiefenstaffelung führt zu einer sehr intimen und gleichzeitig extrem direkten Wiedergabe der Musik, die bei allen hier getesteten Monitoren einzigartig und unerreicht blieb. Hierbei hilft vor allem der vom Hersteller selbst entwickelte Accelerating Ribbon Technology (ART), die in den Wandlern zum Einsatz kommt. Der Hochtöner besteht aus gefalteter Folie, eine Weiterentwicklung von Oskar Heils Air Motion Transformer. Durch diese Faltung wird erstens die akustisch wirksame Fläche der Membran gegenüber der Schallaustrittsöffnung deutlich vergrößert und durch die Bewegung der Falten zweitens eine Geschwindigkeitstransformation von rund 4:1 erreicht, sprich, die Luft bewegt sich schneller als die Folie selbst. Die sehr präsente und dynamische Wiedergabe kann im Studioalltag unter Umständen jedoch dazu führen, dass man sich mit dem Mix zu schnell zufrieden gibt. Im direkten A/B-Vergleich mit anderen Test-Monitoren war ein sofortiger “Druckabfall” spürbar. Sonst wird einem beim A5 nichts vorgegaukelt. Gerade in Punkto Räumlichkeit ist der A5 sehr schmalbandig, was im Mixdown ordentlich Arbeit bedeutet, die dann aber doppelt und dreifach belohnt werden dürfte. Absolut brillanter und einzigartiger Klang.

Leistung: 2 x 25W / Frequenzgang: 55 Hz – 35 kHz / Eingänge: XLR (symmetrisch), Cinch (unsymmetrisch) / Link: ja / EQ: Bass und Höhen, gerastert / Extras: Lautstärkeregelung für den Hochtöner / Gewicht: 5 kg
Preis: ca. 275 Euro/Stück
ADAM

dynaudio
Dynaudio BM 5A

Der BM 5A ist mit fast 500 Euro der teuerste Monitor in unserem Test. Aber dieses Geld, das merkt man gleich, ist rundum gut investiert. Fantastische Dynamik, sehr überzeugender, präziser Bass, luftige Höhen, omnipräsenter Punch. Auch hier wird dem User hilfreich unter die Arme gegriffen: Der interne Limiter schaltet sich automatisch zu, um den Bassverstärker zu schützen, und hilft auch das nicht, wird die Box automatisch gemutet, um Schlimmeres zu verhindern. Klanglich bleiben hier keine Wünsche offen. In alle Richtungen entfaltet der BM 5A seinen klaren und präsenten Klang. Eine Investition, die sich lohnt.

Leistung: 2 x 50W / Frequenzgang: 50 Hz – 21 kHz / Eingänge: XLR (symmetrisch) / Link: nein / EQ: Bass, Mitten, Höhen, gerastert / Filter: Highpass (gerastert) / Gewicht: 8,7 kg
Preis: ca. 495 Euro/Stück
Dynaudio

focal
Focal CMS 50

Die kleinen Studiomonitore des französischen Traditionsunternehmens spielen vor allem im Bass-Bereich ihre Stärken aus. Lauter, wärmer und runder als viele andere Monitore in unserem Test kann man hier problemlos höhere Lautstärken fahren, ohne Verzerrungen zu provozieren. Ein klarer Pluspunkt, denn natürlich will man auch seine kleinen Monitore so laut wie möglich betreiben können. Dafür muss man in punkto Präsenz Abstriche machen. Hier bleibt viel an der Oberfläche kleben. Die CMS 50 ziehen den Mix sehr in die Breite, da bleibt für Tiefenwirkung nicht mehr viel übrig. Wer auf diesen Monitoren produziert, wird sehr schnell ans Ziel kommen, leider aber auch noch schneller beim A/B-Vergleich enttäuscht werden. Hier ist Vorsicht geboten. Außerhalb des Studios sind die CMS 50 allerdings die totalen Spaßbringer. Warum der Hersteller diesen Monitoren Mute-Knöpfe verpasst hat, bleibt unklar.

Leistung: 1 x 80W (tief), 1 x 50W (hoch) / Frequenzgang: 55 Hz – 28 kHz / Eingänge: XLR (symmetrisch), Cinch (unsymmetrisch) / Link: nein / Filter: Highpass, LF Shelving, HF Shelving, Desktop Notch / Extras: Stummschalter / Gewicht: 7,7 kg
Preis: ca. 450 Euro/Stück
Focal, Soundservice (dt. Vertrieb)

genelec
Genelec 6010A

Auch wenn Genelec schon seit längerer Zeit sein Portfolio mit kleinen, extrem portablen Monitoren abrundet: So klein gab es Genelec-Sound noch nie. Das hat Auswirkungen. Der 6010A ist der perfekte Desktop-Monitor. Extrem klein ist er wie geschaffen, um all die medialen Inhalte des Rechners wiederzugeben. Zum Musikhören, DVD schauen oder auch fürs Gaming bekommt man hier eine platzsparende Lösung mit dem typischen Genelec-Klang. Für die Musikproduktion ist der Schreibtisch-Buddy allerdings nicht zu empfehlen. Das ist kein Beinbruch, dafür ist er auch gar nicht ausgelegt. Als alternative Abhöre in Mix-Situationen ist er trotzdem durchaus verwendbar. Kleine Maße und die finnische Entwickler-Erfahrung muss man allerdings ziemlich teuer bezahlen. Eine völlig andere Geschichte ergibt sich, wenn man den Subwoofer 5040A dazu nimmt.

