Hacken, löten, bratzeln

Der MeeBlip SE ist einer Zusammenarbeit von James Grahame und Peter Kirn entsprungen, die einen gut und einfach spielbaren, aber trotzdem hackfreundlichen Synthesizer bauen wollten.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 161

Zunächst mal ist der MeeBlip SE ein monophoner, virtuell-analoger Synthesizer im Desktop-Format, der ungewöhnlich leicht und ziemlich günstig ist. Klar, eine Platine wiegt nicht viel und auch das Plastikgehäuse trägt fast nichts zum luftigen Gewicht bei, aber trotzdem ist der MeeBlip recht robust verarbeitet. Die Oberfläche wird von acht relativ nah beieinander liegenden Drehreglern und einem Lautstärkeregler bevölkert, darunter gibt es sechzehn Switches, die neben der Klangformung auch für die Anwahl der sechzehn speicherbaren Presets und der Festlegung des MIDI-Kanals dienen. Versteckte Parameter gibt es nicht, alle sind vorbildlicherweise
direkt über die Oberfläche editierbar, so dass man direkt loslegen kann, ohne sich die Anleitung durchlesen zu müssen. Anschlussseitig gibt es einen Klinkenausgang, einen MIDI-Eingang und die Buchse für das 9-Volt-Netzteil.

Ausstattung
Im Auslieferungszustand hat der MeeBlip SE eine ziemlich klassische Architektur: zwei Oszillatoren (Sägezahn, Rechteck und Noise) mit Pulsweitenmodulation (für den ersten Oszillator) und FM, ein LFO, eine zweistufige Hüllkurve für das Filter und eine dreistufige für den VCA und ein vierpoliger Filter, umstellbar zwischen Tief- und Hochpass. Die Oszillatoren können gegeneinander verstimmt werden, der LFO bietet Sägezahn und Rechteck als Wellenformen, kann auf die Oszillatoren oder den Cutoff des Filters wirken und hat eine Zufallsfunktion. Keine Raketentechnik also, aber alles gut aufeinander abgestimmt und hier und da gibt es dann doch Besonderheiten wie das zuschaltbare Antialiasing, den PWM-Sweep für die breiten Lead-Sounds oder das recht heftig zupackende Filter.

Hack mich doch!
Abgesehen von der eingepflanzten Funktionalität lässt sich der MeeBlip SE aber auch mit eigenen Features nachrüsten oder auch total umstricken. Der komplette Assembler-Code für die Klangerzeugung kann über GitHub runtergeladen werden und auch die Schaltpläne für die Hardware und die Grafik für die Oberfläche sind frei verfügbar. Außerdem gibt es den MeeBlip in drei Ausbaustufen: Für 39 Dollar bekommt man das micro Kit, was die Platine inklusive MIDI-Buchse und Audio-Ausgang umfasst, Gehäuse und Controller muss man sich selbst basteln. Das SE Build-it-Yourself-Kit enthält alle Bauteile, das Gehäuse, und erfordert Lötkenntnisse. Für das SE Quick Build Synthesizer Kit schließlich braucht es lediglich einen Schraubenzieher.

Bedienung und Sound
Klangtechnisch kann der Meeblip SE mit vielen kleineren Analogsynths mithalten, der Preis regelt den Rest. Dafür hat er aber einen sehr eigenen, vielfältigen und charmanten Sound, bei dem auch die digitalen Artefakte subtil, aber hörbar hier und da eine Rolle spielen dürfen. Die Bedienung ist äußerst übersichtlich und auch für Einsteiger keine Hürde, alle Parameter sind ohne Umwege direkt zugänglich. Praktisch ist die komplette Midifizierung, denn alle Bedienelemente sind auch über CCs steuerbar.

Fazit
Die MeeBlip SE Sets sind für alle interessant, die selbst Einfluss darauf haben wollen, wie sich ihr Synth bedienen lässt und was er macht. Dabei sind sie nicht nur für den allwissenden Schaltkreis- und Programmier-Nerd geeignet, sondern dank ausführlicher Dokumentation und der hilfreichen und produktiven Online-Community (die unter anderem TouchOSC-Templates und einen VST Editor hervorgebracht hat) auch für den interessierten Einsteiger. Darüber hinaus ist der MeeBlip SE ein einfacher und günstiger kleiner Synth, der sich gut spielen lässt. Lohnt sich!

Preise:

MeeBlip micro Kit: 39 Dollar
MeeBlip SE Build-it-Yourself Kit: 119 Dollar
MeeBlip SE Quick Build Synthesizer Kit: 139 Dollar

MeeBlip

5 Responses

  1. papernoise

    der MeeBlip ist schon ganz interessant! was ich daran mag ist dass er, trotz des einfachen formats einiges bietet und so ziehmlich der one-knob-per-function philosophie gerecht wird. der sound ist natürlich geschmacksache, mir persönlich gefällt das leicht lo-fi mässige gut.
    schuld daran dass ich mir noch keinen gekauft habe ist die konkurrenz, und besonders der shruthi-1 von Mutable Instruments. Dieser kostet als kit mehr oder weniger genauso, hat allerdings einen echten analogen filter (einige zur auswahl) und einige tricks mehr auf lager. man muss sich bei dem aber auch durch menüs tasten.
    natürlich muss man zugeben dass 139 USD für einen fast fertigen synth schon schwer zu toppen ist.

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