Die DAW in der Handtasche


Die bisherigen MacBook Airs waren zwar schick, leicht und transportabel, aber leistungstechnisch dann doch eher was für die erweiterte Handtasche als für Musikproduktion. Das ist mit der aktuellen Generation mit Core-i5 und Core i7-Prozessoren jetzt vorbei und Grund genug, sich das MacBook Air mal genauer anzusehen. Getestet habe ich hier die schnellste 13-Zoll Variante mit 1,8 GHz Core i7, 256 GB SSD und 4GB RAM, die 1650 Euro kostet.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 155

Übersicht
Wie schon seine Vorgänger ist auch das neue MacBook Air sehr spartanisch, wenn es um Anschlüsse an die Außenwelt geht: zwei mal USB 2.0, Thunderbolt, ein Kopfhörerausgang und im Fall vom 13-Zoll Modell noch ein SD-Kartensteckplatz, das wars, ein optisches Laufwerk gibt es nur extern. Wer eine Firewire-Soundkarte oder DSP-Lösung wie die UAD benutzt, bleibt so außen vor, die gelegentlich auf Ebay angebotenen Firewire auf USB-Adapter lassen sich dafür nicht nutzen. Thunderbolt verspricht mit seiner Datenrate von 10 Gbit/s (doppelt so schnell wie USB 3.0) aber wirklich interessant zu werden, wenn es um Soundkarten, Latenzen und gleichzeitig mögliche Audiospuren geht. Konkret angekündigt hat bisher Apogee ein Thunderbolt-Interface, aber auch Universal Audio hat betont, dass sie ihre DSP-Karte UAD demnächst in einer Thunderbolt-Version bringen woll, wann ist bei beiden aber noch unklar. Bis dahin ist man mit dem MacBook Air auf USB-Soundkarten angewiesen.

Speed
Schnell wirkt das MacBook Air schon beim Starten: in 17 Sekunden ist es komplett gebootet, dank flotter SSD (beim Disk Speed Test 250,2 MB/s Schreib- und 236,3 MB/s Lesegeschwindigkeit) öffnen sich Programme im Nu und auch spurentechnisch ausufernde Projekte sind nie durch zu langsame Festplatten gefährdet. Die SSD macht sich auch beim Installieren angenehm bemerkbar: Native Instruments Maschine war in fünf Minuten inklusive Library komplett installiert.
Verglichen mit meinem MacBook Pro vom letzten Jahr (2,4 GHz Core i5) ist es zum Teil deutlich schneller: der Geekbench-Score liegt bei 5758 im Vergleich zu 4866, selbst das langsamste MacBook Air hat mit 4552 immer noch fast soviel Leistung wie das alte MacBook Pro. Das merkt man auch deutlich an der Audio Performance: NIs Maschine, die keine dezidierte Multiprozessorunterstützung hat und daher auch schnellere Rechner mit vielen Effekten an ihre Leistungsgrenze bringen kann, lässt sich mit der internen Soundkarte und einer Latenz von 96 Samples noch knackfrei nutzen, wo das 2010er MacBook Pro schon bei 128 Samples ordentlich knackt. Ähnliches gilt für die Performance in Live, Logic und Cubase. Wer das MacBook Air so richtig leistungstechnisch überfährt (zum Beispiel Ableton Live mit einer Prozessornutzung von über 80 Prozent eine halbe Stunde laufen lassen) merkt schnell, dass Apple das Hitzeproblem noch immer nicht hundertprozentig im Griff hat, das MacBook Air wird dann ziemlich warm und der bei normaler Nutzung unhörbare Lüfter startet durch. Das ist aber auch ein Nutzungsszenario, das für den Livebetrieb, fürs Auflegen und selbst im Studio ziemlich unrealistisch ist.

Lion und Audio
Das MacBook Air wird nur mit Apples neuestem OS 10.7 aka Lion ausgeliefert. Zum Launch gab es etliche Audioprogramme, die mit Lion nicht klarkamen, weil Apple anscheinend Änderungen in Bezug auf die 64 Bit-Unterstützung gemacht hatte. Das ist jetzt (Stand 29. August) aber weitestgehend behoben: Logic war verständlicherweise von Anfang an kompatibel, ebenso Reason. Ableton Live hatte Abstürze mit MIDI, funktioniert aber inzwischen auch in der letzten Version 8.2.5 und Cubase ist ab Version 6.03 kompatibel, hat aber noch Probleme mit 32-Bit Plugins im 64-Bit Betrieb, Nuendo 5.5 ist dagegen voll kompatibel. ProTools 8 ist es noch nicht, es gibt aber auch hier zum Testzeitpunkt mit der Beta 9.05 eine funktionsfähige Version. Studio One von Presonus ist mit Version 1.6.5 kompatibel, und alle anderen haben für spätestens September Lion-Updates angekündigt.
Nicht so gut sieht es dagegen bei den DJ Programmen aus: Serato ITCH und Scratch Live funktionieren noch nicht, aber auch hier gibt es bereits kompatible Betas, Traktor Pro 2 funktioniert aber lediglich Algoriddims djay unterstützt Lion offiziell.
Bei Roaringapps (Link unten) gibt es eine ausführliche Liste mit (fast) allen Programmen in Bezug auf Lion.

