Mein Gott, es ist voller Blinklichter: Korg Zero4 Live Control Mixer

Der Zero4 ist auf den ersten Blick ein klassischer 4-Kanal-DJ-Mixer, auch wenn einen die üppige Poti-Ausstattung aller Kanäle schon deutlich auf die eigentliche Kraft und die mannigfachen Einsatzmöglichkeiten des slicken Gerätes hinweist. Der Zero4 ist der perfekte Begleiter für all die, die analoges und digitales DJing vermischen wollen, das Beste aus beiden Welten für ihren Ritt durch die Nacht brauchen.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 123

Basics
Der Zero4 ist ein mit 24Bit operierender Digital-Mischer, der Samplefrequenzen von 44,1, 48, 96 und 192 kHz unterstützt. Jedem Kanal stehen eine Reihe von Effekten zur Verfügung (LFO Lo- und Highpass, Phaser, Flanger, Slicer, Pitchshift, Delay und Tape Echo), die durch die Bank gut klingen und direkt am Kanal geregelt und manipuliert werden können (Time, Modulation, Feedback und Dry/Wet). Aufgeschaltet werden sie per Kippschalter, die, radikal runtergerissen, den ganzen Kanal muten … Ausgesprochen praktisch. Alle Kanäle sind mit identischen Inputs versehen: Guitar (Input auf dem Frontpanel des Mixers), Mic (dito), Phono, Line, CD/Line. Außerdem kann jeder Kanal in den Einstellungen Audio, Audio/MIDI und MIDI per Firewire mit dem Rechner verkoppelt werden, denn: Der Zero4 ist nicht nur ein “normaler” Mischer, sondern auch ein Firewire-basiertes Audio/MIDI-Interface, dazu später mehr. Die Poti-Sektion aller vier Kanäle ist farblich hinterlegt: Im Audio-Betrieb leuchtet sie orange, sobald der Computer angesteuert wird, grün. Sehr sexy und ebenso praktisch im dunklen Club. Cue-Buttons und das Crossfader-Assignment (jeder Kanal lässt sich beliebig auf links oder rechts routen) runden die Kanäle ab. Die Master-Sektion kommt mit BPM-Counter-Einheit (automatisch oder per Tab bedienbar), einer weiteren Effekt-Sektion (Phaser, Flanger, Jet, Delay, Tape Echo, Lowpass, Highpass, Auto Pan und Bypass – komplett mit X- und Y-Reglern für die Effekt-Manipulation), der Sample-Sektion mit Kanal-Selektor und einem Drehregler für die Länge des Loops (zwischen 4/1 und 1/256) sowie einem Fader für das Mischverhältnis zwischen Sample und Effekt. Auf der Vorderseite des Mixers schließlich befinden sich Kopfhörer-Eingang, der EQ-Selektor (hier stehen fünf Presets plus drei Isolatoren und drei Filter zur Verfügung) und die Auswahl der Fader- und Crossfader-Kurve, inkl. Reverse-Modus.

Der Traktor und ich
Die digitale Integration in der Welt der DJ-Mischer ist nicht mehr aufzuhalten. Systeme wie NI’s Traktor Scratch machen das unvermeidlich. Und so ist auch Korgs Zero4 bereits komplett für das digitale System zertifiziert. Ist ein Zero4 also im Club installiert, kann man seine Scratchbox beruhigt zu Hause lassen. Das Ganze funktioniert tatsächlich im lässigen Plug-and-Play-Modus. Rechner per Firewire an den Mixer angeschlossen, die Traktor-Scratch-Software geladen und los geht’s. Warum man in diesem Betrieb allerdings die Decks auf die Kanäle 1 und 2 routen muss, ließ sich selbst in den Korg-Foren nicht vollständig recherchieren … sei’s drum. Alles funktioniert reibungslos. Traktor Scratch erkennt den Mixer sofort als Soundkarte und nichts steht unserem Mix im Wege. Auch im MIDI-Mode reagiert der Zero4 sofort. Kein Wunder, dass der Mixer mit einer spezifischen Version von Ableton Live Lite 6 ausgeliefert wird: Er ist wie geschaffen für eine Hybrid-Lösung, im DJing sowie im Controlling anderer Software-Produkte, auch wenn das beim großen Bruder, dem Zero8 wahrscheinlich erst richtig interessant wird. Der Zero4 ist und bleibt ein DJ-Pult, allerdings eines, das einem spielend Zugriff auf weit mehr Funktionen gibt, die man traditionell gewöhnt ist.

Verarbeitung, Bedienung und Klang
Der Zero4 ist hervorragend designt und verarbeitet, auch wenn er sich mit (noch) teureren Mixern wie dem Allen&Heath Xone 3D nicht messen kann. Dennoch machen die Potis einen guten Eindruck, sind griffig und sitzen ausreichend fest auf der Platine. Die Fader sind leichtläufig und in keinster Weise gewöhnungsbedürftig. Dampf hat der Zero4 sowieso und auch die EQs klingen sehr anständig. Die Finger haben an den Kanalzügen ausreichend Platz, um auch zwei Parameter gleichzeitig problemlos zu bedienen. Die farbliche Hinterlegung der Kanäle ist wirklich eine geniale Idee und hilft im Dunkeln ungemein. Die sensationelle Digital-Integration und Design-Tricks wie die leuchtenden Kanäle lässt sich Korg natürlich bezahlen: 1200 € kostet der Zero4 durchschnittlich. Ich halte diesen Preis aber für eigentlich in Ordnung, kann man doch gleich loslegen, bekommt Ableton Live Lite 6 dazu und einen 50%-Rabatt auf Traktor Scratch. Wer an der Schnittstelle zwischen Auflegen und Produzieren arbeitet, sollte sich den Zero4 auf jeden Fall genauer anschauen.

Straßenpreis: ca. 1200 Euro

Korg