Das iPad als Controller für Ableton Live

Ein Touchscreen in der Kombination mit Ableton Live? Sehr praktisch, das wissen wir spätestens seit Jazzmutants Lemur. Da kommt das iPad gerade recht: Deutlich größer als iPod touch und iPhone ist es wurstfingerkompatibel und kostet gerade mal ein Viertel des Lemurs. Mit dem LiveControl-Template für TouchOSC (siehe auch De:Bug 142, Mai 2010) dürfte das iPad auch durchaus eine Konkurrenz für die Hardware-Controller von APC (APC 20 Test hier, APC 40 Test hier) bis Launchpad (Test hier) werden.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 144

TouchOSC ist eine App für iPad, iPod Touch und iPhone, mit der sich Open-Sound-Control (OSC)-Daten per WiFi senden und empfangen lassen. Das ist schneller als MIDI und bietet eine deutlich größere Auflösung. Also wie gemacht zum Fernsteuern von Programmen wie Traktor oder Reaktor. Oder eben Ableton Live, dem mit LiveControl-Template acht Pages für die Fernsteuerung der DAW zur Verfügung gestellt werden. Dazu braucht man, im Gegensatz zu anderen Controller-Lösungen aus der i-Familie, kein Max4Live, Ableton Live 8 muss es aber schon sein, ob Mac oder PC ist dabei egal.

Setup
Kleine Warnung vorab: Das iPad war, was die Beständigkeit der WLAN-Verbindung angeht, mit der aktuellen Firmware leider nicht besonders zuverlässig. Bei meinem Test-iPad war die immer mal wieder plötzlich unterbrochen, ohne dass es dafür einen nachvollziehbaren Grund gegeben hätte. Das ist mir im Testbetrieb mit TouchOSC/LiveControl zwar komischerweise nicht passiert (obwohl stundenlang verbunden), aber man sollte auf jeden Fall selbst testen, bevor man auf der Bühne die Verbindung verliert. (Update: seit dem iPad OS 3.2.1 ist das WLAN jetzt zuverlässig) Das Setup selbst geht wie mit allen TouchOSC -Templates über den kostenlosen Editor (Mac, Windows und Linux) vonstatten: WLAN-Verbindung herstellen, Template auf dem Rechner laden, TouchOSC auf dem iPad öffnen, Template vom Rechner an das Tablet schicken, fertig. Wer die Drums- und Keys-Pages nutzen will, muss allerdings vorher noch einen MIDI-Server einrichten, was mit dem mitgelieferten Installationsprogramm jedoch kein Problem ist.

Launcher
Los geht es mit dem für Ableton-Controller mittlerweile zum Standard gewordenen acht Tracks breiten Clip Launcher, der sechs Scenes und dazu Transporttasten, Navigation und Stoptasten zeigt. Mit der Shift-Taste lassen sich einzelne Clips selektieren ohne sie direkt zu triggern. Die werden dann im Sequenzer bearbeitet.

Mixer
Hier werden Lautstärke, Panning und die Sends eingestellt, dazu gibt es Tasten für Arm, Solo und Mute. Die Fader reagieren angenehm flott und sind durch ihre Länge präziser einstellbar, als man das zum Beispiel von der APC kennt.

Device
Auf der Device Page lassen sich acht Parameter des ausgewählten Instruments und/oder Effekts gleichzeitig über virtuelle Drehregler bedienen, wobei man bequem zwischen Devices und in deren Parametern navigieren kann.

Sequencer
Eine Spezialität, die man so auf keinem anderen Live-Controller findet, ist der Stepsequenzer. Hier lassen sich die Sequenzdaten ausgewählter MIDI-Clips in einer Pianorollenübersicht editieren. Je nach Zoomeinstellung ändert sich die Quantisierung, einzelne Tonhöhen lassen sich muten, was praktisch ist, wenn man zum Beispiel gerade Drums editiert oder im Liveset die Bassdrum muten möchte.

XY Pad
XY Pads gibt es gleich vier: Sie lassen sich mit allen Parametern belegen, die der entsprechende Device bietet, was ziemlich abgefahrene Livemodulationen erlaubt. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, als hätte man vier Kaoss Pads dabei.

Track
Auch hier gibt es noch einmal Arm, Solo und Mute, dazu lassen sich Lautstärke, Panning und Sends jedes Kanals auf den Standardwert zurücksetzen. Das ist vor allem sehr praktisch, wenn man sich im Livebetrieb beim Jammen verschraubt hat. Die einzelnen Kanäle werden hier auch auf den Cue-Ausgang gelegt.

Drums
Drums ist eine MPC-artige Oberfläche mit einer Matrix von 4×4 Pads. Für zusätzliche Kontrolle über weitere Parameter des jeweiligen Devices gibt es noch vier kleinere Drehregler und zwei Fader.

Keys
Keys ist, wie der Name schon andeutet, eine Keyboard-Emulation über zwei Oktaven, die sich unerwarteterweise ziemlich gut spielen lässt. Hier gibt es neben dem gleichen Controller-Block der Drums Page noch zwei Buttons für die Oktaven-Navigation.

Praxis
Trotz fehlendem haptischen Feedback ist Live mit LiveControl extrem intuitiv bedienbar. Einer der großen Vorteile gegenüber den Hardware-Controllern ist die Darstellung sämtlicher Parameter, die man gerade in der Mangel hat, so dass man den Laptop getrost schließen kann (geht auf dem Mac zum Beispiel mit Insomnia X, das das automatische Einschlafen verhindert). Außerdem sind die vier Touchpads pro Device, der Sequenzer und das Keyboard echte Alleinstellungsmerkmale. Im Vergleich zu Jazzmutants MU gibt es zwar keine ballistischen Controller, aber sonst ist LiveControl so gut wie ebenbürtig. Wer will kann sich LiveControl mit TouchOSC natürlich auch an die eigenen Bedürfnisse anpassen, was ein weiterer Vorteil gegenüber der Hardwarecontroller-Fraktion ist. Alle iPad-Besitzer, die nach so einer Lösung suchen, sollten LiveControl definitiv ausprobieren, TouchOSC ist sowieso ein Muss und wird demnächst hier noch mal ausführlich behandelt werden.

LiveControl Download

TouchOSC (Vorraussetzung für LiveControl)

Preis: 3,99 Euro

8 Responses

Leave a Reply