DNA – Direct Note Access heisst das Feature, dass den Rummel um die neue Melodyne-Version erzeugt hat. Es erlaubt das Editieren einzelner Noten aus Akkorden und sogar kompletten Mixen.


Die neuste Melodyne-Inkarnation namens Editor DNA erlaubt es ganze Mixe in ihre Einzelinstrumente zu zerlegen – mit ein paar Einschränkungen, wie unser Test zeigt, der trotzdem mit Fazit “ziemlich revolutionäres Tool” endet.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 139

Übersicht
Melodyne gibt es mittlerweile seit 2001, aber die Funktionalität des zunächst reinen Tonhöhenkorrekturwerkzeugs ist stetig erweitert worden. Zunächst analysiert Melodyne das Audiofile, kurz darauf werden die einzelnen Noten als sogenannter Blob dargestellt. Jetzt kann man die Tonhöhe, das Timing und die Lautstärke jedes einzelnen Blobs/Tons individuell ändern. In Melodyne Editor DNA ist ein polyphoner Algorithmus hinzugekommen, der es auch erlaubt Akkorde zu erkennen und sogar, mit ein paar Einschränkungen, ganze Mixe in ihre Einzelinstrumente zu zerlegen.

Analyse
Spannend ist natürlich der neue polyphone Modus: Bei Einzelinstrumenten, die Akkorde spielen, klappt es mit der automatischen Erkennung erstaunlich gut und man muss nur selten einzelne Töne zurechtrücken. Äußerst praktisch, wenn die Aufnahme zwar gut, aber in der falschen Tonart war oder einzelne Noten nicht stimmten. Ganze Mixe sind da schon etwas sperriger und erfordern Detailarbeit in der Notenerkennung. Das liegt unter anderem daran, dass mitunter Noten der gleichen Tonhöhe von unterschiedlichen Instrumenten als ein Ton erkannt werden. Je klarer der Mix und je vereinzelter die Instrumente sind (also ohne Dopplung, mit wenig Verzerrung und ohne heftigen Kompressoreinsatz), desto besser funktioniert Melodyne auch auf ganzen Mixen. Aber davon unabhängig ist diese Analyse ziemlich interessant und nicht nur, um einzelne Spuren zu extrahieren und bei Bedarf zu klauen oder zu ändern, sondern auch um mal eben die Tonart oder die Quantisierung zu ändern.

Stand Alone und PlugIn
Im Stand-Alone-Modus stehen alle Möglichkeiten der Tonbearbeitung bereit und man kann das Ergebnis nicht nur als Audiofile sichern, sondern auch die Noten als MIDI-File. Im PlugIn-Betrieb ist das etwas anders: Dieses wird als Insert-Effekt auf die zu analysierende Spur gepackt, danach wird das Audiosignal analysiert und kann bearbeitet werden. Diese Nutzungsart klappt in den linearen Hosts wie Cubase und Logic gut, bei Ableton Live kommt es aber immer wieder zu Unstimmigkeiten, was die Länge des Loops angeht: So ist dieser zum Beispiel in Ableton einen Takt lang, Melodyne interpretiert ihn aber manchmal als vier Takte. Leider gibt das PlugIn nach der Analyse kein MIDI aus, das wäre ein Update, was ich mir noch wünschen würde.

Bedienung, Performance und Sound
Der Sound ist nach wie vor einer der besten, wenn es um Tonhöhenkorrektur geht und auch der Prozessorhunger des neuen Melodyne ist erstaunlich gering. Die typischen Artefakte von Pitchkorrektoren wie leicht verwaschene Transienten und ein bisschen weniger Brillianz in den Höhen gibt es auch hier, sie halten sich aber in Grenzen. Klar dass es ein wenig länger dauert, wenn man einen ganzen Mix analysieren möchte, aber selbst dies geht noch erstaunlich schnell. Auch wenn die Bedienung an vielen Stellen deutlich verbessert wurde, ist hier ein wenig Luft, an diversen Stellen könnte Melodyne noch ein wenig intuitiver sein. Die Tutorials und das ausführliche und gut verständliche Manual lassen einen aber nicht im Regen stehen und helfen schnell über die Lernkurve hinweg.

Fazit
Melodyne DNA ist rundum gelungen und schon ein ziemlich erstaunliches und einzigartiges Tool. Natürlich ist es, was angesichts der Komplexität auch nicht verwundert, nicht direkt Plug & Play und gelegentlich muss man bei der Erkennung etwas nachhelfen. Neben dem Haupteinsatzgebiet der nachträglichen Korrektur von Audioaufnahmen und dem Extrahieren von Noten aus Audiofiles hat es aber noch einen prima Nebennutzen: Mit dem polyphonen Algorithmus lassen sich Loops und Audioaufnahmen, die man noch auf der Festplatte hat, in Nullkommanix in ganz neue Variationen verwandeln. Alles in allem ein ziemlich revolutionäres Tool, das einzigartig ist und eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten bietet zu einem fairen Preis.

Preis: 333 Euro (Vollversion), diverse Upgradeoptionen

Celemony

4 Responses

  1. Ton

    Und ich dachte schon, DNA steht für Does Not Appear. 😛

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  2. Christian

    Habt ihr eigentlich auch mal SonicWorx Pro im Vergleich dazu angeschaut? Das fand ich letztes Jahr auf der Musikmesse schon ziemlich beeindruckend.

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