Fazit
Wer kein Firewire für die Soundkarte braucht ist mit dem MacBook Air fürs Live spielen, Auflegen und auch im Studio leistungsmässig gut bedient und ziemlich mobil: leicht, schnell, mit sechs Stunden Akkulaufzeit bei normaler Nutzung relativ unabhängig und trotzdem robust. Wer für seine Produktionen große Sample-Librarys, mehr Schnittstellen und noch mehr Power braucht, für den dürften die MacBook Pros weiterhin die bessere Wahl sein.

Apple

Preis: ab 949,- Euro

Liste zur Lion-Kompatibilität

27 Responses

  1. Halo

    Soll nicht ein thunderbolt auf firewire adapter kommen?
    Schade das die mbpros 13″ nicht die gleiche display-auflösung
    haben. Mbpro SSD aufpreis für 256bg bei 600 euro. Habe lange überlegt
    und es wird das air. Danke für die infos als audiorechner. Evtl.
    kommt ja beim september event ein update für die pros damit sie
    schnell mit den airs gleichziehen.

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  2. Sven

    Danke, nach so einem Artikel hab ich gesucht! Nur nochmal zur Sicherheit: Ihr meint also schon, dass das aktuelle Air durchaus als ernsthafter Produktionsrechner für Ableton Live geeignet wäre? Ich könnte damit also mehrere Spuren (sagen wir so 15+) mit diversen EQs und Kompressoren und virtuellen Synthis und Co. beladen und das Ding würde damit zurechtkommen?

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  3. TeamO

    Kommt auf die Plugins/VSTs an. Mit Live-Eigenen denke ich mal dass das kein Problem sein sollte. Jedoch bedeuten mehr Spuren auch mehr Latenz und somit Soundeinbußen.

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  4. TeamO

    Wie schnell fährt ein Golf? (Motor, Baujahr, Leistung, Zustand Reifen, Wetter, Gewicht, …)
    Wie schon gesagt, kommt darauf an was die Spuren beinhalten. Reine Midispuren wahrscheinlich über hundert. Alles andere wäre gelogen.

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  5. Tai

    Der Rechner ist gut. Man sollte nicht vergessen, es ist mMn. ein klarer Zweitrechner. Eine Art Lösung zwischen iPad und richtigem Computer. Damit muss ich auch in den seltensten Fällen einen Endmix 600 km enfernt von meinem Studio machen. Zumindest die Logic User können über Gigabit Ethernet einen leistungsfähigen Rechner als Rechenknecht andocken. Von Thunderbolt erwarte ich dass es genau die Lösung ist, die minderbemittelte Rechner zu einem Produktionszentrum macht, indem es diese Rechner um PCI-e Steckplätze uä. erweitert.

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  6. harris

    wer die 1700 zakken für einen zweitrechner hat… bittesehr.
    dann doch lieber ein spielzeug im analoggerätepark… der nächste bitte.

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  7. terry bell

    ihr labert immer alle so ne tontechniker scheiße. euch könnte man doch 10 jahre in ein professionelles high end studio einschließen und ihr würdet nix reißen.

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  8. Tai

    Ooooch terrry bell, welche Laus ist uns denn über die Leber gelaufen? Aber ich finde das gut, dass uns mal jemand zur Ordnung ruft.

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  9. philbert desanex

    terriers die bellen wollen meist nur spielen oder aufmerksamkeit….@terrible…post doch mal nen link zu deinen werken, damit wir alle in ehrfurcht erstarren.

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  10. chester

    ach ich glaube so ähnlich hatten wir das schonmal, in blogs ein auf dicke hose zu machen scheint neuer volkssport zu sein…..da kommt nix!

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  11. terry bell

    meine musik befindet sich in der schweiz an einem unbekannten, verwunschenen ort, denn nur da ist sie sicher vor samplern, sequenzern und pitchfork.

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  12. clemisan

    Abseits von den Leistungsdaten Macbook Pro vs. Macbook Air ist es doch im täglichen Betrieb vielmehr von Interesse, dass sich beim Air (leider) nur maximal 4GB RAM einbauen lassen, das Pro dagegen 8GB unterstützt. Und bei jedem *NIX ist doch der Arbeitsspeicher das A und O, oder?!
    Warum wurde diese Tatsache im Bericht nicht berücksichtigt (für Musik unwichtig?) und wie sehen das die anderen Kommentierenden?

    Ich stehe nämlich mittelfristig vor der Entscheidung Air oder Pro…

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  13. Emelina Lameda

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  14. Trickle2007

    @clemisan: das air kannst Du online mit 8GB RAM ordern (war in 5 Tagen da, direkt aus Shanghai).

    Ich bin gerade dabei die ganzen Audio-Tools drauf zu packen und mal zu schauen, wie es damit läuft. Infos gerne, sobald ich welche hab :)

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