Leistung: 2 x 12W / Frequenzgang: 74 Hz – 18 kHz / Eingänge: Cinch (unsymmetrisch) / Link: ja / EQ: Bass-Tilt (drei Stufen), Desktop Control / Gewicht: 1,4 kg
Preis: ca. 199 Euro/Stück
Genelec, Audio Export (dt. Vertrieb)

krk
KRK VXT4

Die Monitore von KRK heimsen Lobeshymnen en masse ein und schon beim kleinsten Modell der VXT-Serie wird klar, warum. Zunächst fällt die fein austarierte Räumlichkeit auf. Hier klingen selbst unfertige Mixe schon nach großem Kino, sind luftig, offen und doch tight. Der VXT4 ist ein 3D-Monster, das gerade im Bass seine Stärken ausspielen kann. Die quietschegelb gewebte Bass-Membran tanzt schneller als Spongebob. In den Höhen wünscht man sich manchmal ein wenig mehr Brillanz, das Hörerlebnis bleibt aber so oder so mehr als amtlich. Zum wirklich mehr als überzeugenden Klang und der perfekten Räumlichkeit kommen aber noch andere Features hinzu, die die VXT4 attraktiv machen. Je kleiner die Boxen, desto lauter dreht man sie in Extremsituationen. Damit hier nichts passiert, lässt sich ein Limiter zuschalten. Alternativ kann man sich Clippings auch optisch anzeigen lassen. So hat man die Belastungsgrenze seiner Monitore immer im Blick. Das verhindert Herzinfarkte, Hörstürze und Garantiefälle. Rundum überzeugend, der Preis ist mehr als gerechtfertigt.

Leistung: 1 x 30W (tief), 1 x 15W (hoch) / Frequenzgang: 56 Hz – 22 kHz / Eingänge: XLR/Klinke-Combo / Link: nein / EQ: nein / Extras: Erdfreischalter, Limiter, Clipping-Anzeige / Gewicht: 6,4 kg
Preis: ca. 280 Euro/Stück
KRK

mackie
Mackie MR5

Einen überraschend guten Eindruck hat dieser preiswerte Monitor von Mackie gemacht. Der Sound ist angenehm klar, der Bass geht tief und die Mitten haben erfreulich wenig Haltegriffe. Gleichzeitig fehlen beim MR5 die Alleinstellungsmerkmale. Alle Arbeiten werden sauber und in akzeptabler Qualität ausgeführt. Im HiFi-Segment sucht man eine derartige Qualität zu so einem Preis vergeblich. Wer einen Allrounder sucht, ist bei Mackie richtig aufgehoben. Ob sie im Studiobetrieb langfristig ein verlässlicher Partner sind, hängt von der jeweiligen Arbeitsweise des Produzenten ab.

Leistung: 1 x 100W (tief), 1 x 50 W (hoch) / Frequenzgang: 60 Hz – 20 kHz / Eingänge XLR und Klinke (symmetrisch), Cinch (unsymmetrisch) / Link: nein / EQ: Höhen und Bässe (gerastert) / Gewicht: 6,5 kg
Preis: ca. 195 Euro/Stück
Mackie

yamaha
Yamaha HS 50M

Der NS10 von Yamaha gilt als Nahfeld-Klassiker. Mit der HS-Serie wird diese Tradition fortgesetzt. Kompromisslos wird auf den HS 50M alles klein gedrückt, die Wörter Spaß und Musikgenuss kommen im Vokabular von Yamaha nicht vor. Keine Räumlichkeit, kein tighter Bass, keine brillanten Höhen. Dazu kommt eine Betonung der Frequenzen, die im Mixdown und beim Mastering generell problematisch ist. Was nach einer Katastrophe klingt, ist vom Hersteller so gewollt und für den Erfolg der Monitore verantwortlich. Wer seinen Mix auf diesen Boxen zum Leben erweckt und Rocken bringt, kann sicher sein, dass selbst das Premaster auf anderen Monitoren alles wegbläst, was man je vorher gehört hat. Für den Studiobetrieb sind die HS 50M damit eigentlich ideal, auch wenn Anfänger sich zunächst die Haare raufen dürften. Mit 160 Euro pro Stück sind sie zudem auch noch so preiswert, dass man sich noch ein zweites Paar Monitore leisten kann – mit höherem Spaßfaktor und zum Realitäts-Check, wenn man vor den HS 50M Blut und Wasser geschwitzt hat.

Leistung: 70W / Frequenzgang: 55 Hz – 22 kHz / Eingänge: XLR und Klinke (unsymmetrisch) / Link: nein / EQ: Mitten / Filter: High Trim, Low Cut (gerastert), Room Control / Gewicht: 5,8 kg
Preis: ca. 160 Euro/Stück
Yamaha

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