2004 macht der Lemur eine ziemliche Welle in der Musikproduktion, ein flexibel programmierbarer Multitouch-Screen als Controller für Musik und Video war Neuland. Doch das Tablet war teuer, der kleine Hersteller Jazzmutant verlor schließlich den Kampf gegen Apple und das iPad als preiswerte Alleskönner-Alternative. Jetzt ersteht die Software auf genau diesem Tablet wieder auf. Die Controller-Experten von Liine machen es möglich.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 163

Die Macher von Liine haben unter anderem mit Griid und Kapture Pad ihre Fähigkeiten in Sachen Controller-Apps für das iPad schon eindrucksvoll bewiesen. Sämtliche Patches der Original-Lemuren lassen sich auch auf dem iPad (und zur Not auch auf iPhone und iPod Touch) nutzen, dafür müssen sie aber hochskaliert werden, denn der Hardware-Lemur hatte zwar ein größeres Display, aber eine geringere Auflösung.
Das funktioniert schnell und automatisch mit der Stretcher App, kann im Editor aber auch einfach per Hand gemacht werden. So hat man von Anfang an Zugriff auf eine seit Jahren erprobte und gewachsene Library, in der sich so einige abgefahrene Controller-Perlen finden lassen: Sequenzer, Modulatoren, Remotes, Editoren für Hard- und Software und Video-Controller, um nur einige zu nennen. Lemur unterstützt OSC und MIDI über WiFi, aber auch Core MIDI. Es bleiben also alle Optionen offen. Da die Patches direkt in der App speicherbar sind, kann man den Controller nicht nur mit allen möglichen Programmen, sondern auch ganz ohne Rechner mit externer MIDI-Hardware benutzen.

Lemur Editor
Mit dem Editor für OS X und Windows lassen sich neue Patches basteln oder vorhandene modifizieren. Ohne Vorwissen ist das die beste Lösung, denn in der User Library gibt es jede Menge Patches zu entdecken, von denen sich einiges lernen lässt. Besitzer des Original-Lemurs dürften sich im Editor schnell zurechtfinden, fast alles funktioniert wie gehabt, im Zweifel eher etwas komfortabler. Lemur kommt mit einer großen Auswahl an Controller-Objekten, die sich sehr vielfältig in der Farbe und der Funktionalität anpassen lassen. Buttons, Fader, Drehregler, Switches und Pads gehören zu den Standards, richtig interessant wird es jedoch mit Multiball, Ringarea und Co., die physikalische Modelle nutzen, um die verschiedensten Parameter zu modulieren.

Mit Lemur für iOS kann man sich die Patches zwar nicht ganz ohne Vorwissen einfach zusammenklicken, das Eintauchen in OSC, MIDI und die gesamte Lemur-Welt wird einem mit dem Editor jedoch ziemlich leichtgemacht, ein klein wenig Konzentration vorausgesetzt. Hilfreich sind dabei nicht nur die verständlichen Tutorial-Videos auf der Liine-Seite und das gute Manual, sondern auch die MouseOver-Hints im Editor und die Tatsache, dass sich die Patches während des Editierens testen lassen, wenn man das iPad mit dem Rechner verbunden hat.

Mit Copy & Paste lassen sich die gewünschten Features auch aus anderen Patches zusammenklauben und schnell und einfach in eigene integrieren. Sowohl der Editor als auch die App selbst laufen sehr stabil und zuverlässig, dem Live-Einsatz steht also nichts im Weg. Aber auch im Studio ist der Lemur ein sehr nützliches Tool. Mit der iOS-Version wurde dem Lemur nach seinem Hardwaretod verdientermaßen neues Leben eingehaucht.

Preis: 39,99 Euro

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Liine

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