Modularsystem nach dem Lego-Prinzip

Mit Lego zu spielen macht Spaß: einfach ein paar Steine zusammenstecken und schon entwickelt sich daraus nach und nach etwas Neues. Musiker haben schon lange auf etwas gewartet, das nach dem gleichen einfachen Prinzip funktioniert, sich dabei aber mit modularer Synthese beschäftigt. So kam es zu diversen Prototypen, die zum Teil tatsächlich auch Legos benutzten. LittleBits haben jetzt in Zusammenarbeit mit Korg das Konzept der zusammensteckbaren, spielzeugartigen Modularsynthese realisiert.

von Peter Kirn aus De:Bug 178

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Das littleBits Synth Kit besteht aus einer Reihe von Modulen, die im Set für 159 Dollar (plus Versand) zu haben sind. In der Box befinden sich die Grundmodule die man für einen einfachen Synthesizer braucht, inklusive Oszillatoren, einer Hüllkurve, einem Filter, einem Delay, sowie einem Stepsequenzer und einem Keyboard. Das Synth Kit ist der erste Synthesizer von littleBits, aber nicht ihre erste Hardware. Das Startup aus New York hat bereits jede Menge Aufmerksamkeit für ihr Bemühen bekommen, Kindern das Basteln mit Elektronik mit ihren Modulen nahezubringen. Ähnlich wie beim Arduino lassen sich mit den littleBits Licht, Motoren, Sensoren und ähnliches zur eigenen Hardware kombinieren. Anders als beim Arduino müssen dafür allerdings keine Kabel verlegt und Widerstände eingebaut werden, alles läuft mit einer 9-Volt-Batterie und wird über kleine Magnete miteinander verbunden. Module zusammenbauen und Prototypen erstellen wird so tatsächlich mit schlichtem Zusammenstecken möglich.

Auch mit dem Synth Kit geht das genauso einfach: einen Oszillator mit dem anderen verbinden, schon hat man Frequenzmodulation. Mit den „Split“- und „Mix“-Modulen lassen sich zwei verstimmte Oszillatoren zusammen mischen. Eine Drummachine bekommt man durchs Zusammenstecken eines Noise-Oszillators mit dem Sequenzer. Der wiederum lässt sich auch vor einen anderen schalten, um zufällige Tonhöhenmodulationen im Sample&Hold-Stil zu erzeugen.

Die Stärke des littleBit Synth Kits in Sachen Sound ist die Kollaboration mit Korg. Tadahiko Sakamaki, verantwortlich unter anderem für den KAOSSilator und die nanoSERIES, sowie Tatsuya Takahashi, maßgeblich für die Volcas und die monotron-Serie verantwortlich, haben tatkräftig mitgearbeitet. Die Klang-DNA der monotrons findet sich auch im Synth Kit wieder: sowohl der analoge Oszillator als auch das Delay stammen aus der monotron-Serie. Der Filter wiederum stammt aus dem MS-20 (die zweite, etwas cleanere Variante, nicht die aus dem MS-10/MS-20 von 1978).
Dementsprechend macht das Synth Kit soundmässig viel Spaß. Das Delay hat den ganz bestimmten monotron Delay-Sound, der Filter – ob selbstoszillierend oder beim Filter-Sweep – bringt reichlich MS-Charakter mit.

Was man allerdings nicht erwarten kann, ist ein komplettes, ausgewachsenes Modularsystem für 159 Dollar. Das magnetische Design ist auf seine Weise genial, aber genau wie man kein richtiges Haus aus Lego bauen würde, löst sich die Magnetverbindung relativ einfach und führt zu Strom- und Sound-Aussetzern. Die Teile sind sehr klein, und im zusammengebauten Zustand zuweilen instabil, es gibt kein MIDI und der Rauschabstand ist nicht gerade das, was man High-Fidelity nennen könnte (auch wenn ein Teil des Charmes natürlich gerade durch den LoFi-Sound entsteht).

Ein paar dieser Probleme dürften in Zukunft behoben werden: Laut littleBits soll es bald ein MIDI-Modul geben, vielleicht auch noch andere, falls das Synth Kit ein Erfolg wird. Außerdem gibt es einen zukaufbaren Plastikrahmen, der den zusammengesteckten Modulen mehr Halt gibt; wahlweise lassen die sich auch auf die eigene DIY-Keytar kleben, wie littleBits in der Anleitung empfehlen. Dazu kommt natürlich noch das schlichte Problem, dass man bei nur zwölf Modulen schnell an die Grenzen der Erweiterbarkeit gerät. Mit nur einem Split- und einem Mix-Modul und der begrenzten Zahl der anderen Module ist einfach nur eine begrenzte Anzahl an Kombinationen gegeben.

Wenn man das littleBits Synth Kit allerdings als eine Art Sound-Lego sieht, ist es durchaus sinnvoll. Um Kindern Synthese und Klangfluss nahezubringen, hat es bisher nichts ähnlich direktes gegeben. Auch Erwachsene können damit unglaublich einfach in Sekunden Hardware zusammen zu basteln. Gemeinsam mit ein paar anderen littleBits-Modulen, zum Beispiel LEDs, Motoren, Touchsensoren, Sound-Eingang und so weiter, lassen sich dann schnell aus einem Synth kinetische Skulpturen bauen oder mit neuen Eingabemöglichkeiten experimentieren.

Wie bei Lego muss man aufgrund der Einfachheit auch Abstriche in Kauf nehmen: wer selbst Instrumente bauen kann, kommt mit weniger Geld zu zuverlässigeren und besseren Ergebnissen. Aber auch Leute mit entsprechenden Kenntnissen dürften durchaus Gefallen finden an der spielzeugartigen Herangehensweise beim littleBits Synth Kit, besonders im Zusammenhang mit dem Korg-Sound.

Preis: 159 Dollar

littleBits

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