Acid zum Mitnehmen, Midi zum Selbermachen

Nun ist sie da, Korgs analoge Minigroovebox Monotribe und mobil ist sie auch noch: neben dem nicht mitgelieferten 9 Volt-Netzteil kann man sie mit 6 AA-Batterien bestücken und mit dem nach unten gerichteten eingebauten Lautsprecher auch unterwegs ganz schön Krach machen.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 154

Klangerzeugung
Die Klangerzeugung der Monotribe ist einfach, aber effektiv: ein VCO mit Sägezahn, Dreieck oder Rechteck, zumischbares weisses Rauschen, drei Hüllkurvengeneratoren statt ADSR und ein LFO, der wahlweise den Filter und oder den Oszillator modulieren kann. Die Tonhöhe wird per Oktavdrehregler bestimmt, der LFO bietet drei Wellenformen und kann wahlweise schnell, langsam oder als Oneshot genutzt werden, für Geschwindigkeit und Intensität der Modulation gibt es je einen Drehregler, ebenso für Cutoff und Resonanz (heisst hier Peak) des Filters. Gemischt wird über kleinere Drehknöpfe für den Synthesizer, das Rauschen und die Drumparts.

Sequenzer
Die Monotribe kommt mit einem 8-Step-Sequenzer, über den Synthesizer und Drumspuren programmiert werden können, genau ein Pattern lässt sich abspeichern. Die Drums (Bassdrum, Snare und Hihat), deren Klangformung leider nicht veränderbar ist, lassen sich klassisch pro Step setzen. Mehr Möglichkeiten gibt es für den Synthesizer: auch er lässt sich pro Step setzen, kann aber auch mit der kleinen Folientastatur eingespielt werden. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: einmal auf Noten quantisiert (ist schon ein wenig fitzelig, die auf der Minitastatur auch zu treffen) abhängig von der eingestellten Oktavlage und indem die Folientastatur als Ribbon Controller fungiert, der eine Bandbreite von einer (Narrow) oder allen Oktaven (Wide) bietet. Um mit dem Ribbon Controller eingewischte oder der Folientastatur gespielte Sequenzen auch genau so abspielen zu können , wie sie eingespielt wurden gibt es den Flux-Button, der die Quantisierung außer Kraft setzt und schlicht das wiederholt, was aufgenommen wurde. Der lässt sich auch im laufenden Betrieb an- und ausschalten, was schnelle Variationen einer Sequenz erlaubt. Nachträglich aufnehmen oder dazuspielen lassen sich auch die Notenlängen und zwar über den Gate-Time Button, indem man im Overdub oder im Play-Betrieb über die Folientastatur schliddert. Schließlich können einzelne Steps über die Active-Step Funktion aktiviert und ausgeschaltet werden, womit sich die Sequenz schnell und umfangreich variieren lässt.

Anschlüsse an die Außenwelt
Als die Monotribe vorgestellt wurde ging ein großes Stöhnen durch die Reihen der Korg-Fans wegen des fehlenden MIDI-Anschlusses, denn die Monotribe kann nur per Audiosignal getriggert werden. Das klingt allerdings komplizierter als es in der Praxis dann ist: per Miniklinkenanschluss kann ein Triggersignal empfangen und auch gesendet werden. Dabei ist die Monotribe erfreulich genügsam, was ihr Triggersignal angeht: Hauptsache es hat einen ordentlichen Attack und ist nicht viel zu laut, stereo oder mono ist eher egal. Natürlich braucht man dafür ein Audiosignal, was nur für die Synchronisation verschwendet wird, wer mit Mac-Laptop live spielt, kann dafür aber beispielsweise die interne Soundkarte nutzen (einfach ein Aggregated Device erzeugen). Das Triggern bietet aber auch Vorteile, indem sich die Monotribe nicht nur mit regelmässigen Signalen, sondern auch mit geshuffelten oder völlig zufälligen füttern lässt. Ansonsten gibt es einen großen Monoklinkenausgang, einen Kopfhörerausgang als Miniklinke, einen Audioeingang als Minklinke und den Anschluss für ein externes Netzteil.

Filtern
Anders als beim Monotron kann man die Monotribe nicht als reinen Filter für externe Signale nutzen, denn die werden immer mit der internen Klangerzeugung gemischt. Das mag zunächst als Nachteil und Einschränkung erscheinen, bietet aber recht abgefahrene Ergebnisse.

Modden
Inzwischen gibt es auch diverse Anleitungen dafür, wie man die Monotribe mit MIDI ausstattet (MIDI ist platinenseitig nämlich seltsamerweise vorgesehen) zum Beispiel das folgende Video:

Die komplette Anleitung für den MIDI-Mod findet ihr hier. Darüberhinaus gibt es aber auch noch Mods für CV In (hier), Einzelausgänge der Drums (hier) und diverse andere Features.

Fazit
Die Bedienung ist auch ohne Handbuch schnell verständlich, der Synthesizer erinnert klangtechnisch nicht nur an monophone Klassiker wie MS-20, TB-303 und natürlich den Monotron, sondern hat eine unerwartet große Bandbreite und erstaunlich viel Druck. Die drei nicht editierbaren Drumsounds sind da weniger spektakulär und eher eine nette Dreingabe als ein wirklich nützliches Tool. Trotz minimalistischem Speicheransatz (ein Pattern) lässt sich mit der Monotribe aber eine Menge anstellen, als Analogsynthbegleitung fürs Liveset macht sie eine gute Figur. Für den gleichen Preis gibt es als Alternative den MFB Nanozwerg, der als halbmodularer Synth deutlich mehr Klang- und Steuerungsmöglichkeiten (MIDI und CV/Gate) bietet, aber ohne internen Sequenzer kommt. Die Monotribe ist da eher die kleine Acidmaschine für unterwegs, was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn mit ihrem internen Lautsprecher und den Batterien ist sie überall gleich einsatzbereit. Lohnt sich!

Korg

Preis: 199,- Euro

4 Responses

  1. Im Test: Korg Monotribe – Aquarium Pumpen

    […] Im Test: Korg Monotribe Anders als beim Monotron kann man die Monotribe nicht als reinen Filter für externe Signale nutzen, denn die werden immer mit der internen Klangerzeugung gemischt. Das mag zunächst als Nachteil und Einschränkung erscheinen, bietet aber recht … Read more on De:Bug […]

    Reply

Leave a Reply